BMW bei den 24 Stunden von Le Mans Preis-Boxer von BMW

BMW tritt mit einer Werks-Maschine in einer Motorrad-Straßen-WM an. Das gab es seit 50 Jahren nicht mehr – auch wenn es »nur« die Langstrecken-WM ist. Die Premiere des aus der R 1200 S entwickelten Renn-Boxers läuft bei den 24 Stunden von Le Mans.

Foto: BMW
BMW hat im internationalen Motorradrennsport immer noch einen Ruf wie Donnerhall, auch wenn genau 50 Jahre vergangen sind seit dem letzten echten Werkseinsatz im Straßenrennsport, der in der 500er-WM 1957 mit einem sechsten Gesamtrang von Walter Zeller auf einer BMW RS 50 abgeschlossen wurde.

2007 gibt es kaum eine Rennsport-Disziplin, die nicht mehr oder weniger begründet auf einen BMW-Einstieg hofft. Da wurde rund um das Dreizylinder-800-cm³-Projekt heftig über einen BMW-Einstieg in der MotoGP-WM spekuliert. Inzwischen gibt es aber einen klaren Beschluss der Weißblauen, das fertig entwickelte Projekt inklusive Namensrechte an Entwicklungspartner Oral Engineering zu übergeben. »Der Motor wäre ohnehin nicht konkurrenzfähig«, so ein Insider, »und gleicht in vielen Details dem ebenfalls gescheiterten Aprilia-MotoGP-Triebwerk. Allerdings sind auch eine Reihe echt innovativer Ideen verwirklicht.«
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Genau dies zeigt in eine andere Richtung. Kaum noch ernsthaft dementiert wird ein mit Hightech-Elementen gespickter 1000er-Vierzylinder, in entsprechend angepasster Version Superbike-WM-tauglich.

Real wird das BMW-Motorrad-Werksengagement mit einer neuen Variante des ehrwürdigen Boxers in der Open-Klasse der Langstrecken-WM, erstmals am 21./ 22. April bei den 24 Stunden in Le Mans. Der neuen Renn-Kuh sieht man ihren Einsatzzweck deutlich an. Die elaborierte Schnellwechselanlage am Vorderrad freut die Boxencrew ebenso wie die bereits serienmäßige Einarmschwinge hinten. Vermutungen, BMW würde die Gelegenheit nutzen, um – wie im Automobilsport längst verbreitet – ABS-Bremsen auf die Motorrad-Rennstrecken zu bringen, sind noch nicht bestätigt. Ist die BMW aufgrund ihres Leistungsdefizits gegenüber den in der Langstrecken-WM gängigen Superbikes auf den Gesamtsieg eher chancenlos, wüchse sie damit zur Geheimfavoritin, sollten sich in der Sarthe die Himmelsschleusen dauerhaft öffnen.

Das Fahrerteam besteht aus dem belgischen Evergreen Stéphane Mertens, dem Österreicher Thomas Hinterreiter sowie Rico Penzkofer und Ersatzmann Markus Barth. Was die bayerischen Preis-Boxer in Le Mans und bei den weiteren 24-Stunden-Rennen am 7./8. Juli in Barcelona, am 11./12. August in Oschersleben und dem Bol d’Or in Magny Cours am 15./16. September reißen können, wird sich ebenso zeigen müssen wie der weitere Weg des »Team BMW Motorrad Motorsport«. Denn der Einsatz in der eher nachrangigen Langstrecken-WM dürfte sicher nicht das Ende des Sportengagements sein.

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