Blickpunkt Kinder als Mitfahrer (Archivversion)

Kinderprogramm

Statt Glotze oder Computer ab nach draußen auf gemeinsame Fahrt! Kinder lassen sich für solch ein Programm leicht begeistern. Allerdings sollten die Erwachsenen auf eine freiwillige Selbstbeschränkung und Alters-freigaben für den Soziusplatz achten.

Gerd Wirz hat drei Töchter. Die fahren gerne Motorrad. Der stolze Vater findet das prima und nimmt sie deshalb öfter mal mit. Und zwar alle gleichzeitig: die Kleinste,1, mit einem Gürtel vor den Bauch geschnallt, die Größte, 5, auf dem Soziusplatz und die Mittlere, 3, in einem auf dem Gepäckträger montierten Kindersitz. Als er mit seiner voll besetzten Moto Guzzi bei einem Motorrad-Treff im Bergischen Land anhält, tritt ein Polizist an die Maschine heran, reibt sich die Augen, zählt Fahrer und Passagiere durch.

Der Gesetzeshüter empört sich über die kuriose Reisegruppe: „Halt, so nicht!“ Der Vater fragt: „Warum nicht?“ Der Polizist argumentiert mit überschrittener Zuladung, mangelnder Bremsfähigkeit sowie unmöglicher Beaufsichtigung der Kinder während der Fahrt. Wirz kontert mit 240 Kilogramm Zuladung, einem umgebauten Hand-Integral-Bremssystem für die Guzzi sowie einer für vier Personen tauglichen Gegensprechanlage. Dem irritierten Polizist fehlen nun die Worte, und er entlässt die Truppe mit der Bitte: „Dann fahren Sie aber vorsichtig.“

Die Töchter sind mittlerweile 18, 20 und 22 Jahre alt und fahren selbst Motorrad, Wirz verkauft und vermietet hauptberuflich Motorrad-Kommunikationsanlagen und Kinderausrüstungen (www.gerdwirz.de).

Wie sich vieles im Laufe der Zeit ändert, würde eine ähnliche Situation heutzutage wohl anders enden. Der Gesetzestext regelt in § 61 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) im Gegensatz zu kursierendem Halbwissen Folgendes: „Zweirädrige Kraftfahrzeuge, auf denen ein Beifahrer befördert werden darf, müssen mit einem Haltesystem für Beifahrer ausgerüstet sein (...)“ und außerdem „für Fahrer und Beifahrer beiderseits mit Fußstützen ausgerüstet sein.“ Ein um den Bauch geschnallter Gurt gilt danach nicht als Haltesystem, und sind jeweils nur für Fahrer und Sozius Fußrasten angebracht, ist das Motorrad lediglich für maximal zwei Personen zugelassen. Außerdem sagt das Gesetz: „Krafträder, auf denen ein Beifahrer befördert wird, müssen mit einem Sitz für den Beifahrer ausgerüstet sein. Dies gilt nicht bei der Mitnahme eines Kindes unter sieben Jahren, wenn für das Kind ein besonderer Sitz vorhanden und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Einrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße des Kindes nicht in die Speichen geraten können“ (StVZO § 35/9).

Gerd Wirz hatte diese Anforderungen zumindest für eine Tochter erfüllt. Die Mitnahme von Kindern auf dem Motorrad kann jedoch auch dann untersagt werden, wenn der Nachwuchs geistig und körperlich als nicht fähig eingeschätzt wird, dem Geschehen auf dem Zweirad zu folgen. Ohne Zweifel kann sich ein ein- und auch ein dreijähriges Kind wohl kaum aus eigener Kraft auf der Maschine halten, geschweige denn wird es überblicken können, was in Schräglage, beim Bremsen und Beschleunigen fahrdynamisch passiert. Der Polizist, der seinerzeit Gerd Wirz belehrte, hätte also genügend Argumente gehabt, um die Weiterfahrt sofort zu unterbinden und den Fahrer wegen unzulässiger Besetzung mit einem Buß- oder Verwarnungsgeld zu belangen.

Komplizierter wird es, wenn die Kinder etwas älter sind, denn es existiert kein Katalog mit bestimmten Fähigkeiten, welche ein Kind für die Mitfahrt auf dem Motorrad erfüllen muss. So steht es in der Verantwortung der Eltern, ab welchem Alter der Nachwuchs mit darf. Die Fahrt mit einem Vorschulkind kann zum Streitfall werden, wenn die Einschätzungen von Erziehungsberechtigen und Gesetzeshütern abweichen. MOTORRAD-Redakteur Rolf Henniges etwa hat mit großer Sorgfalt und Fürsorge die gemeinsame Motorradtour mit seinem vierjährigen Sohn vorbereitet (siehe Bericht ab Seite 110), die mehrtägige Fahrt verlief ohne Komplikationen. Nachträglich um Stellungnahme gebeten, äußerte sich die Polizei jedoch kritisch. Und auch Experten wie Matthias Haasper vom Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen geben zu bedenken: „Kleine Kinder im Vorschulalter weisen starke Entwicklungsunterschiede auf und sind kaum berechenbar, da wäre ich sehr, sehr vorsichtig.“

Generell sollte Vorsicht das oberste Gebot sein. Selbst dann, wenn ältere Schulkinder an Bord sind, denen man gemeinhin zutrauen kann, eigene Befindlichkeiten oder Ängste klar zu äußern und die außerdem geistig und motorisch in der Lage sein sollten, auf Situationen wie etwa eine Bremsung richtig zu reagieren. Wobei Zutrauen nur die eine Sache ist, andersherum muss das Kind dem Fahrer uneingeschränkt vertrauen können. Um dieses Vertrauen zu gewinnen, sollte man als Fahrer nicht meinen, hinter einem hockt ein kleiner Erwachsener. Die Kurzen finden die geparkte Maschine zwar häufig imposant, sobald diese aber in Bewegung ist, betrachten sie sie mit ganz anderen Augen. Der Fahrtest offenbarte: Je geringer und unspektakulärer die Leistung und ihre Entfaltung, je weniger sportlich die Maschine auftritt, umso eher gewinnt sie die Herzen von kleinen Mitfahrern. Im Spielzeugladen sind maßstabsgetreue Plastikkracher mit vielen bunten Rennsport-Aufklebern oder krasse Enduros schwer angesagt, im echten Beifahrer-Leben fallen sie durch. Der Fahrer hat es also in Form von Gashahn und Bremshebel selbst in der Hand, seine kleinen Passagiere nicht nachhaltig zu vergraulen. Hier gilt die klare Empfehlung: Sanfter ist besser.

