Big Bikes um 2500 Euro (Archivversion)

Block-Festival

Hier spielt die Musik. Mächtige Hubräume sorgen für eine artgerechte Geräuschkulisse beim Motor­radfahren. Erstaunlich, was der Gebrauchtmarkt für rund 2500 Euro an großen Vierzylindern alles zu bieten hat. MOTORRAD präsentiert die interessantesten Angebote.

Muss es wirklich der neueste Hypersportler, das aktuellste Naked Bike oder der modernste Tourer sein? Oder genügt vielleicht auch ein Motorradmodell, das vor zehn oder 20 Jahren seine Erfolge feierte? Wer die letzte Frage mit »ja« beantwortet, ist auf den folgenden Seiten gut aufgehoben. Für hubraum- und leistungsstarke Big Bikes müssen Interessenten nicht zwingend 8000, 10000 oder gar 15000 Euround mehr hinblättern. Voraussetzung: Beim Objekt der Begierde handelt es sich um ein Modell aus den 1980er und 1990er Jahren. Für etwa 2500 Euro findet sich jede Menge brauchbares Altmetall, das noch für viele 10000 Kilometer Zweiradspaß taugt. Die allermeisten dicken Vierzylinder sind nämlich äußerst zuverlässig – zumindest, wenn die Vorbesitzer pfleglich mit ihnen umgegangen sind und ihrem Bike regelmäßige Ölwechsel und Inspektionen spendiert haben. Vorsicht ist dagegen angesagt, wenn es sich bei den Angeboten um auffällig junge Big Bikes handelt. Beim vermeintlichen Schnäppchen handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Unfallfahrzeug mit mehr oder weniger sichtbaren Spuren und/oder extrem verbastelte Modelle.
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Suzuki GSF 1200/S Bandit (Archivversion)

Dass aus der großen Bandit das erfolgreichste Big Bike seiner Zeit (1995 bis 2006) wurde, lag am stimmigen Konzept – und natürlich am vergleichsweise günstigen Neupreis (rund 7500 Euro). Sahnestück ist ihr – trotz europaweiter Beschränkung auf 98 PS – bärenstarker, elastischer und dabei seidenweich zu Werke gehender Vierzylinder. Läuft er bei der Besichtigung nicht rund, liegt’s wahrscheinlich an einer schlechten Vergasersynchronisation. Ein pulsierender Bremsgriff auf der Probefahrt bei leicht gezogener Handbremse entlarvt verzogene Bremsscheiben. Da sich kaum eine der vielen gebraucht angebotenen Bandit im Originalzustand befindet, sollten Interessenten zumindest nach den Serienbauteilen fragen. Beliebteste Umbaumaßnahme sind Zubehörschalldämpfer, die bei der über den Auspuff gedrosselten Suzuki für teilweise deutlichen (und damit ohne Eintragung illegalen) Leistungszuwachs sorgen – darum unbedingt zusätzlich den Original-Topf verlangen. Ist darüber hinaus auch der äußere Zustand in Ordnung, weder markante Sturzspuren noch Rostbefall mangels Pflege zu finden, heißt es zugreifen und wohlfühlen. Denn die bequeme Sitzposition und der breite Lenker vermitteln aus dem Stand ein sicheres Fahrgefühl, das der souveräne Motor untermauert.

Daten (Bj. 1996):
luft-/ölgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 98 PS, 1157 cm³, Gewicht 236 kg, Zuladung 214 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 820 mm, Höchstgeschwindigkeit 203 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 3,4 sek, Durchzug 60–140 km/h in 9,9 sek, Verbrauch 5,7 bis 11,4 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Ein Fahrzeugbestand von rund 30000 Stück legt ein großes Gebrauchtangebot nahe. Das stimmt grundsätzlich, doch leider nicht im betrachteten Preissegment. Lediglich die Baujahre bis 1999 gibt’s schon für 2500 bis 2900 Euro und Laufleistungen um 50000 Kilometer – ABS-Versionen nicht.

