BMW-Erlkönige (Archivversion) Am Vorstart

Wählt man den 28. September, das Datum der projektierten Vorstellung, als Karrierestart der BMW HP2 Endurance, so steht sie jetzt quasi am Vorstart. Heimlich geschossene Fotos legen diese Sicht der Dinge nahe.

Allzu ernst mit der Geheimhaltung nimmt es BMW bei der Replika des Langstrecken-Rennboxers wohl nicht mehr. Denn es war offenbar ein öffentlicher Test-Termin mit potenziellen BMW-Kunden, den die Versuchsabteilung nutzte, um drei schon weitgehend serienmäßig wirkende Prototypen oder gar Vorserienmaschinen auszuprobieren. Den Rest erledigte der geistesgegenwärtige Besitzer eines qualitativ hochwertigen Fotohandys.
Dessen staunenswert gute Bildauflösung zeigt einige interessante Details, an erster Stelle zu nennen ist hier der Endschalldämpfer. Elegant und formschlüssig unter der zierlichen Heckverkleidung platziert, demonstriert der Edelstahlkasten nach einigen stilistischen Fragwürdigkei­ten, zu denen neben der Ducati 999 auch die BWM R 1200 S zählt, welches gestalterische Potenzial in einer solchen Lösung steckt. Zumal sie vorteilhaft ergänzt wird durch einen Rücklicht-, Blinker- und Kennzeichenhalter, der zwar nach dem gleichen Prinzip konstruiert wurde wie jene von Honda Fireblade und Kawasaki ZX-10R, dessen schmale LED-Lichtleisten jedoch viel weniger auftragen als bei den japanischen Motorrädern. Leider können selbst die Detailaufnahmen vom Heck noch immer nicht zutage bringen, ob dieses wie bei den Rennmaschinen als frei tragendes Karbonteil ausgeführt ist oder wegen geringerer Kosten und Risikominimierung in Sachen Dauerhaltbarkeit einen geschweißten Heckrahmen erhält.
Nur die feinsten Teile werden in der Bremsanlage zum Einsatz kommen: radial verschraubte Brembo-Monoblocs der neuesten Generation, Radialpumpen und Bremsleitungen, die aufgrund ihres geringen Durchmessers stahlummantelt oder aus Kevlar sein müssen. Ob die Sensorkränze in den Rädern bei den Serien­maschinen einem ABS dienen oder wie bei den Rennmotorrädern einer Schlupf­regelung, wird BMW wohl erst am 28. September auf der Messe in Paris offenbaren.
Dann wird endlich auch das Geheimnis um die neuen Zylinderköpfe gelüftet. Von außen fällt lediglich auf, dass die aus Karbon bestehenden Ventildeckel nur noch mit zwei statt wie bisher mit vier Schrauben montiert werden und diese außerdem an anderen Stellen sitzen als bei den bisherigen Boxern. Die neuen Köpfe ziehen sich Richtung Einlassseite viel breiter auseinander als die alten; das lässt ebenso auf drastisch vergrößerte Kanalquerschnitte schließen wie die ziemlich dicken Auspuffkrümmer. Anders wäre eine Leistung von knapp 140 PS im Rennboxer und über 130 PS im homologierten Serienab­leger auch nicht zu realisieren. Klar ist nun immerhin, dass dieser Serienableger das Typenkürzel HP2 trägt, wie von MOTORRAD stets vermutet. Der Zusatz »Endurance« ist dagegen immer noch eine –wenngleich plausible – Spekulation.

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