Kinder sind nämlich allein schon körperlich deutlich stärker gefordert als erwachsene Mitfahrer. Wegen ihrer geringeren Körpermasse und dem dünneren Fettgewebe kühlen Kids schneller aus und frieren bereits, während der Pilot sich noch sehr wohl fühlt. Sie benötigen deshalb unbedingt eine adäquate Motorradausstattung. Das Angebot ist mittlerweile gut, Kritik gibt es dennoch.

Peter Schaudt vom TÜV Rheinland in Köln, unter anderem für die Homologation von Kinderhelmen zuständig, bescheinigt, dass Erwachsenen- und Youngster-Helme nach Prüfnorm vergleichbare Stoß- und Schlagdämpfungswerte einfahren. Nachteilig ist es allerdings, wenn auf eine spezielle, deutlich weniger voluminöse Kinder-Helmschale verzichtet und lediglich auf Kindergröße aufgepolstert wird. Dann besteht eine erhöhte Abstreifgefahr, erklärt Schaudt.

Das größere Problem ist aber das Gewicht: Kinderhelme sollten nicht viel mehr als 1000 Gramm wiegen. Bei Integralhelmen ist das beinahe nur durch Karbon zu realisieren – zu teuer für den preissensiblen Kinder-Ausrüstungsmarkt. „Meinem Kind würde ich deshalb lieber einen leichten Jethelm aufsetzen, weil für diesen Einsatzzweck jedes Gramm zählt“, erklärt der Fachmann vom TÜV. Ähnlich schwierig verhält es sich mit CE-Protektoren für die Kleidung, da sich die Prüfnorm lediglich an Erwachsenen orientiert. Die meisten angebotenen Schützer sind nicht weich genug und sprechen bei geringem Körpergewicht (unter 30 Kilogramm) nur sehr verzögert an, wenn es zu Boden geht. Und das, obwohl sie den begehrten Prüfstempel tragen. Bei der Funktionsbekleidung selbst sind weniger Schnitzer zu finden: abriebfeste Oberstoffe, wasserdichte Klimamembrane – ähnlich gut wie bei den Großen.

Aber auch gut eingepackte Kinder haben als Mitfahrer zu kämpfen. Im Gegensatz zu motorsportlichen kleinen Selbstfahrern (mehr dazu demnächst in MOTORRAD) muss sich der Mini-Sozius stark verrenken, um vom Verkehrsgeschehen vor ihm etwas mitzubekommen. Das kostet Kraft. Besonders beansprucht – allein schon durch den Fahrtwind – wird die Hals- und Nackenmuskulatur, die noch wenig ausgeprägt ist. Zusätzlich wiegt beim Kind im Vergleich mit Erwachsenen der Kopf überproportional mehr zum Restkörper. Kommt dann noch das Helmgewicht hinzu, sind je nach Konstitution des Nachwuchses nach gewisser Zeit Überlastungsreaktionen programmiert. Und der Geist ist in passiver Haltung auch nicht immer willig. „Die Ausdauer von Kindern ist geringer, daher sollte sich der Fahrer regelmäßig vergewissern, ob der junge Fahrgast noch bei der Sache ist“, appelliert der Sportmediziner Dr. Norbert Beil aus Bünde und verweist darauf, dass die Mitfahrfähigkeit grundsätzlich durch Motorik- und Koordinationsübungen trainiert werden kann. „Kurz gesagt: Sportliche Kinder dürfen eher aufs Motorrad“, erklärt Beil. Eine Einschätzung, was Eltern dem Nachwuchs-Mitfahrer je nach Alter und Reifegrad zumuten können, findet sich in der Übersicht auf Seite 109.

Nun ist es rechtens zu hinterfragen, ob ein Kind überhaupt etwas auf dem Motorrad zu suchen hat. Denn anders als im Automobil schützt bei einem Unfall keine Karosserie, kein Sicherheitsgurt und kein Airbag. Ohne Wenn und Aber: Die Risiken und Gefahren sind im Verhältnis größer. Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen jedoch, dass die Zahl der tödlich oder schwer verletzten Sozius-Kinder niedrig ist. 2007 starben in Deutschland bei Moped- und Motorradunfällen je zwei Kinder im Alter bis 15 Jahre, genauso viele verunglückten tödlich als Mitfahrer auf einer Landmaschine. Bei Autounfällen liegt die Zahl über ein Zehnfaches höher. Allerdings fährt von den rund elf Millionen Kindern bis 15 Jahre, die in Deutschland leben, ein Großteil gelegentlich oder regelmäßig im Auto mit, im Gegensatz zu vorsichtig geschätzten 15000 Motorrad-Mitfahrern unter 15 Jahren. Insgesamt 36 Kinder erlagen im gleichen Zeitraum als Selbstfahrer bei Fahrradunfällen ihren Verletzungen. So tragisch die Unfälle sind, sie passieren.

Sicherlich nutzen viele Eltern ein motorisiertes Zweirad, vorzugsweise kleinere Stadtroller, auch ganz alltäglich als Transportmittel zur Schule oder zum Kindergarten mit allen Vorteilen: sparsam, keine Parkplatzprobleme, umweltschonender als ein Auto. Die meisten Fahrten auf dem Motorrad sind jedoch reine Freizeitfahrten, somit muss der Spaß gegen die Gesundheitsgefährdung abgewogen werden. Für die Risikobewertung ist ein Seitenblick auf andere Freizeitbeschäftigungen hilfreich: Schätzungen von betreffenden Sportverbänden beziehungsweise Versicherungen gehen davon aus, dass etwa beim Skifahren (mehrere Hunderttausend aktive Kinder) und Segeln (laut Deutschem Segler-Verband etwa 30000 Mitglieder der „Segeljugend“) im Schnitt ebenfalls ein bis zwei tödliche Unfälle pro Jahr zu verzeichnen sind. Bei rund 200000 Reitern unter 14 Jahren liegt die Zahl der Opfer etwas höher. „Das Pferd ist ähnlich wie ein Motorrad für Kinder oftmals ein unberechenbarer Faktor“, erklärt David Schulz, Fachmann für Sportunfälle beim Versicherer Arag in Düsseldorf, und vergleicht die Unfälle von Reitern und Motorrad-Mitfahrern: „Glücklicherweise passieren nur wenige Unfälle mit Kindern, aber wenn, dann sind die Folgen meist sehr heftig.“