Tests in MOTORRAD
10/1995 (T), 5/1996 (VT), 8/1997 (VT), 22/1999 (VT), 7/2000 (GK)
T=Test, VT=Vergleichstest, GK=GebrauchtkaufNachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internet www.banditforum.de; www.1200bandit.de

Fazit
Mit einer großen Bandit kann man fast nichts falsch machen. Ihre Alltagstauglichkeit und Lebenserwar- tung sind ebenso hoch wie die Umbau- möglichkeiten mit Zubehör. Wer Windschutz sucht, wählt einfach das
S-Modell mit serienmäßiger Halbschale.

Kawasaki Zephyr 1100 (Archivversion)

Sie gehörte zu den Vorreitern der Retro­welle Anfang der 1990er Jahre. Außer ihrem klassischen Design mit Tropfentank und markantem Entenbürzel bietet die große Zephyr überschaubare Technik und einen zuverlässigen Motor. Und obendrein die bissigen Bremsen aus der supersportlichen ZXR 750. Tourenfahrern fehlt ein Windschutz, außerdem sind ihnen 179 Kilo Zuladung zu gering. Und sportlich ambitionierten Fahrern passt die Abstimmung mit zu harten Federbeinen und zu weicher Gabel ganz und gar nicht. Doch alle, die einfach genussvoll und schaltfaul durch die Landschaft schwingen und Fahrtwind um die Nase spüren möchten, werden mit einer Zephyr glücklich. Besonders gefragt sind Modelle ab 1996, die Speichen- statt Gussräder besitzen, dafür allerdings selten unter 3000 Euro zu finden sind. Für Selbstschrauber eignet sich die Zephyr ganz besonders. Nicht, weil es viel zu tun gäbe, sondern einfach deshalb, weil weder Kunststoffteile, Einspritzung, Wasser­kühlung noch aufwendige Elektronik Bastelambitionen behindern. Beim Gebrauchtkauf genügt neben der obligatorischen Probefahrt die Kontrolle von Rad-, Schwingen- und Lenkkopflager sowie des allgemeinen Pflegezustands der nackten 1100er.

Daten (Bj. 1993):
luftgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 93 PS, 1062 cm³, Gewicht 266 kg, Zuladung 179 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 780 mm, Höchstgeschwindigkeit 207 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 4,4 sek, Durchzug 60 bis 140 km/h in 13,5 sek, Verbrauch 5,1 bis 10,1 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Unter 2500 Euro findet sich nur mit viel Glück eine dicke Zephyr, und dann häufig mit kleinen Sturzschäden. Empfehlenswerte Gebrauchte der Baujahre 1993 bis 1995 – selten jünger – kosten zumindest 2500 bis 2900 Euro, bei Kilometerleistungen zwischen 30000 und 60000.

Tests in MOTORRAD6/1992
(T), 7/1992 (VT), 11/1993 (VT), 22/1994 (VT), 23/1999 (GK)
T=Test, VT=Vergleichstest, GK=GebrauchtkaufNachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internetwww.zephyrfahrer.de; www.igzephyr.de

Fazit
Anhänger luftgekühlter Vierzylinder kommen an der schnörkellosen Zephyr 1100 kaum vorbei, auch wenn ihre Technik nicht gerade auf dem neuesten Stand ist. Dafür ist die Zephyr äußerst zuverlässig und sicher auch in 15 Jahren noch gefragt.

