BMW erprobt Supersportler sagnie

BMW und Super-
sportler: Vor wenigen Jahren schienen diese Begriffe völlig unver-
einbar, mit der K 1200 S und der neuen R 1200 S rückten sie näher zueinander. Wie dieses Foto zeigt, war das noch lange nicht der Schlusspunkt.

BMW fährt nicht MotoGP. Warum fährt dann Luca Cadalora BMW? Und was ist das überhaupt für eine BMW? Der 125er- und zweifache 250er-Champion sowie 500er-Vize-Weltmeister, noch immer eines der größten Fahr-
genies, gibt sich äußerst ungern mit
Motorrädern ab, für die er völlig über-qualifiziert wäre. Bereitet die Bayern also doch ein MotoGP-Engagement vor?
Dagegen sprechen neben der BMW-Presseabteilung, welche das hier gezeigte Foto veröffentlicht hat, vor allem
die Ausmaße des Motorrads. Soweit die
Größenverhältnisse zwischen den vorderen Stahlbremsscheiben, den Rädern und dem Fahrer erkennen lassen, wirkt
es sogar im Vergleich zur ausladensten
MotoGP-Rennmaschine, der Ducati Desmosedici, geradezu riesenhaft. Der lange Radstand und die Höhe würden ein deftiges Handling-Handicap bedeuten.
Nein, als Rennmotorrad sei diese
Maschine trotz der Anklänge an aktuelle Supersportler-Technik nicht gedacht, so BMW-Pressesprecher Jürgen Stoffregen. MOTORRAD ergänzt, nicht mehr. Es handle sich vielmehr um einen Versuchsträger »mit sehr hoher Motorleistung und Leichtbautechnologie zur Untersuchung hochdynamischer Vorgänge im Antriebs- und Fahrdynamik-Management unter
Extrembedingungen«. Aha. Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel hält die Fahrdynamik starker Motorräder im Grenzbereich für eine der komplexesten Erscheinungen und sieht in ihrer Erforschung eine faszinierende Aufgabe. Der Leiter von BMW Motorrad, Herbert Diess, erwartet Impulse für die Serie: »Regelungssysteme wie eine Antriebsschlupfregelung werden in den nächsten Jahren Eingang in die Serienentwicklung finden.« Das heißt: BMW will sich die Kompetenz erarbeiten, höchst komplexe Fahrzustände regelungstechnisch zu beherrschen und daneben den Vorsprung der Japaner in den Bereichen Leichtbau und Gusstechnik aufholen. Schließlich hat Burkhard Göschel im Interview mit MOTORRAD (Heft 20/2005) aus seiner Bewunderung für die »Wunderwerke mechanischer Präzision« keinen Hehl gemacht.
Was die Herren geflissentlich verschweigen: Die »sehr hohe Motorleistung« bringt nach Informationen von MOTORRAD ein Dreizylinder auf. Wenn der Versuchsträger wie angekündigt demnächst zum ersten Mal auf einer nicht werkseigenen Rennstrecke fährt, wird das leicht herauszuhören sein. Bei einem umge-
bauten, getunten K-1200-Vierzylinder wäre
der rechtsseitige Kettenantrieb auch nicht logisch – der trägt den Getriebeabtrieb links. So ist das ungewöhnliche Motorkonzept ein starkes Indiz dafür, dass BMW eben nicht allein an Grundlagen-
forschung interessiert ist, sondern alle Bestandteile eines Gesamtsystems zusammen optimiert – eines Supersportlers.

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