Obwohl sich die Zahl der kleinen Mitfahrer im fünfstelligen Bereich bewegt, fehlt jede Art von Lobby. Während sich im Internet mittlerweile beinahe zu jedem Motorradmodell engagierte Foren und Communities bilden, gibt es kein spezielles Kinderforum, sondern lediglich einzelne Beiträge und Topics auf Websites, die überwiegend für Tourenfahrer von Interesse sind. Kinder auf dem Motorrad – das ist auch innerhalb der Motorradgemeinde ein sehr kontrovers diskutiertes Thema, wie viele Leserzuschriften belegen (siehe Zitate, weitere Auswahl unter www.motorradonline.de/kinder). Der Tenor: Mitnehmen ja, aber erst, wenn die Kinder reif genug sind und den Wunsch selbst äußern. Und eigentlich nur dann, wenn die eigenen Bedürfnisse als Fahrer hinter denen des Kindes zurückstehen. Diejenigen, die sich beim Fahren mit Kindern im Gepäck outen, hinterlassen allerdings einhellig den Eindruck, sich des Risikos bewusst zu sein und deshalb besonders aufmerksam und sorgsam mit dem Kind an Bord zu (ver)fahren.

Und obwohl anzunehmen ist, dass Gerd Wirz mit seinen drei kleinen Töchtern immer sehr fürsorglich unterwegs war, gesellschaftliche Akzeptanz fördern derartige Aktionen genauso wenig wie jeder Unfall – egal, ob selbst verschuldet oder nicht. Stellt sich abschließend die Frage, wo der Gewinn ist, Kinder auf dem Motorrad mitzunehmen, denn Fahrspaß ist es wohl kaum. Eine verbindliche Antwort gibt es nicht. Muss es vielleicht auch gar nicht geben, weil manchmal das Bauchgefühl hilft. Schließen Sie einfach mal die Augen und erinnern sich: Wie war das, als Sie als Junge oder Mädchen zum ersten Mal vor einer Maschine standen? Wie, als Sie das erste Mal darauf Platz genommen haben? Und erinnern Sie sich an die kindliche Freude bei Ihrer ersten Fahrt, selbst wenn Sie da schon lange erwachsen waren? Lassen Sie die Gedanken wirken. – Nun befinden Sie sich auf der Ebene eines Kindes, das gerne mitfahren möchte.
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Kinder und Motorrad (Archivversion)

Weder die Hersteller bewerben bestimmte Motorräder als „besonders kinderfreundlich“, noch gab es bisher bei MOTORRAD spezielle Testkriterien für den Transport von Kindern. Nachvollziehbar, denn wohl kaum jemand wird eine Maschine nach den Vorstellungen seines Kindes wählen. Spannend ist es dennoch zu sehen, welcher Typ Motorrad in der Gunst der Kleinen vorn liegt und wer durchfällt. Womit darf’s auf große Tour gehen, und welche Maschine wäre cool, um damit von der Schule abgeholt zu werden? Bei Motorcorner in Wangen (www.motorcorner.de) standen netterweise sechs Modelle verschiedener Gattungen für die großen und kleinen Tester bereit. Also, auf zur Probefahrt!
Supersport
„Die Maschine ist voll doof, ich rutsche immer nach vorne vom Sitzpolster runter, das tut dann weh. Und ich hatte die ganze Zeit Angst runterzufallen“ – reinrassige Sportmaschinen wie die radikale R1 stoßen bei den achtjährigen Nachwuchs-Mitfahrern auf harsche Kritik. Nein, das ist definitiv kein Gerät für den Kindertransport. Der hohe Sitzplatz und die hoch angebrachten, sogar für sehr kurze Beine leicht erreichbaren Fußrasten sind nur auf den ersten Blick kinderfreundlich. Die Kids kleben dem Fahrer im wahrsten Sinne im Nacken, außer an der Jacke des Piloten gibt es keinen Halt. Vor allem ausgeprägte Vibrationen sorgen für Klagen. Spitzenleistungen um 180 PS wollen im Zaum gehalten werden und erzeugen selbst bei sporterprobten Alleinfahrern Stresshormone – mit kleinem Passagier an Bord empfiehlt sich nur ein übervorsichtiges Dahinsäuseln knapp über Standgas. Das macht in „Ready-to-race“-Sitzposition nun wirklich keinen Spaß.

Fazit: Tränen und bittere Verwünschun- gen nach der Testfahrt. Bitte nur für den kürzesten Weg zur nahe gelegenen Eisdiele nehmen!

Allround
Allrounder wie eine Yamaha XJ6 protzen nicht mit Top-Leistungen, sind unaufdringlich und deshalb aus Sicht einiger Motorrad-fahrer vielleicht weniger attraktiv. Zu den weiteren Merkmalen zählt, dass sie kaum etwas überragend, aber dafür von allem ein bisschen können. Und genau dieses Bisschen ist für Kinder mehr als genug. Größter Vorteil: Der Fahrer muss bei der sanften Leistungsentfaltung nicht permanent darauf achten, ob in Reihe zwei noch alles paletti ist. Die kompakten Abmessungen dieser Motorräder werden nicht nur vom Nachwuchs beim Auf- und Absteigen goutiert, auch für den Fahrer gehen beispielsweise Rangiermanöver mit Kind vor der Schule leichter von der Hand. Riesenlob für die gerade Sitzbank, auf der das Kind nicht nach vorne rutscht. Und selbst der meist konventionelle Look wird von den Kurzen positiv beurteilt. So wie für Kinder fauchende Tiger, finster dreinblickende Krokodile oder tobende Affen der Hit im Zoo sind, als Haustier jedoch wohl eher ein possierlicher Hamster genehm ist, bevorzugen sie offensichtlich Motorräder, die sich auch in freier Wildbahn handzahm geben.

Fazit: Nach völlig stressfreier Testrunde überwog bei allen die Begeisterung. So schön kann der Durchschnitt sein.

Fun
Spaßgeräte wie die KTM 990 SMT vermitteln das Temperament eines Supersportlers, flößen im Gegensatz zu diesen aber keine Angst ein. Insbesondere die aufrechte Sitzposition vermittelt genau das entscheidende Sicherheitsgefühl, das für junge Passagiere unerlässlich ist. Stärkere Vibrationen und Lastwechselreaktionen werden dann sogar als „lustig wie auf einem Trampolin“ empfunden. Die Fahrer wissen eine gute Schräglagenstabilität zu schätzen, und diese sorgt dafür, dass die Mitfahrer nach kurzer Eingewöhnungszeit ebenfalls aktiv mit in die Kurve gehen. Ähnlich wie bei Supersportlern lässt sich mit dem Nachwuchs hintendrauf das Leitungspotenzial solcher Maschinen allerdings nicht einmal ansatzweise erfahren. Bleibt also immer dieses „Ich will, ich könnte – ich darf aber nicht“-Gefühl. Und auch wenn jetzt Klassik-Fans die Hände überm Kopf zusammenschlagen, in der Schulhof-Wertung sahnt das Funbike ab: Plastik, zerklüftetes Future-Design, böser Blick – so sieht ein Playmobil aus, auf das neben so manchen Vätern auch die Youngster stehen.

Fazit: Spielmobile erhalten aufgrund der entspannten Sitzposition viele Sympathiepunkte von Groß und Klein.

Cruising
Bequem, aber für sportlichere Naturen auch ein bisschen langweilig. Über zu wenig Dynamik muss man sich mit Kind als Sozius jedoch nicht grämen. Früh aufsetzende Trittbretter, mangelnde Puste bei höheren Drehzahlen und eine passive Sofa-Sitzhaltung sind bei waschechten Cruisern wie der Yamaha XVS 950 nämlich sehr wirksame Begrenzer für etwaigen Übermut. Beide Ausflügler kommen so auf ihre Kosten: Der Pilot darf den Solofahrstil gelassen beibehalten, das Kind sitzt bequem und aufrecht, kann nach vorne, links und rechts schauen. Auf diese Weise bekommen die Kurzen viel vom Fahrgeschehen mit, und längere Etappen sind deutlich relaxter für alle Beteiligten. Die niedrige Sitzposition ermöglicht leichtes Auf- und Absteigen, und die größere Bodennähe erzeugt bei den Kleinen ein gutes, sicheres Fahrgefühl, so dass auch ein stärkerer Zug am Gashahn nicht gleich mit Protest geahndet wird. Dementsprechend ist es für sportlich orientierte Fahrer überraschenderweise gar nicht so langweilig, wie diese im Vorfeld befürchtet haben. Und obwohl die Hersteller mit der XVS 950 sicherlich eine deutlich ältere Zielgruppe anpeilen, finden die Kids den Cruiser viel cooler als etwa den heißen Supersportfeger und fragen: „Papa, kannst du mich mit diesem voll langen und ganz niedrigen Dings mal von der Schule abholen?“

Fazit: Von wegen Altherren-Liga! Dürfte das Jungvolk wählen und hätte schon einen Führerschein der Cruiser wäre für sie ein echter Bringer.

Enduro
Offroad? Am besten gleich vergessen, das finden weder heranwachsende noch erwachsene Hintensitzer spaßig. Flickgeschusterte Landsträßchen sind für Enduros wie die XT 660 Z Ténéré aber auch ein gutes Revier. Dort, abseits von dichtem Verkehr, ist mit kleinen Mitfahrern der Spaßfaktor größer, schließlich sind Geländemaschinen durch viel Federweg bestens für jede Art Unebenheit gerüstet. Und die Kleinen kommen hoch sitzend ganz groß raus, haben sogar das Cockpit im Blickfeld („Papa, du bist 91, 96, 98, 92 gefahren, ich hab’s genau gesehen!“). Ob diese Form von Kontrolle erwünscht ist, müssen Mann oder Frau am Lenker selbst beurteilen, gute Fahrzeugkontrolle durch moderate Leistung, geringes Gewicht und einen breiten Lenker ist mit Kinderfracht indes unbestritten ein Vorteil. In der Praxis gibt’s allerdings schon beim Aufsteigen Probleme, denn das Erklimmen des Sozius-Throns ist ein Turnakt – Misslingen wird als peinlich empfunden (Abzüge bei der Schulhof-Wertung!). Die Bonsai-Testfahrer bemängeln außerdem bei der Einzylindermaschine, alles sei sehr „vibrierig“, und das „kippige“ Gefühl in Kurven (genretypischer hoher Schwerpunkt) wird ebenfalls als eher störend empfunden. So wiegen sich Vor- und Nachteile bei einer hemdsärmligen Enduro gegenseitig auf, zum entspannten Fahren mit Kindern eignet sich diese Motorrad-Gattung nur bedingt.

Fazit: Abseits von Asphalt ohnehin tabu, hinterlässt eine Enduro auf der Straße bei den Mitfahrern eher gemischte Gefühle.

Touring
Ein Gepäcksystem umzäunt den Sozius – das schafft ein großes Sicherheitsempfinden, selbst wenn es etwas forscher in die Kurve geht. „Das ist ganz arg schön und angenehm“, meinen die kleinen Testfahrer und finden, dass wegen der Koffer kein „Runterfallgefühl“ da ist. Sie loben den komfortablen Soziussitz: „So bequem, dass ich beinahe eingeschlafen wäre.“ Das Aussehen? Na ja, vom Schulhof möchten sie damit nicht unbedingt abgeholt werden – „sieht irgendwie doof aus mit den Kästen an der Seite und auch etwas langweilig“. Große Fahrer und kleine Beifahrer sind sich jedoch einig: Für Ausflüge aufs Land ist ein Motorrad wie die Sprint ST ideal. Damit geht es für jedermann und jederkind flott vorwärts, und das jederzeit im Wohlfühlmodus.

Fazit: Volltreffer! Fährt wie auf Schienen, ist komfortabel – Bestnoten während der Fahrt. Geparkt wird so eine Maschine allerdings links liegen gelassen.

Kinderausrüstungen (Archivversion)

Erfreulich: In den letzten Jahren hat sich für Kinder in Sachen Helm- und Motorradausstattung einiges getan. Größere Auswahl, bessere Qualität, dichteres Netz an Einkaufsmöglichkeiten – und faire Preise. Offenbar haben die Hersteller diese Kundengruppe für sich entdeckt. Weniger geeignet, wenngleich sehr beliebt, sind extrem preisgünstige Racestyle-Jacken, die lediglich modischen Ansprüchen genügen. Generell sind Kinderausrüstungen heutzutage aber bezüglich Sicherheit und Wetterschutz auf gutem Niveau. MOTORRAD stellt einige empfehlenswerte Produkte vor, die auch zu anderen Outdoor-Aktivitäten und Wintersport getragen werden können. Eine Anbieterliste verschafft einen Marktüberblick.
Stiefel müssen bequem sitzen, denn wenn es später irgendwo drückt, steht meist sehr zeitnah die Heimreise an. Praktische Freizeit-Boots wie der City Limit von Büse (Bild oben, 69,95 Euro) bieten durch einen eingearbeiteten Knöchelschutz zwar besseren Schutz als luftige Turnschuhe, empfehlenswerter sind jedoch vollwertige Leder-Motorradstiefel wie der vorbildliche Drive Youngster von Polo (59,90 Euro) mit steifem, hohem Schaft sowie einer Schienbeinverstärkung. Das Angebot an guten Motorradstiefeln in Kindergrößen ab 30 ist allerdings nach wie vor sehr dünn. Beim Anziehen benötigen die Kleinen in der Regel Hilfe, die Stiefel ordentlich zu verschließen und sie richtig unter der Hose zu verstauen.

HJC CL-14Y Mush
Qualität, Ausstattung und Belüftung sehr ordentlich; Thermoplast, Größe 50 und 52, Gewichtsangabe 1300 Gramm, 109,99

EuroNexo Junior
extrem günstig, aber auch vergleichsweise schwer und billig gemacht mit armseligen Lufteinlässen, Helmschale für einen Kinderhelm sehr voluminös; Thermoplast, Größen XXS bis S (5156 cm), Gewichtsangabe 1400 Gramm, 59,90

EuroMarushin 111 Kids
vorbildlich zierlicher, gut gemachter Helm, vergleichsweise leicht, mitwachsend durch drei mitgelieferte, unterschiedlich große Polster, Innengeruch unangenehm; Thermoplast, Größen XXS bis S (52–56 cm), Gewichtsangabe 1150 Gramm, 119

EuroHeld Cartoon
preisgünstiger Fiberglas-Kevlar-Helm, Gewichtsangabe anders als bei den anderen Helmen im Vergleich untertrieben (Testexemplar wiegt 1300 Gramm), Belüftung mäßig; Duroplast, Größen XXXS bis XS (50–54 cm), Gewichtsangabe 1150 Gramm, 99,95 Euro

Caberg Rhyno Mini
kein Leichtgewicht, aber als Klapphelm guter Kompromiss zwischen oftmals als beengend empfundenen Integralhelmen und luftigen Jet-Helmen; Thermoplast, Größen XXXS bis S (49 bis 56 cm), Gewichtsangabe 1350 Gramm, 149,90 EuroFox V1 Kid: leicht, sollte jedoch mit Cross-Brille getragen werden, Innenfutter herausnehmbar; Thermoplast Größen 47 bis 52, Gewichts-angabe 1100 Gramm, 149,95 EuroNZI Single Jr: für Trialsport ausgelegt, Sicherheit und Wetterschutz auf Straßenmaschine eingeschränkt, extrem leicht, auch als Skihelm zugelassen; Thermoplast, Größen S und L (50–53 cm), Gewichtsangabe 750 Gramm, 55 Euro

Handschuhe aus Leder wie der qualitativ einwandfreie Sporthandschuh Kids Race von Held (unten links, 49,95 Euro) oder der preisgünstige Randy junior von BF Hardwear (oben rechts, 24,90 Euro) bieten kaum Wetterschutz, dafür aber mehr Sicherheit als wasserdichte Textilhandschuhe wie der Drive von Polo (oben links, 26,95 Euro) oder der Probiker PR-1 junior von Louis (unten rechts, 19,95 Euro). Häufiges Problem bei den vielseitigeren Textilhandschuhen sind verrutschende Innenfutter – das Anziehen wird auf diese Weise zur Geduldsprobe.

J.R. Kids von Büse (Jacke 89,90 Euro, Hose 79,90 Euro). Leichte, unkomplizierte Kombination (ab Größe 116 im Angebot) aus abriebfestem Polyamid-Gewebe und bewährter Klimamembran von Reissa. Die Jacke in leuchtendem Blau oder Orange spricht das Style-Empfinden der Kinder gut an, die Passform ebenfalls. Abzüge gibts für die kaum schützenden Schaum-stoffpolster. Immerhin lässt sich für rund 40 Euro ein Komplettsatz CE-Protektoren von Sas-Tec (www.sas-tec.de) nachrüsten – unbedingt empfehlenswert! Gut: Belüftungsmöglichkeiten im Brust- und Rückenbereich, Verstellmöglichkeiten an Taille, Ärmeln und den Beinabschlüssen sowie Anti-Rutsch-Material am Gesäß.

Marvin/Simba von Ixs (Jacke 99,90 Euro, Hose 75 Euro). Kombination mit durchdachten Verstellmöglichkeiten und robusten Oberstoffen. Qualitativ absolut einwandfrei und sauber verarbeitet, kann auch nach häufigem Gebrauch getrost den jüngeren Geschwistern weitervererbt werden. Der Preis ist fair, Wermutstropfen ist jedoch genau wie bei der Büse-Kombi, dass CE-Protektoren nicht zum Lieferumfang gehören. Ixs hat passende Protektoren zum Einstecken für komplett 86 Euro im Programm. Die prima sitzende Hose Simba mit Stretchmaterial an Steiß und Knien ist bereits ab Größe 110 erhältlich (Jacke erst ab 122).

Rückenprotektoren sollen vor Wirbelsäulenverletzungen – die Horrorvorstellung für Eltern – schützen. Ob zum Einstecken wie der Safe-Max von Polo (links, 19,95 Euro) oder zum Umschnallen wie der Pro Back Kids von Ixs (75 Euro), bitte nie vergessen!

Adressen
Anzüge, Handschuhe, StiefelBF
HardwearTel. 04421/500166,www.bf-hardwear.de
BMW, Tel. 0180/5001972, www.bmw-motorrad.de
Büse, Tel. 02471/12690, www.buese.com
Cima, Tel. 08234/902363, www.cima-motorradbekleidung.de
Daytona, Tel. 08721/96440, www.daytona.de
Difi über Motoport, Tel. 04451/915200, www.motoport.de
Held, Tel. 08321/66460, www.held.de
Ixs, Tel. 07631/18040, www.ixs.de
Louis, Tel. 040/73419360, www.louis.de
ModekaTel. 02521/850322,www.modeka.de
Polo, 02165/8440400, www.polo-motorrad.de
Orina, Tel. 02403/99660, www.orina.de

Offroad-Ausrüstungen
Sinisalo, über ZupinTel. 08669/848500, www.zupin.de
Fox, über Yoko Sports, Tel. 02735/1600, www.fox-germany.de

Kindersitz
Stamatakis, Tel. 0931/415557, www.stamatakis.de

Helme
Caberg, Tel. 08191/971221, www.caberg-helm.com
HJC, Tel. 02131/523560, www.hjc-germany.deIxs
Probiker, über Louis, siehe links
Marushin, Tel. 06002/91030, www.jf-motosport.de
Nexo, über Polo, siehe links
NZI, Tel. 07162/931544, www.jochen-bader-motorsport.de
Rocc, über Büse
Römer, über Roleff, Tel. 02761/929307, www.roleff.de
Vemar, 07432/220595, www.haveba.de

Ganz in Leder – schwierig, sich bei eitel Sonnenschein stilecht zu kleiden, weil auf dem Markt kaum Angebote sind. Sportfreaks statten ihre Kleinen mit dem noblen und sehr soliden Rindleder-Einteiler Albacete Junior von Ixs aus, der jedoch mit 599 Euro für viele Interessenten preislich aus dem Rahmen fällt und wohl eher für junge Selbstfahrer (von Pocket- und Mini-Bikes) gedacht ist. Miniatur-Rocker stehen hingegen auf den lässigen Zweiteiler Highway 1 von Louis (119,90 Euro). Mit Nachrüst-Protektoren lässt sich das dünne Ziegenleder in Sachen Sicherheit zwar aufmöbeln, die Kombi versteht sich aber in erster Linie als modische Empfehlung.

Maddox/Nelix von Held (Jacke und Hose 89,90 Euro). Kinder reißen die stylische Jacke in kräftigem Blau (auch in Rot und Schwarz im Programm) sofort vom Kleiderständer und wollen reinschlüpfen. Der Sitz ist gut, an den Ärmeln und im Hüftbereich sind Verstellmöglichkeiten per Klett vorhanden. Festes Obermaterial, Reflektoren und CE-Weichschaum-Protektoren an Schultern und Ellenbogen gehören zur Sicherheitsausstattung. Die aufwendig gemachte Hose punktet mit griffigem Anti-Rutsch-Material am Gesäß, funktionalen Verschlüssen und Verstellmöglichkeiten sowie Stretcheinsätzen an den Knien. Abzüge gibts für die sperrigen Hartschalen-Knie-Protektoren und die etwas bollerige Passform – besser in einer kleineren Größe (wie Jacke ab 128 erhältlich) anprobieren.

Fastness RX Junior/Akito Motion von BF Hardwear (Jacke 99,90 Euro, Hose 89,90 Euro). Das Vorurteil, dass Jungs gerne Rennfahrer werden wollen, kann an dieser Stelle nur bestätigt werden. Die ab Größe 128 erhältliche BF-Jacke im Race-Look ist modisch gesehen erste Wahl bei der männlichen Fraktion. Anders als im Aussehen ähnliche Produkte sehr billiger Machart überzeugt die Fastness mit Funktionalität: sinnvolle Verstellmöglichkeiten per Klett, vertrauenswürdiger, robuster Oberstoff, weiche CE-Protektoren an Schultern und Ellenbogen sowie ein ordentlicher Wetterschutz. Die Hose ist beim Wetterschutz vergleichbar, Protektoren für die Knie müssen jedoch erst nachgerüstet werden. Etwas zu weiter Schnitt.

Union City Junior von Polo (Jacke 89,90 Euro, Hose 69,90 Euro). Die Ärmel und Beine lassen sich mittels Reißverschluss-System um sechs Zentimeter verlängern (ab Größe 122 im Programm). Robustes Ober-material, weiche CE-Protektoren, großflächige Reflektoren sowie ein körpernaher Schnitt sorgen für Sicherheit. Eine Klimamembran, guter Windschutz am Hals und ein herausnehmbares Thermofutter für Wohlbefinden bei wechselnder Witterung. Sehr ordentlich verarbeitet, allerdings lediglich in Mausgrau erhältlich. Favorit bei den Eltern, im Modebewusstsein der Kids dagegen ziemlich weit hinten angesiedelt.

Probiker Defender von Louis (Jacke 89,90 Euro, Hose 69,90 Euro). Preislich ebenfalls sehr fair und per Reißverschluss „mitwachsend“ (um vier Zentimeter). In Funktion, Wetterschutz und Sicherheit (Sicherheitsnähte, CE-Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien) vergleichbar mit der Polo-Kombi, verfügt die Defender über mehr Stauraum für Handy und Schokoriegel, besitzt dafür aber weniger Verstellmöglichkeiten. In drei Farbkombinationen (Beige/Orange, Grau/Rot und Schwarz/Blau) sowie vielen Größen (116 bis 170) erhältlich. Genau wie das Angebot von Mitbewerber Polo bietet der Louis-Anzug mit seiner (Fast-)Vollausstattung einen tollen Gegenwert. Das Geld für einen vernünftigen Rückenprotektor sollte man dann auf jeden Fall noch übrig haben.