Suzuki GSX-R 1100 (Archivversion)

Guten Gewissens darf die Suzuki GSX-R 1100 als Urmutter aller supersportlichen Big Bikes angesehen werden. Zunächst rollte sie der Konkurrenz vollgetankt mit 226 Kilogramm auf 18-Zoll-Rädern davon. Die schmalen, großen Reifen sorgten für spielerisches Handling, allerdings auch für manchen Rutscher am Kurvenausgang. Ab 1989 verhalf breitere 17-Zoll-Bereifung zu mehr Haftung. Auch in puncto Gewicht tat sich im Lauf der Jahre einiges – leider zu ungunsten der ehemals leichten Sportrakete. 1994 zeigte die Waage knapp 260 Kilogramm. Dafür präsentiert sich das Fahrwerk wesentlich komfortabler als in den ersten Baujahren, in denen die Federelemente bretthart waren. Auch die spartanische Sitzposition mit den tiefen Lenkstummeln animiert nicht gerade zum Reisen. Kaufinteressenten sollten einen Blick auf die Auspuffanlage werfen, die bis einschließlich 1988 extrem rostanfällig war – erst später bekam die Suzuki eine Edelstahlversion. Festbackende Brems­kolben sind ebenfalls nicht selten. Dieses Problem lässt sich leicht lokalisieren: Motorrad schieben, Bremse ziehen, wieder lösen und weiterschieben. Bei erhöhtem Schiebewiderstand ist was faul. Hoher Ölverbrauch ist hin­-gegen normal – bis zu zwei Liter auf 1000 Kilometer sind möglich. Immerhin zeigt sich der Motor bei angemessen langer Warmlaufphase und regelmäßigen Service-Intervallen als zuverlässig und hält bis zu 100000 Kilometer und mehr.

Daten (Bj. 1989):
luft-/ölgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 100 PS, 1127 cm³, Gewicht 243 kg, Zuladung 203 kg, Tankinhalt 21 Liter, Sitzhöhe 795 mm, Höchstgeschwindigkeit 235 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 3,4 sek, Durchzug 60–140 km/h in 8,1 sek, Verbrauch 7,0 bis 8,3 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Während die wassergekühlte Modellreihe ab Baujahr 1993 kaum für unter 2900 Euro zu finden ist, gibt’s von der luft-/ölgekühlten Variante schon für weniger als 2000 Euro reichlich Angebote mit Laufleistungen zwischen 50000 und 100000 Kilometern auf dem Markt.

Tests in MOTORRAD
4+5/1986 (VT), 10/1987 (LT), 4/1989 (T), 18/1991 (GK), 11/1992 (VT)
T=Test, VT=Vergleichstest, GK=Gebrauchtkauf, LT=LangstreckentestNachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internetwww.gsxr.de

Fazit
Kompromissloses Sportgerät, das Geschichte schrieb und dessen erste Baujahre im Origi- nalzustand bereits Liebhaber- preise erzielen. Dennoch finden sich reichlich interessante Offerten schon für wenig Kohle.

Vorsicht Kostenfalle (Archivversion)

Zu jedem Gebrauchtkauf gehören eine ausgiebige Besichtigung und eine Probefahrt. Wer auf beides verzichtet, kauft die Katze im Sack. Der veranschlagte Kaufpreis allein sagt nämlich noch gar nichts aus. Auch wenn Modell, Baujahr und Laufleistung zweier Maschinen übereinstimmen, ihr Pflege­zustand muss es nicht.

Reifen
Abgefahrene Pneus am Kaufobjekt?Dann sind bei Big Bikes ruck, zuck 250 Euro und mehr für ein Satz neue Sohlen fällig.

Bremsen
Verschlissene Beläge an einer vorderen Doppelscheibenbremse sind mit einem Kostenfaktor von 50 bis 100 Euro noch vergleichsweise harmlos. Aber wehe, wenn die Bremsscheiben eingelaufen sind und spätestens bei der TÜV-Hürde scheitern würden. Pro Scheibe sind je nach Hersteller gleich mal 150 Euro und mehr zu berappen – Werkstattkosten nicht mitgerechnet.

Kettensatz
Ein verschlissener Antriebssatz für drehmomentstarke Motorräder schlägt komplett (Kette, Ritzel, Kettenrad) mit wenigstens 150 Euro zu Buche – wenn man ihn selbst montiert, sonst wird’s teurer.

