Bitumen: Der Fall Scheffler endete mit einem Vergleich (Archivversion)

Gerhard Scheffler kämpft nicht nur um Gerechtigkeit, um die Ehre seines auf Bitumen tödlich verunglückten Sohns. Er kämpft dafür, dass dieser Pfusch von unseren Straßen verschwindet, damit nicht noch mehr Motorradfahrer sterben.

Vor neun Jahren, als wir uns in den Wochen nach dem tragischen Unfalltod unseres Sohnes und nur zwölf Tage danach von Guido Rübhausen ein umfängliches Bild von den Um- und Zuständen gemacht hatten, die innerhalb von nur zehn Wochen zu mindestens neun Stürzen oder Beinahe-Stürzen von Motorradfahrern geführt hatten, da waren wir der festen Überzeugung, dass es nach so viel Überheblichkeit, Sturheit und Gleichgültigkeit der Verantwortlichen nur ein Urteil geben könne und auch geben müsse, um möglichst auch andere Familien zukünftig vor einem ähnlich schweren Schicksal zu bewahren. Selbst noch nach dem Tod unseres Sohnes hatten sich die Verantwortlichen geweigert, auf Drängen von Fachredakteuren wenigstens Warnschilder vor diesem lebensgefährlichen Streckenabschnitt aufzustellen, so dass auch Guido Rübhausen noch sein Leben verlor.All diese Schlampereien und Pfuschereien aber, die nach und nach in den Verfahren zuletzt durch Gutachter aufgedeckt wurden, haben weder die Staatsanwaltschaft noch die 5. Zivilkammer des Landgerichts in Koblenz sonderlich interessiert. Wir mussten vielmehr den Eindruck gewinnen, unsere Hinweise darauf seien lästig.Laut dem Vergleichsvorschlag soll nun auf einmal die genaue Wegrutschstelle entscheidend sein, und um sie zu ermitteln und zu bewerten, wird es nach den Ausführungen der Richterin – zusätzlich zu den bereits vorliegenden – der Einholung eines verkehrsunfallanalytischen Gutachtens bedürfen. Und dann werden womöglich noch einmal Sachverständige für und gegen uns auf den Plan gerufen, natürlich nicht zum Nulltarif.Dass wir dieses zeit-, kosten- und nervenaufwendige Verfahren bis hierher durchstehen konnten, das verdanken wir allein dem engagierten Beistand der Zeitschrift MOTORRAD und den zahllosen spontanen Spenden mitfühlender Leser, die uns neue Kraft vermittelt haben, allen schmerzlichen Erfahrungen zum Trotz durchzuhalten.Eine weitere Fortsetzung des Verfahrens ist bei dem durchgehenden Tenor der Verfügung und der völlig gefühllosen Behandlung unserer geltend gemachten Schadensersatzansprüche aus Kostengründen und wegen unseres fortgeschrittenen Alters nach nüchterner Abwägung nicht mehr sinnvoll und verantwortbar. Was es für Eltern heißt, auf solche Weise ein Kind zu verlieren, daran haben die Juristen in Koblenz anscheinend nie einen Gedanken verschwendet.Auf der Strecke geblieben in dieser leidvollen, unsäglichen Bitumengeschichte seit September 1974 sind nicht nur ungezählte, überwiegend jüngere Motorradfahrer, auf der Strecke geblieben ist gründlich auch unser Vertrauen in den so oft gerühmten deutschen Rechtsstaat. Um aller Opfer willen ist es dennoch unser Wunsch, dass sich mutige, dem Recht und der Verkehrssicherheit verpflichtete Menschen, unterstützt von erfahrenen Journalisten und Anwälten, auch weiterhin gegen solche Missstände einsetzen.

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