Benelli Naked Bike

Nacktfotos

Massig Hubraum und über 130 PS: Benelli baut um den aufgestockten Dreizylinder der Tornado Tre ein brachiales Naked Bike. MOTORRAD sah die ersten Zeichnungen und sprach mit Benelli-Chef Andrea Merloni.

Foto: Benelli
Neue Schönheit aus Italien: Benelli naked
Neue Schönheit aus Italien: Benelli naked
Benelli wagt den zweiten Schritt. Nach dem Supersportler Tornado bringt der kleine Hersteller aus Pesaro
an der Adria in wenigen Monaten ein
weiteres Modell. Logisch: eine Nackte, denn das liegt im Trend. Und natürlich mit brachialer Power – zum einen, weil der üppige Dreizylindermotor aus der Tornado Tre ohnehin zur Verfügung steht. Zum anderen, weil sich derzeit immer mehr Motorradfahrer von nackten Kraftprotzen faszinieren lassen.
Richtig viele Infos mag Benelli-Boss Andrea Merloni über die offiziell noch
namenlose »Nuda« nicht rauslassen. Deutlich mehr Hubraum als die Tornado wird sie mitbringen, nämlich statt 900
zwischen 1100 und 1200 Kubikzentimeter, dazu 130 bis 140 PS. Und, vor
allem, jede Menge Drehmoment aus dem Keller: »Das Vorderrad auf dem Boden
zu halten wird nicht so einfach sein«, prophezeit der Ex-Rennfahrer verschmitzt.
Manch weitere Information lässt sich aus den Zeichnungen herauslesen. Der Kühler, bei der Benelli Tornado unter
der Sitzbank zu finden, wandert bei der Neuen nach vorn und wird rechts und links des Zylinderkopfs positioniert. Der Rahmen besteht wie bei der Tornado
aus einem Stahlrohrgeflecht, das mit
Alugussteilen im Schwingenbereich verschraubt ist. Ebenfalls aus Stahl: die Zweiarmschwinge selbst – in filigranem Gitterrohrdesign. Der Schalldämpfer der Drei-in-eins-Anlage sitzt zeitgemäß unter der Sitzbank. Dazu verpasste Benelli-Designer Adrian Morton der Nackten ein kraftvolles Aussehen rund um einen höchst markanten Scheinwerfer.
Mit dem hohen, nach vorn geneigten Tank, dem sportlich nach unten gekröpften Lenker und den dreieckigen, lackierten Verkleidungsblenden rund um den Kühler wirkt Benellis neues Modell wie zum Sprung geduckt: Start frei zur Attacke auf den Markt.
Das Naked-Projekt startete im Februar 2003. Obwohl kaum Komponenten
von der Tornado übernommen wurden, schafften die Designer, Techniker und
Ingenieure die Entwicklung in Rekordzeit. »Da ist es dann doch mal von Vorteil, dass wir so ein kleiner Laden sind«, erklärt Andrea Merloni. »Ich muss nicht
erst das Marketing fragen, sondern kann
einfach entscheiden. Das spart Zeit.«
82 Leute arbeiten inzwischen bei Benelli, knapp die Hälfte davon in der Produktion, wo täglich um die 15 Motorräder vom Band laufen. Die Dreizylinder-Motoren montiert Franco Morini in Bologna.
Von einer Vorstellung des Naked
Bikes auf der Mailänder Messe im vergangenen September sah Benelli ab, denn der Bau eines Prototypen hätte
die Gesamtentwicklung um drei Monate verzögert – wertvolle Zeit, die dann beim Saisonstart gefehlt hätte. Läuft alles weiter nach Plan, soll die Nackte bereits
im Frühjahr bei den Händlern stehen.
Zwei Informationen rückt Andrea
Merloni zum Schluss doch noch heraus: einmal, dass er schon eine zündende Idee für den Namen hat: TNT. Was im speziellen Fall für Tornado Naked Tre steht. Allerdings ist noch nicht geklärt,
ob die Namensrechte frei sind. Zweitens verrät Merloni den Preis: Benellis Neue soll unter 13000 Euro kosten. Wenn
sie alles hält, was sie verspricht, werden
die Italo-Fans ihre nackte Freude an
ihr haben.
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Interview mit Andrea Merloni

Benelli-Chef Andrea Merloni, 36, zur aktuellen Situation der italienischen Motorradmarke.
Herr Merloni, sind Sie zufrieden mit Benelli? Für den Anfang, und da stehen wir ja, läuft es gar nicht schlecht. Vor allem haben wir erfolgreich einen eigenen Motor entwickelt. Klar, unser Dreizylinder gefällt nicht jedem. Andererseits lässt er aber auch niemanden kalt. Mit den ersten Modellen der Tornado Tre Biposto gab es Probleme, auch beim MOTORRAD-Test. Ehrlich gesagt, es hätte schlimmer kommen können. Manche Macken zeigen sich eben erst in der Serienproduktion. Etwa der hohe Verbrauch, den MOTORRAD bemängelte. Schlicht eine Frage der Motorabstimmung, das haben wir geändert. Dann gab«s noch Schwierigkeiten mit unserer Anti-Hopping-Kupplung, der Leerlauf war schwer zu finden. Dies wurde mit einem Kit aus der Welt geschafft. Verärgern Sie damit nicht Ihre Kunden? Ich glaube nicht. Die Tornado ist noch kein Jahr auf dem Markt, da können wir uns nicht gleich auf dem Niveau alteingesessener Konkurrenten bewegen. Allerdings lösen wir unsere Probleme und lassen die Kunden nicht im Regen stehen. Was planen Sie langfristig? Eine komplette Modellpalette rund um unseren Dreizylindermotor. Ende 2005 soll die Familie Zuwachs bekommen. Eines kann ich verraten: Es wird kein Custom Bike sein. Wie viele Motorräder wollen Sie 2004 bauen? Rund 2500 Stück, also 1000 mehr als im Jahr 2003. Wann rechnen Sie mit schwarzen Zahlen? Wenn alles klappt – im nächsten Jahr.

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