Ölwechsel
Kosten je nach Ölqualität und inklusive Ölfilter ab etwa 25 Euro.

Tank
Kleinvieh macht auch Mist. Ein volles Spritfass bei Fahrzeugübergabe kann bis über 30 Euro Preisvorteil bringen.

Inspektion
Wer auf ein vollständiges Scheckheft Wert legt und nach dem Kauf zuerst einen Service in der Vertragswerkstatt machen lassen muss, sollte je nach Motorradmodell mit 150 Euro, teilweise sogar wesentlich mehr rechnen.

Hauptuntersuchung (HU)
Am besten lässt man die noch den Vorbesitzer übernehmen. Schließlich sind für eine fällige HU samt Abgasuntersuchung je nach Bundesland und Prüfdienst 50 bis 100 Euro zu berappen. Und wenn’s mit der Plakette nichts werden sollte, ist das ein triftiger Grund, das Gebrauchtmotorrad nicht zu kaufen.

Fazit
Am besten mehrere interessante Offerten vergleichen und ganz gezielt die möglichen Folgekosten mit einbe­ziehen. Erst auf diese Weise findet sich das wirklich günstigste Angebot. Denn wer nach dem Kauf gleich noch einmal 500 Euro investieren muss, um das Motorrad straßentauglich zu machen, hat möglicherweise kein Schnäppchen gemacht.

Honda CBR 1000 F (Archivversion)

Die CBR 1000 F gehörte zu den ersten komplett in ein Kunststoffkleid gehüllten Motorrädern auf dem Markt, was ihr die Beinamen Joghurtbecher oder Plastikdampfer bescherte. Die Konstrukteure versprachen sich davon eine besonders ausgefeilte Aerodynamik und somit eine höhere Endgeschwindigkeit. Die anfänglichen Probleme mit dem Steuerkettenspanner sollten längst bei allen betroffenen Maschinen behoben sein – das war ohnehin nur in den ersten beiden Baujahren der Fall. Wer die Wahl hat, sollte sich dennoch für die neuere Variante vom Typ SC 24 (ab Baujahr 1989) entscheiden, die sich gegenüber der SC 21 bezüglich Fahrwerk, Windschutz und Bereifung (170er- statt 140er-Hinterreifen) wesentlich verbessert präsentiert. Hauptargument, eine noch jüngere CBR ab 1993 zu wählen, ist das Verbundbremssystem Dual-CBS (Combined Brake System), bei dem sowohl bei Betätigung der Hand- als auch der Fußbremse gleichzeitig Vorder- und Hinterrad gebremst werden – ein echtes Sicherheitsplus. Unabhängig vom Baujahr sollten Kaufinteressenten nicht nur die gesamte Verkleidung auf Risse (vor allem im Bereich der Halterungen) kontrollieren, sondern auch einen Blick unters Kleid werfen, um nach verräterischen Ölspuren zu forschen.

Daten (Bj. 1993):
wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 98 PS, 998 cm³, Gewicht 288 kg, Zuladung 168 kg, Tankinhalt 22 Liter, Sitzhöhe 770 mm, Höchstgeschwindigkeit 225 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 4,5 sek, Durchzug 60–120 km/h in 8,4 sek, Verbrauch 4,9 bis 8,8 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Ein Bestand von über 10000 Fahrzeugen garantiert reichlich Angebote. Die beginnen schon unter 2000 Euro für Modelle aus den 1980er Jahren mit Laufleistungen um 100000 Kilometer. Hondas mit Dual-CBS ab 1993 und gut 50000 Kilometern auf der Uhr gibt’s für 2400 bis 2800 Euro.

