Benelli-Verkauf Die Russen kommen

Alle reden von den Chinesen – und derweil kommen offenbar die Russen: Noch-Benelli-Eigner Andrea Merloni hat mit dem gebürtigen Russen Nikolai Smolenski einen “Letter of Intent” unterzeichnet, der eine Übernahme der italienischen Marke durch den 25-Jährigen vorsieht. Smolenski betätigt sich bereits im Motorenbereich, denn er übernahm im Juli 2004 für geschätzte 27 Millionen Dollar den englischen Sportwagenbauer TVR in Blackpool, bekannt für seine Karosserien aus glasfaserverstärktem Kunstsstoff (GFK). Besonders viel Glück hatte er dabei allerdings nicht, denn wegen Überproduktion geriet TVR Anfang 2005 in die Krise und musste 90 seiner 380 Beschäftigten entlassen. Weil TVR auch die Motoren seiner 400-PS-Renner selbst baut, könnte Benelli aus Smolenskis Sicht eine ganz gute Ergänzung darstellen, indem er den Motorenbau von Morini Franco aus Bologna ins englische Blackpool verlegt und TVR so besser ausgelastet. Die Montage der Benelli-Motorräder soll jedoch auf jeden Fall in Pesaro bleiben. Den Gewerkschaften hat Smolenski dem Vernehmen nach bereits zugesagt, mindestens 30 Beschäftigte zu übernehmen; diese befinden sich derzeit auf Kurzarbeit Null, die Bänder im Benelli-Werk stehen nicht nur wegen der italienischen Werksferien still.

Doch wie kommt ein 25-Jähriger zu genügend Geld, um Firmen wie TVR und Benelli zu übernehmen? Ähnlich wie beim derzeitigen Benelli-Besitzer Andrea Merloni, dessen Familie ein riesiger Konzern für Küchen- und Badezimmeraustattungen gehört, scheint Smolenskis Finanzkraft auf seinen Vater zurückzugehen. Alexander Smolenski, Jahrgang 1954, stieg nämlich nach der Öffnung Russlands zum einflussreichen Bankier auf und galt als enger Freund des Präsidenten Jelzin. Im Laufe der Privatisierungen in Russland übernahm er zudem den Ölkonzern Sibneft; einer seiner Partner dabei war der heutige Chelsea-Besitzer Abramowitsch. Als die Wirtschaft des Landes 1998 wegen der Rubelkrise schwer ins Schleudern kam, geriet Smolenskis Bankenimperium unter Druck. Im Jahr 2000 floh er vor einem drohenden Haftbefehl ins Ausland, traf jedoch später eine Einigung mit der russischen Regierung und konnte in seine Heimat zurückkehren.

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