T-5 von Modeka (Jacke 62,50 Euro, Hose 55 Euro). Gut: Verstellmöglichkeiten an Taille und Ärmeln sowie Längenerweiterung mittels umlaufender Reißverschlüsse um vier Zentimeter. Auch gut: Wetterschutz durch Klimamembran, ein herausnehmbares Thermofutter und Belüftungsmöglichkeiten im Brust- und Rückenbereich. Am besten: der günstige Preis. Qualitativ ist der ab Größe 128 erhältliche, sehr variable T-5-Anzug allerdings nicht ganz auf dem Niveau der prima Difi-Kombi, und die Produktbeschreibung verspricht CE-Protektoren an Schultern und Ellenbogen, beim Testmuster fanden sich jedoch lediglich nicht zertifizierte Schaumeinsätze. „Ärgerlicher Zuliefererfehler“, erklärt Modeka und garantiert Käufern die im Katalog beschriebene Sicherheitsausstattung.

Chili AX von Difi (Jacke 129,95 Euro, Hose 99,95 Euro). Ein Hingucker. Die orange Signalfarbe am Rücken und den Bein-abschlüssen hat zwar was von Schülerlotse, macht die in Beige und Dunkelgrau erhältliche Kombi modisch trotzdem attraktiv. Ein erstklassiger Schnitt, Materialdoppelungen, CE-Protektoren an Schultern, Ellenbogen und Knien sowie insgesamt ein hoher Nutzwert komplettieren das Bonusheft und machen den schon ab Größe 116 an-gebotenen Anzug zum Tipp für kleine Touren(mit)fahrer, zumal er an Armen und Beinen mittels Reißverschlüssen um rund fünf Zentimeter Länge mitwächst.

Interview (Archivversion)

Prof. Dr. Maria Limbourg, Universität Duisburg-Essen, Expertin für vorschulische und schulische Mobilitäts- und Verkehrserziehung und -psychologie
? Kind auf dem Motorrad – was rät die Fachfrau?

! Untersuchungen haben ergeben, dass Motorradfahren als Sozius für Kinder extrem anstrengend ist. Ein Mitfahrer darf nicht träumen, das fällt Kindern jedoch schwer. Sie sind spontan und unberechenbar, und Eltern überschätzen ihre Kinder halt doch des Öfteren. Die Frage ist, ob Eltern dieses Risiko tragen können.

? Wenn ich meine Kinder beispielsweise zum Skifahren mitnehme, sind sie doch auch Gefahren ausgesetzt.

! Stimmt zwar, aber hier sind die Kinder selbst aktiv. Beim Mitfahren hat das Gehirn hingegen wenig zu tun, das Kind lässt sich schnell ablenken. Wenn dann zum Beispiel etwas in der Nase kitzelt oder ein Pferd auf der Weide springt, dann ist das für den Moment wichtiger, als sich auf dem Motorrad gut festzuhalten. Selbstfahren mit Mini-Motorrädern auf abgesperrten Strecken ist im Gegensatz dazu hochspannend, die Kinder sind voll bei der Sache und reagieren bei Gefahr angemessen. Mitfahren ist gefährlicher.

? Da werden jetzt aber einige motorradfahrende Eltern enttäuscht sein...

! Berücksichtigen Sie bitte, das Gehirn von Kindern befindet sich im Reifeprozess. Sie sind demzufolge nur bedingt fähig, Gefahren richtig einzuschätzen. Erst ab zirka 14 Jahren ist der Mensch voll konzentrationsfähig, im Einzelfall sind es auch 12-Jährige schon. In diesem Alter sind Heranwachsende in der Lage, Gefahren und Abläufe auch abstrakt zu begreifen. Wenn Fahrer und Mitfahrer sich bereits auf theoretischer Ebene über mögliche Gefahren verständigen können, dann habe ich keine Bedenken.

? Für jüngere Kinder ist das Motorrad also tabu?

! Nein, nicht unbedingt. Im Beiwagen oder auf einem kleiner dimensionierten Moped ist ein kleineres Kind sicher besser aufgehoben, mit Einschränkungen ist eine Mitfahrt auch auf dem Motorrad möglich. Ein sehr großer Entwicklungssprung setzt um das achte Lebensjahr ein, also im Grundschulalter. Die Konzentrationsfähigkeit verbessert sich deutlich, die Gefahreneinschätzung gleichfalls, die Kinder sind insgesamt körperlich fitter. Dann besitzen sie die Reife, dem Geschehen auf dem Motorrad zu folgen und aktiv mitzumachen, etwa, wenn es in die Kurve geht. Passt man die Fahrt so an, dass das Kind bei kurzzeitigem Loslassen nicht gleich runterfällt, sind kurze Touren durchaus ab diesem Alter möglich. Am besten ganz vorsichtig heranführen und beobachten, wie sich das einzelne Kind verhält.

Gespannfahren mit Kindern (Archivversion)

Rund 40000 Motorradgespanne fahren in Deutschland, davon viele mit Kindern an Bord. Sicherlich die einfachere Lösung, wenn der Nachwuchs von klein auf dabei sein soll. Im Boot ist ein fest montierter Auto-Kindersitz ratsam. In Beiwagen ohne hohe Seitenverkleidung, Überollbügel und Hosenträgergurte das Kind besser nicht durch Gurte fixieren, damit es – analog zu Solomaschinen – bei einem Unfall möglichst weit weg von der Maschine landet. Merke: Ein Helm ist zwingend vorgeschrieben. Weitere Infos zum Gespannfahren finden sich unter www.motorrad-gespanne.de oder www.gespann-news.de.

Tipps für Touren mit Kindern (Archivversion)

Ohne Umschweife: Babys und Kleinkinder haben auf einer Solomaschine nichts zu suchen. Ab Kindergartenalter können Eltern besser einschätzen, wann die Kurzen reif für die erste Motorradfahrt sind. Die Verantwortung ist hoch und nicht übertragbar. Ein kleiner Leitfaden soll helfen, Fehler und Frust zu vermeiden.
3–7 Jahre
Reife:
Vorschulkinder haben eine eingeschränkte visuelle Wahrnehmung, das periphere Sehen ist nicht mit Erwachsenen vergleichbar. Sie erkennen nur den Ausschnitt vor sich und nehmen nicht wahr, was links und rechts von ihnen passiert. Jüngere Kinder sehen zudem alles nur aus ihrer Perspek­tive. Blicken sie zum Beispiel auf ein heranfahrendes Auto, denken sie, dass Auto schaut sie ebenfalls an und nimmt sie wahr. In diesem Alter kann man noch nicht davon ausgehen, dass das Kind dem Verkehrsgeschehen folgt und trotz vorheriger Absprachen auf dem Motorrad ruhig sitzen bleibt. Außerdem besteht die Gefahr, dass es auf dem Soziussitz unvermittelt einschläft.