Tests in MOTORRAD5/1987
(T), 15/1987 (LT), 10/1988 (VT), 14/1993 (VT), 25/1994 (GK)
T=Test, LT=Langstreckentest, VT=Vergleichstest, GK=Gebrauchtkauf; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internet www.cbr-forum.de

Fazit
Die CBR versteckt ihren fetten Zylinderblock und sämtliche Innereien komplett unter einem Kunststoffkleid – eigentlich schade. Wer ein langstreckentaugliches, preisgünstiges Big Bike sucht, liegt mit der Honda richtig.

Yamaha FZR 1000 (Archivversion)

egonnen hat die Ära der Yamaha FZR 1000 im Jahr 1987 unter dem Beinamen Genesis mit 989 cm³. Beim ersten Modellwechsel 1989 nannte sich die supersportliche Japanerin aufgrund ihrer neuen Abgas-Auslasssteuerung FZR 1000 Exup, und der Hubraum betrug fortan knapp über 1000 cm³. Weitere Modellpflegemaßnahmen folgten, unter anderem gab’s 1991 eine Upside-down-Gabel. Unabhängig vom Baujahr ist die Yamaha ein reinrassiges Sportgerät für Solisten – außer die Mitfahrer sind unter 1,50 Meter und kommen mit den extrem hoch liegenden Rasten und dem klitzekleinen Sitzbrötchen zurecht. Pluspunkte sammelt die FZR für ihren pflegeleichten Motor, der nur alle 42000 Kilometer nach Ventilspiel-Kontrolle verlangt und bei guter Pflege weit über 100000 Kilometer durchhält. Die wenigen Schwachstellen sollten bereits von den Vorbesitzern behoben worden sein. Dazu gehören rubbelnde Bremsscheiben. Statt der Originalteile steigt man besser auf schwimmend gelagerte Zubehörscheiben um. Ist die Kupplung auf der Probefahrt schlecht zu dosieren oder rupft sie gar, dann lässt man besser die Finger von der Gebrauchten. Der Aufwand einer Reparatur lohnt in der betrachteten Preisklasse kaum. Außerdem ist das Angebot an gebrauchten FZR dermaßen groß, dass man sich getrost anderweitig umschauen kann.

Daten (Bj. 1990):
wassergekühlter Vier­zylinder-Reihenmotor, 100 PS, 1003 cm³, Gewicht 242 kg, Zuladung 198 kg, Tankinhalt 19 Liter, Sitzhöhe 770 mm, Höchstgeschwindigkeit 231 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 3,7 sek, Durchzug 60–140 km/h in 9,4 sek, Verbrauch 6,6 bis 10,2 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Die betagte Sportskanone wird bis Baujahr 1989 und wenigstens 60000 Kilometern schon für unter 2000 Euro offeriert. Modelle aus den 1990er Jahren mit Laufleistungen zwischen 20000 und 50000 Kilometer schlagen mit 2300 bis 2800 Euro zu Buche.

Tests in MOTORRAD
6/1987 (T), 12/1988 (LT), 7/1989 (T), 24/1990 (T), 19/1993 (GK)
T=Test, LT=Langstreckentest, GK=Gebrauchtkauf; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internet www.fzr-forum.de

Fazit
Die FZR 1000 ist ein Vollblutsportler und sonst gar nichts. Mit ihren überzeugenden Fahrleistungen kann sie noch immer mit weit jüngeren Motorrädern mithalten. Kaufinteressenten können in einem riesigen Gebrauchtteich fischen.

Yamaha XJR 1200 (Archivversion)

Im Erscheinungsjahr war die Yamaha XJR 1200 das hubraumstärkste Naked Bike. Ihre zeitlose Eleganz mit dem luftgekühlten Vierzylinder im Feinrippkostüm ist nicht nur für Klassik-Fans eine wahre Augenweide. Besonders hervorzuheben sind der aus der FJ 1200 stammende, zuverlässige und drehmoment­starke Motor sowie die standfeste Bremsanlage. Den zu dick geratenen Vorderreifen der Dimension 130/70 ZR 17, der ein zuweilen störrisches Lenkverhalten und deutlich spürbares Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage verursachte, ersetzte Yamaha erst 1999 im Zuge des Modellwechsel auf die XJR 1300 durch ein weit handlicheres 120er-Format. Mit einem Teilegutachten des Importeurs lassen sich jedoch auch ältere Modelle problemlos umrüsten. Außerdem tauschen viele XJR-Besitzer die zu weichen Gabelfedern aus, die so gar nicht mit den unkomfortabel hart geratenen Federbeinen harmonieren. Mit etwas Glück geraten Interessenten an bereits umgerüstete Gebrauchte. In dem Fall unbedingt auf entsprechende Eintragungen in den Papieren achten. Arg verbastelte 1200er, die mit Nachrüstschalldämpfern, Cockpitverkleidungen, Lenkerumbauten oder ähnlichem Zubehör angeboten werden, sind nur dann zu empfehlen, wenn der Käufer ohnehin diese Umbauten vornehmen wollte oder wenigstens die Originalteile noch vorhanden sind.

Daten (Bj. 1996):
luftgekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 98 PS, 1188 cm³, Gewicht 253 kg, Zuladung 207 kg, Tankinhalt 21 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 198 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 3,7 sek, Durchzug 60–140 km/h in 12,6 sek, Verbrauch 6,0–11,7 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Unter 2500 Euro findet sich praktisch nichts, dafür sind die Yamaha noch zu jung beziehungsweise in zu gutem Zustand. Erst zu Preisen zwischen 2500 und 2900 Euro gibt’s vereinzelt XJR 1200 bis Baujahr 1996 mit 30000 bis 60000 Kilometer auf der Uhr.

Tests in MOTORRAD
19/1994 (T), 22/1994 (VT), 5/1996 (VT), 2/1999 (GK)
*T=Test, VT=Vergleichstest, GK=GebrauchtkaufNachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internet www.xjrig.de;www.yamaha-xjr.de

Fazit
Die XJR ist allein schon des riesigen Zubehörangebots wegen eine Überlegung wert. Zuverlässig ist sie ohnehin und darüber hinaus ein blitzsauberes Big Bike, das auch zwei Personen ausreichend Platz bietet.

Triumph Trophy 1200 (Archivversion)

Für Menschen unter 1,80 Meter taugt die Trophy nur bedingt. Sitzbank und Lenkstummel sind durch einen langen 25-Liter-Tank voneinander getrennt, was eine gestreckte Sitzposition mit sich bringt. Großgewachsene Zeitgenossen fühlen sich hingegen recht wohl, Mitfahrer dank ausreichenden Platzangebots ebenfalls. Und der dicke Vierzylinder hat mit Zusatzgewicht ohnehin kein Problem. Der von MOTORRAD ermittelte Durchzugswert von gerade mal 8,2 Sekunden von 60 auf 140 km/h spricht Bände. Modelle der ersten beiden Baujahre (1991 und 1992) kämpften hin und wieder mit übergesprungenen Steuerketten und krummen Ventilen. Damit war ab den überarbeiteten 1993er-Trophy Schluss. Und alle betroffenen Fahrzeuge dürften mittlerweile längst umgerüstet worden sein. Zur Kontrolle genügt Gebrauchtkäufern ein aufmerksamer Blick ins Serviceheft. Viele sinnvolle Modellpflegemaßnahmen lassen sich auch an älteren Modellen nachrüsten. Dazu gehören 310-Millimeter-Bremsscheiben, höherer Lenker und tiefer positionierte Fußrasten (ab 1993) und ab 1994 das 17-Zoll-Hinterrad, das die 18-Zoll-Version ersetzte. Wer Umrüstungen dieser Art plant, sucht besser nach einer bereits modifizierten Trophy, sonst kommen locker 1000 Euro Extrakosten dazu.

