BMW-Enduros (VT) (Archivversion) »Nicht konsequent genug“

Mutig, die neue BMW R 1150 GS Adventure. Ein Motorrad, das sich genau genommen nur an eine sehr kleine Zielgruppe wendet. Entsprechend gut betuchte Fernreisende sind eine seltene Spezies. Aber vermutlich ist’s wie mit einem Range Rover, der Mercedes M-Klasse oder einem BMW X5. Verkauft sich wie geschnitten Brot. Die Sache mit dem Prestige. Und weil man damit ja bis ans Ende der Welt fahren könnte, wenn man nur wollte. Das Gefühl allein scheint zu genügen. Vielen zumindest.Doch wäre ich damit tatsächlich besser als im Sattel meiner BMW R 1100 GS »Monsterkuh« sechs Monate lang durch Südamerika gereist? Ich werde es nie erfahren. Weil ich mit einszweiundsiebzig leider zu klein bin, um dieses Motorrad im Groben aufrecht zu halten. Schade. Denn die längeren Federwege hätten mir auf den Pisten in den Anden genauso gut gefallen wie die neue Sitzbank, ein kürzer übersetzter erster Gang und die Umstellung auf Normalbenzin. Nur der spürbar höhere Schwerpunkt nicht: An der Adventure würde ein weiter nach unten gezogener Tank aus Kunststoff mehr Sinn machen als der schwere und breit bauende, optionale 30-Liter-Stahltank, der zudem einen Umfaller auf felsigen Grund trotz Sturzbügel mit unschönen Beulen quittiert. Und ohne Umfaller geht keine Fernreise. Die Spuren an meiner »Monsterkuh« wie auch an den Motorrädern anderer Reisender sprechen da eine deutliche Sprache. Und eine Adventure wird auf den Geröllpisten in den Anden oder im Hoggar-Gebirge nicht anders fallen. Wie lange die gutgemeinten Zusatzscheinwerfer solche Strapazen aushalten, bleibt abzuwarten. Gleiches gilt für das Alukoffersystem, das an nicht gerade üppig dimensionierten Trägern hängt und dessen Verschlussmechanismus man nicht exponierter hätte platzieren können - an der äußeren Kofferunterseite. Also genau dort, wo der erste Bodenkontakt stattfindet. Ihre Fernreise- und Pistentauglichkeit muss die neue GS also erst noch beweisen. Für solche Abenteuer sollten tunlichst der Sammler mit dem Katalysator ausgetauscht und unbedingt Faltenbälge zum Schutz der Gabeldichtringe montiert werden. Nach wie vor bleibt der Gang zu den Zubehörspezialisten unabdingbar.Trotz Vollausstattung hinterlässt die BMW R 1150 GS Adventure einen halbfertigen Eindruck. Wie gesagt – wir sprechen von den Anforderungen einer Fernreise. Und nur davon ist im aufwendig produzierten Prospekt die Rede. Aber BMW scheint spätestens auf Seite zehn auf Nummer Sicher gehen zu wollen: »Am Ende der Welt kann man genau zwei Dingen vertrauen: Zylinder links, Zylinder rechts.« Klar, die Basis stimmt. Keine Frage. Nur einiges vom Drumherum wirkt für das große Abenteuer nicht konsequent genug durchdacht. Irgendwie ist das aber auch egal. Denn auf europäischen Straßen wird die neue GS toll dastehen. Genau wie ein Range Rover, ein Mercedes M-Klasse oder ein BMW X5. Die Wüste werden die wenigsten dieser Fahrzeuge erobern. mis

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote