Blickpunkt: Motorrad-Design Zukunfts-Visionen

Die Jugend von morgen ist nicht von gestern. Sie wird andere Vorstellungen haben, die sich in anderen Formen ausdrücken. Sechs Studenten der Hochschule Pforzheim haben ein "Motorrad für die Jugend von morgen" entworfen.

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Damit jedoch werden auch die Vorstellungen bedroht, die sich mit dem Motorrad – immer noch – verbinden. Denn mehr noch als ein technisches Ding steht ja das Motorrad als Symbol, das, wenn man so will, Werte wie Dynamik, Freiheit, Unabhängigkeit, Potenz und was nicht sonst noch alles verkörpert. Vor diesem Zusammenhang erscheint der spontane Impuls, das Neue zunächst zurückzuweisen, nur allzu verständlich. Und die Vorahnung des Professors Lutz Fügener, selbst großer Freund und versierter Fahrer aktueller Maschinen wie Aprilia Mille und KTM EXC, kaum noch prophetisch. Denn Grundlage der Ablehnung ist wohl nicht so sehr das oberflächliche Nichtgefallen als eher das ästhetische Unverständnis. Das Neue gilt nicht als hässlich, weil es nicht gut aussieht, sondern weil es für das Bekannte bedrohlich sein kann. Deshalb darf Schönheit, sprichwörtlich, gerne weiter im Auge des Betrachters liegen. Design allerdings nicht allein und nicht vorrangig danach beurteilt werden, ob es gefällt. Noch dazu: ob es auf Anhieb gefällt. Denn Design heißt primär, Gedanken in Form zu bringen, nicht Material. Das Material ist nur Träger des geformten Gedankens. So unterscheidet sich Design vom bloßen Styling, es erschöpft sich nicht in der Gestaltung einer Oberfläche.
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Retusche: Kadler

Lifestyleprodukt Motorrad

Der radikale, der unter Umständen auch schockierende Bruch dieser Maschinen mit R 1200 GS, CBF, 1098, Versys, R1, V-Strom und V-Rod liegt außerdem in einer ziemlich simplen Frage begründet, die die Studierenden sich stellen sollten: "Wie müssten die Maschinen aussehen, damit ihr sie fahrt? Versucht euch selbst als Nutzer zu sehen", kam Fügeners Aufforderung. Die er mit einer Anregung fortführte: "Fragt euch, wäre mir das peinlich, wenn meine Freunde mich auf so etwas sehen oder nicht?" Die Entwürfe dürfen also auch als sehr persönliche Antwort verstanden werden. Das ist deshalb nicht unerheblich, weil jeder der angehenden Designer das von ihm entworfene Motorrad ganz offen als Lifestyleprodukt definiert, als Produkt, das in die jeweilige Lebenswelt passt und diese ein Stück weit zum Ausdruck bringt. Bezeichnend. Heißt nämlich im Umkehrschluss: Was da aktuell so rumfährt, tut das nicht oder bestenfalls ein kleines bisschen. Es gehört, so wie es sich derzeit darstellt, zur Lebenswelt der Jugend von gestern und wird, wie wir merken, schon von der Jugend von heute immer weniger favorisiert, sprich: gekauft. Das aber liegt nicht an einer prinzipiellen Ablehnung des Motorrads, nicht daran, dass es Jugendlichen nicht gefiele. Nur daran, dass sie sich andere Vorstellungen davon machen. Nicht so ölige. Insofern schocken die Konzepte eigentlich weniger, als sie Hoffnung machen und anregen, das Motorrad weiter zu denken.

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