Daten (Bj. 1994):
wassergekühlter Vierzylinder-Reihenmotor, 98 PS, 1180 cm³, Gewicht 275 kg, Zuladung 176 kg, Tankinhalt 25 Liter, Sitzhöhe 790 mm, Höchstgeschwindigkeit 225 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 3,9 sek, Durchzug 60–140 km/h in 8,2 sek, Verbrauch 5,2 bis 8,3 l/100 km (Super).

Marktsituation
Von der 1200er sind in Deutschland nicht einmal 1000 Stück zugelassen, entsprechend mager ist das Angebot an Gebrauchten. Der Mindesteinsatz für Trophy bis Baujahr 1995 mit Laufleistungen um 40000 Kilometer liegt bei gut 2500 Euro.

Tests in MOTORRAD
13+14/1991 (VT), 25/1993 (LT), 16/1994 (VT), 3/1996 (T)
VT=Vergleichstest, LT=Langstreckentest, T=Test; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internet www.t300.de

Fazit
Wer nicht auf Massenmotorräder steht, sondern ein besonderes Big Bike sucht, das sich durch einen durchzugsstarken Motor und hohe Langstreckentauglichkeit auszeichnet, liegt richtig.

Alternativen (Archivversion)

Honda CBR 1100 XX
Blitzsauberer, sauschneller und komfortabler Sporttourer, der sich jedoch nur mit Glück sowie grundsätzlich sehr hohen Kilo-meterleistungen bereits für 2500 Euro findet.
Tiptop: Langstreckenrakete

Kawasaki GPZ 1100
Mitte der 1990er für wenige Jahre auf dem Markt und mangels Erfolg wieder abgesetzt. Dabei hat sie viel zu bieten: Sie ist zuverlässig, zweipersonentauglich, besitzt prima Bremsen und Windschutz.
Sporttourer für Allrounder

Kawasaki ZRX 1100
Die sportliche Kawa präsentiert sich bis auf die Cockpitverkleidung unverhüllt. Ihre Pluspunkte: tadellose Bremsen, gute Verarbeitung und robuster Motor. Weniger gut: kein Hauptständer und zu hohe Soziusrasten.
Naked Bike mit Showeffekt

Suzuki GSX 1100 F
Selbst Modelle der letzten Baujahre 1995 und 1996 finden sich mit 50000 Kilometern für nur knapp über 2000 Euro. Kaum ein Big Bike wird günstiger gehandelt. Einst der Clou: elektrisch verstellbare Scheibe.
Preisgünstiger Schwerathlet

Yamaha FJ 1200
Tausendfach bewähr-ter Reisedampfer mit Kilometergarantie. Die beliebte Yamaha ist gefragt und im betrachteten Preissegment meist blitzschnell vergriffen. Hohe Laufleistungen – bei guter Pflege kein Problem.
Wohlfühl-Reisebegleiterin

Yamaha XS 1100
Ein wahres Ur-Big-Bike: Ende der 1970er Jahre war die XS das hubraumstärkste und schnellste Großserienmotorrad der Welt. Besonders gut erhaltene Exemplare mit wenig Kilometern sind ihre 2500 euro wert.
Youngtimer-Big-Block

BMW K 100 RS (Archivversion)

