Benelli TnT 1130 und Suzuki Bandit 1250 S One-day-Stand ...

... oder der perfekte Seitensprung.

Rational gesehen ... geht mir bloß weg mit dem Ausdruck! Den kann man in Verbindung mit Waschmaschinen bringen: Schongang, Schleuderdrehzahl, Stromverbrauch...Solch ein Ding soll Wäsche waschen, es steht in der Ecke, wird auf Knopfdruck aktiviert und nach Gebrauch ausgeschaltet. Jetzt kommt es: Meine Frau Christine setzt seit jeher Waschmaschine mit Motorrad gleich. So im Sinne von "steht in der Ecke, Knopfdruck, waschen, pardon: fahren und wieder ausmachen..."

Christine fährt nicht, ich kann ihr diese Ansicht nicht verübeln. Und man(n) will ja auch keinen Ärger, also hab’ ich mich beim Motorradkauf rational verhalten: Suzuki Bandit 1250 S mit ABS. 98 PS für knapp 8000 Euro. 108 Newtonmeter Druck gegen 5,5 Liter Durst. Japanische Zuverlässigkeit, vierzylindrig manifestiert. Auch die Formensprache: nichts, wofür man sich bereits vor 40 Jahren umgedreht hätte. Bin zufrieden mit meiner Wahl, keine Frage, super Motorrad. Was niemand weiß: Ich habe Tagträume, gehe gedanklich schon mal fremd. Dann schnurrt nicht mehr die Bandit zwischen meinen Schenkeln, sondern faucht diese sinnverwirrende Italienerin, Benelli TnT 1130 Café Racer. Eine Diva mit der Explosionskraft und Ausstrahlung einer Naomi Campbell. Ihr Fauchen lässt Nackenhaare erigieren, hab ich gelesen. Zudem ist sie optisch scharf wie keine andere: lüstern geduckt, goldfarben, jedes Detail ein Kunstwerk. Deshalb werd’ ich’s auch tun: fremdgehen, nur mal einen Tag ...

"Siggi’s Italo-Bikes – Ausgedehnte Proberitte" – so annonciert der Laden in den Gelben Seiten. Und Siggi hat sie da. Mit jungfräulichen 120 Kilometern auf der Uhr. Zwei Stunden Fahrt gratis, jede weitere angefangene rund 30 Euro. Der wahrgewordene Traum zum Schnäppchenkurs. Als ich mit der Bandit auf den Hof biege, beißt mich mein Gewissen. Was, wenn ich mich unsterblich verliebe? Kann ein One-day-Stand zur dauerhaften Beziehung werden? Perso raus, Unterschrift reicht. Zündschlüssel rein – verdammte Fummelei. Starten – ein Gefühl, als wenn du deine Liebste zum ersten Mal küsst. Nur sind’s dann nicht nur Nackenhaare. Hier wird keine Maschine gestartet. Bei der TnT wird ein metallisches Lebewesen aus dem Tiefschlaf aufgescheucht. Und das ist sauer, wehrt sich, weils nicht ausschlafen konnte. Hat keine Lust, dass man ihm zu nahe kommt. Zwar liegt der Lenker gut in der Hand, doch ein spitz zulaufender Tankknubbel drückt dort, wo ich es gar nicht gebrauchen kann. Bei meiner Suzi ist alles runder, weicher. Egal. Die animalischen Geräusche entschädigen für blaue Flecken. Vergleich gefällig? Das Seufzen meiner Liebsten, wenn ich ihr abends vorm Fernseher ganz sachte die Kopfhaut massiere, gegen das enthemmte Stöhnen kurz vor dem...Na, Sie wissen schon.

Nur: Kann dieser Sound gesund sein? Das Verbrennungsorchester aus dem Endschalldämpfer, klar, ist wunderbar, das mechanische Mahlen aus dem Dreizylinder ebenso unterhaltsam. Hubzapfen, Nocken, Kolben, Steuerkette – du spürst, wie sich jedes einzelne Bauteil lasziv und eigendynamisch hinter dem Wassermantel räkelt. Dauerhaft solide fühlt sich das nicht an. Bei der Suzuki brummt und vibriert ein massiver Block. Perfekte Spaltmaße, gebündelt, um Ewigkeiten zu funktionieren. Runter vom Hof, erste Gerade. Ich habe verdammt viel von der Beschleunigungsmagie der TnT gehört. Ob’s stimmt? Gas auf!

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