Vor der Tour:
Kann das Kind Gefühlszustände mit Worten ausdrücken („Ich bin müde“, „Habe Angst“ etc.)? Versteht es verabredete Zeichen (etwa Klopfen auf den Oberschenkel des Fahrers)? Im Fahrradsitz sollte das Kind beim Radeln länger als 30 Minuten sitzen bleiben und motorisch so fit sein, dass etwa Laufradfahren keine Probleme bereitet. Kleinen „Helmtest“ durchführen: Kind so auf eine Liege legen, dass Schultern aufliegen, Kopf (mit Helm) und Nacken hängen frei. Hat das Kind Probleme, den Kopf mindestens 30 Sekunden zu halten, ist der Helm noch zu schwer. Dann lieber zu Hause bleiben.

Unterwegs:
Anfänglich lediglich „Parkplatzrunden“ drehen, danach Mini-Touren (5 bis 10 Minuten) auf kleinen Nebenstraßen mit wenig Verkehr und geringer Geschwindigkeit (30 bis 60 km/h) wagen. Klappt das gut, trotzdem nicht mehr als 15 Minuten am Stück fahren. Die Aufmerksamkeit des Kindes sollte im Abstand weniger Minuten per verabredeten Zeichen – ideal: durch eine Kommunikationsanlage – überprüft werden. Bei fehlendem Bestätigungszeichen Tour sofort beenden.


8–11 Jahre
Reife:
Grundschüler sollten in der Regel gelernt haben, längere Zeit still zu sitzen (für einen „Zappel­philipp“ bleibt das Motorrad tabu) und reif genug sein, um sich verbal klar auszudrücken. Sie sind aber nur eingeschränkt „tourentauglich“. Über vermeintlich seltsame Befindlichkeiten etwa darf der Fahrer nicht hinwegsehen. Die Hörfähigkeit zum Beispiel ist erst ab rund zwölf Jahren vollständig ausgebildet, davor können Kinder Geräusche noch nicht genau orten. Das Motorgeräusch nimmt das Kind daher anders wahr und kann es im Gegensatz zum Fahrer auch als störend empfinden. Ebenso wird ein Helm für Kinder in diesem Alter oft noch als sehr beengend empfunden.

Vor der Tour:
Fahrrad, Kickboard oder Inline-Skates machen dem Kind Spaß. Grundlegende technische Dinge sind geklärt (Auspuff wird heiß, Vibrationen rühren vom Motor her). Das Kind kann grob erklären, was beim Bremsen und Beschleunigen passiert und Einspur-Fahrdynamik vorführen (auf kleinem Stuhl Schräglagen simulieren). Helm und Kleidung sollten selbständig angelegt werden können – Fahrer muss dennoch stets den richtigen Sitz überprüfen. Zeichen verabreden und durchspielen, interessantes Tourziel (Eisdiele, Spielplatz, Wildpark) gemeinsam besprechen. „Fangfrage“ stellen, um festzustellen, wie groß die Lust am Motorradfahren tatsächlich ist: „Wollen wir da nicht lieber mit dem Auto hinfahren?“ Bleibt das Motorrad erste Wahl, kann’s losgehen.

Unterwegs:
Alle 15 bis 20 Minuten Pause einlegen, Gesamtfahrzeit nicht mehr als eine Stunde pro Hin- und Rückfahrt (bei erprobten Mitfahrern nach Gefühl verlängern). Keine anspruchsvollen Strecken wählen, freie Sicht nach links und rechts ist besser als beengend wirkende Walddurchfahrten. Relaxtes Landstraßen-Cruising (unter 100 km/h) ohne viele Schaltvorgänge nimmt den kleinen Passagieren körperlichen und seelischen Stress. Wichtig: In der Pause das bisherige Fahrt­geschehen kurz rekapitulieren, fragen, was gut und schlecht war und was sonst noch aufgefallen ist. So fühlt sich der kleine Sozius ernst genommen.


12–15 Jahre
Reife:
Zwar sind Teenager erst ab rund 14 Jahren voll konzentrationsfähig, doch als Mitfahrer besitzen viele von ihnen auch darunter schon für längere Touren die nötige Reife – körperlich und geistig. Sie können Abläufe abstrahieren und sind fähig, Gefahrensituationen im Kopf durch­zugehen. Problematisch sind in diesem „Sturm-und-Drang“-Alter eigentlich nur aufrührerische Mitfahrer, die auf Tour die Ansagen des Fahrers bewusst missachten oder eine Weiterfahrt boykottieren. Auch wenn in diesem Entwicklungsstadium die Youngster woanders bewusst Gefahren und Mutproben suchen, gilt dies für die Fahrt als Sozius weniger.

Vor der Tour:
Inwieweit überträgt der erwachsene Fahrer lediglich seinen Enthusiasmus auf den Jugendlichen? Selbst wenn der Mitfahrer ein aus­dauernder Sportcrack ist, verspürt er vielleicht als Beifahrer wenig „Bock“ auf eine stundenlange Passivposition. Das sollte in einem offenen Gespräch geklärt werden, genau wie der Ablauf des geplanten Ausflugs oder gar der Reise. Auch typische Gefahrensituationen vorher in der Theorie durchgehen (beispielsweise richtiges Verhalten erklären, falls die Kurve unerwartet zumacht). Wie schon für kleinere Fahrgäste gilt auch für große Kinder und Jugendliche: Deren Wünsche sind Befehle, und nein heißt nein.

Unterwegs:
Ganztages- und Mehrtagestouren sind nun kein Problem mehr – sofern vom Passagier gewünscht. Öde Autobahnetappen sollten aber nach wie vor vermieden werden. Teenager haben in der Regel genügend Kraft und können auch über längere Zeit ähnlich oder teilweise sogar besser als so mancher Erwachsener durchhalten. Abwechslungsreiche Strecken mit swingenden Kurven sind erste Wahl, sie halten den jungen Sozius besser bei der Stange. Trotzdem regelmäßige Pausen mit ausreichend Trinken und Essen nicht vergessen, sonst verflüchtigt sich die Konzentrationsfähigkeit und die nötige Körperspannung. Keine Marathon-Wettbewerbe, sonst wird die Tour schnell zur Tortur!

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