Ganze zehn Jahre – von 1983 bis 1992 bereicherte das sportliche Flaggschiff von BMW, die K 100 RS, den Motorradmarkt. Größte Modellpflegemaßnahme war 1990 der Umstieg auf den 100-PS-Vierventilmotor und das Paralever-Fahrwerk aus der K1. Der längs eingebaute Vierzylinder ist für den wenig schmeichelhaften Beinamen »Ziegelstein« der K verantwortlich. Auch die ungewöhnlichen,stark pfeifenden Lebensäußerungen sorgten für manchen Spott. Dafür ist der Motor Inbegriff für Langlebigkeit – selbst Laufleistungen von weit über 200000 Kilometern sind bei entsprechender Wartung und Pflege nicht ungewöhnlich. Vorteile für Gebraucht­-interessenten sind die häufig akkurat ausgefüllten Service-Scheckhefte – ein Indiz für technisch einwandfreien Gesamtzustand – und die meist reichhaltige Zubehör-ausstattung. Kaum eine RS wird ohne Koffersystem angeboten. Modelle ab 1988 sind außerdem in der Regel mit ABS ausgestattet, und ab 1991 häufig mit Katalysator. Besonderes Augenmerk sollte bei der Besichtigung auf die Funktion der Instrumente gelegt werden, die hin und wieder ihren Dienst versagen, und auf Undichtigkeiten im Bereich des Ventil- und Steuerkettendeckels sowie der Abdichtung von Öl- und Wasserpumpe.

Daten (Bj. 1985):
wassergekühlter Vier­zylinder-Reihenmotor, 90 PS, 987 cm³, Gewicht 259 kg, Zuladung 190 kg, Tankinhalt 19,5 Liter, Sitzhöhe 810 mm, Höchstge­schwindigkeit 222 km/h, Beschleunigung 0–100 km/h in 4,4 sek, Durchzug 60–140 km/h in 10,4 sek, Verbrauch 8,5 l/100 km (Normal).

Marktsituation
Das Angebot an gebrauchten K 100 RS ist groß und beginnt bereits unter 2000 Euro. Vierventil-Modelle (ab 1990) kosten 2500 Euro und mehr. Die Laufleistungen liegen unabhängig vom Baujahr zwischen 50000 und 120000 Kilometern.

Tests in MOTORRAD
24/1983 (T), 14/1985 (VT), 5/1990 (T), 11/1990 (VT)
*T=Test, VT=VergleichstestNachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
Internet www.flyingbrick.de; wiki.bmw-bike-forum.info

Fazit
Als Einstieg in die Big-Bike-Klasse gehört die in allen sachlichen Kriterien überzeugende K 100 RS zu den besonders empfehlenswerten Angeboten – trotz ihres »Altherren-Images«, das sie wohl auf ewig mit sich schleppt.

Reifenfrage (Archivversion) - Was passt?

Ganz entscheidenden Einfluss auf das Fahrverhalten üben die Reifen aus. Besonders wichtig bei der Gummi-Wahl ist die Frage nach dem Einsatzzweck. Wer Wert auf Langlebigkeit legt und nicht immer auf der letzten Rille ums Eck brezelt, zieht einen Touren(sport)reifen auf. Sportlich ambitionierte Fahrer, die auf den Rasten durch die Kurven surfen und wenig Wert auf Laufleistung legen, sollten sich besser für einen haftfähigen Sportpneu entscheiden. Anbei als Übersicht die wichtigsten aktuellen Reifen der großen Hersteller sowie deren Freigaben für die aufgeführten Big Bikes. Infos zu weiteren Modellen (beispielsweise für Motorräder wie die Yamaha XS 1100, für die keiner der aktuellen Pneus eine Freigabe besitzt) gibt’s direkt bei den Reifenherstellern (Kontaktdaten siehe unten). Dort erhalten Interessenten auch Unbedenklichkeitsbescheinigungen, wenn es um die Ein­tragung bislang nicht in in Fahrzeugschein auf­geführter Reifenmodelle oder -größen geht. Beim TÜV muss dafür eine Anbauabnahme (§19 Abs. 2) der betreffenden Pneus erfolgen.

Avon: Telefon 0180/5676760, www.avon-motorradreifen.de, Bridgestone: Telefon 06172/408255, www.bridgestone-mc.de, Continental: Telefon 0511/93801, www.conti-moto.de, Dunlop: Telefon 06181/6801, www.dunlop.de, Metzeler: Telefon 089/149080, www.metzelermoto.de, Michelin: Telefon 0721/5303349, www.michelin.de, Pirelli: Telefon 089/149080, www.pirellimoto.de

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