Blendgefahr bei BMW R 1200 RT (Archivversion) Licht und Schatten

Mehr Licht« sollen bekanntlich Goethes letzte Worte gewesen sein. Ein Wunsch, den die BMW R 1200 RT beherzigt. Zwei rechts und links angeordnete H7-Klarglas-Scheinwerfer leuchten taghell. Dazwischen sitzt die zentrale Fernlicht-Leuchte, die beim Aufblenden zugeschaltet wird. Die Wirkung ist die von Flutlicht im Stadion. Löblich. Doch kein Licht ohne Schatten.
Bereits das Abblendlicht leuchtete bei diversen Nachtfahrten von MOTORRAD die Fahrgastzellen vorausfahrender Autos komplett aus. Fußgänger wähnten sich in akuter Erblindungsgefahr. Eindeutige Lichthupen-Signale des Gegenverkehrs forderten auf: »Bitte abblenden.« Geht aber nicht. Und für die Leuchtweiten-
verstellung hat die 1200er-RT im Gegensatz zur Vorgängerin kein Handrad mehr, sondern lediglich einen schlecht zugänglichen Schwenkhebel im Cockpit. Der wirkt nur in zwei Stufen.
Zumindest seinem Namen machte das Fernlicht Ehre: Es brachte selbst in der tieferen Stellung keine Verbesserung der Sicht auf nahe und mittlere Distanz. Mit Sozius bekam man an der Test-RT den Leuchtkegel des Fernlichts gar nicht mehr auf die Straße, leuchtete in Waldsträßchen bloß die Baumwipfel an. Ein Prüftermin beim TÜV in Stuttgart ergab bei stehendem Motorrad keine
Abweichungen von den gesetzlichen Vorgaben. Offenbar wirken hier dynamische Aspekte, setzt die Blendwirkung erst unter Last voll ein. Vor allem beim Beschleunigen und bei hohem Tempo.
Mittlerweile räumt BMW ein, dass es bei RT-Modellen der
ersten Serie »zu hoch positionierte Scheinwerfereinsätze« gegeben habe. Deren korrekte Justierung sei mittels einer Einstellschraube unterhalb des Schwenkhebels zu erreichen. Sämtliche BMW-Händler sind darüber informiert und sollen nun die Leuchten im Rahmen der Übergabekontrolle richtig einstellen. Und bei schon länger ausgelieferten RTs holt dies jede BMW-Werkstatt gratis nach. Wäre doch komplett daneben, wenn der Luxus-Tourer bei Nacht zum ordinären Blender wird. tsr

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