BMW-GS-Geburtstagstreffen

Dauerbrenner

Reiseenduro, Rallyebolide, Café Racer, Alltagsfahrzeug – mit einer BMW-GS geht einfach alles. Und das bereits seit 20 Jahren. Grund für eine kleine Feier unter Freunden.

Gnadenlose Hitze liegt über dem Land. Nichts geht mehr. Bei jeder Bewegung bricht einem der Schweiß aus allen Poren. Plötzlich durchdringt ein Brummen die heiße Luft, schwillt an, bis klar ist: BMW. Boxer. Dann die Silhouette einer Handvoll Motorräder. Enduros. Erkennt man an der Sitzposition. Und den Alukoffern, die das grelle Licht reflektieren. Jetzt sind sie ganz nah, halten, die Motoren verstummen. Die Fahrer schälen sich aus den verschwitzten Klamotten, prüfen das Gelände, bauen schließlich Zelte auf, warten auf die, die noch kommen – nein, nicht ins algerische Tamanrasset, sondern ins bayerische Zellerreit.
Wüstenhafte Temperaturen beim BMW-GS-Geburtstagstreffen, zu dem MOTORRAD vom 18. bis zum 20. August eingeladen hatte. Eine nette Geste; sozusagen der passende Rahmen, um ein Jubiläum von einem Motorrad zu feiern, das in den letzten 20 Jahren bekanntermaßen über jede Düne dieser Welt getrieben wurde.
Eigentlich ein Grund, um eine riesen Party steigen zu lassen. Eigentlich. Oder doch lieber nur ein ganz kleines Fest? Man überlegte, erinnerte sich an das erste Tourertreffen vor elf Jahren, zu dem man eben hier in Zellerreit zusammengekommen war. Und sich die nächsten Jahre wieder dort getroffen hatte. Weil’s irgendwie so gemütlich war. Das wär’s doch. Nicht zurück in die Vergangenheit, aber trotzdem ein bisschen Flair von damals. Eine Wiese, ein Gasthof mit bayerischer Hausmannskost, ein Umland ideal für Motorradtouren. Was will man mehr?
Gäste natürlich. Rund 270 GS-Fahrer folgten dem sehr kurz gefassten Aufruf in MOTORRAD. Nur wer bereit war, sich voranzumelden, erfuhr, wo das Treffen stattfinden sollte – für mehr als 350 GSler hätte der Platz nicht gereicht. Bei den 270 noch nicht mitgezählt: diverse Tagesgäste, die zufällig den Weg gefunden hatten, und natürlich die Leute von BMW, HPN, WITEC oder Touratech. Die VIPs sozusagen, die mit Sack und Pack anreisten. Will heißen: Auf dem Platz vor dem Gasthof Esterer war am Samstag so ziemlich das Feinste zu bestaunen, was je mit dem Kürzel GS versehen war. Hubert Auriols Dakar-Rennerle von 1981. Und der legendäre Rallye-Bolide von Gaston Rahier, diesem wahnsinnigen Zwerg, der beim Anfahren immer zuerst auf den linken Zylinder springen musste, um überhaupt in die Nähe des Sattels zu gelangen. Dann der aktuelle Dakar-Boxer. Oder die 1985er-HPN »Baja«: 1000 Kubik, 70 PS und jeweils 30 Zentimeter Federweg bei einem Gewicht von 155 Kilogramm. Vollgetankt, versteht sich.
Optisch irgendwie noch radikaler: die GS-Hämmer aus dem Hause WITEC, per Monster-Rallye-Service-Truck nach Zellerreit gelangt. Drum herum hoch aufragende 1100er mit armdicken Magnumgabeln statt dem schlappen Telelever, mit bewährten Bing-Vergasern anstelle der frickeligen Einspritzanlage, mit Gitterrohrrahmen, Zusatztanks, mächtigen Einarmschwingen, zipp und zapp. Ein Fest für die Augen. Wie auch die Herde der Touratech’schen »Monsterkühe«. Markenzeichen: listige Doppelscheinwerfer, bunte, 41 Liter fassende Tanks, ebenso große Alukoffer, Tripmaster, Satellitennavigation und und und...
Konnte man vor all diesen Erfindungen eigentlich auch schon reisen, mag sich manch einer bei diesem Anblick gefragt haben. Man konnte. Wer ein bisschen suchte, fand den Beweis. Denn neben diesen funkelnden Überbikes wirkte die R 80 G/S aus dem Jahr 1980, mit der der Norweger Helge Pedersen zehn Jahre lang um die Welt gefahren ist, fast wie ein Mofa. Aber: Auf der Uhr von »Olga« stehen rund 350000 Kilometer. Genug für einen Ehrenplatz im Münchner BMW-Museum – beladen, als ginge es morgen wieder los und mit Sand zwischen den Kühlrippen aus Australien oder der Sahara oder...
Helge Pedersen traf man übrigens auch in Zellerreit. Mit einer 1150er GS aus Sibierien und China kommend und auf dem Weg nach Norwegen, wollte er sich dieses Treffen nicht entgehen lassen. Weil er wusste, dass er hier alte Freunde treffen würde. Zum Beispiel Dr. Gregory Frazier, einen Crow-Indianer, der die Welt bereits zum zweiten Mal umrundet hat und extra aus Montana angereist war. Das Helge hier aber seine »Olga« sehen würde, damit hatte er nicht gerechnet.
Samstagabend. Der Gasthof Esterer platzt aus allen Nähten. Drinnen gespitze Ohren, weil auf der Bühne ein paar BMWler aus dem Nähkästchen plaudern. Dr. Markus Braunsperger, Entwicklungsleiter und somit mitverantworlich für die aktuelle R1150 GS. Dann der Fahrwerksspezialist Laszlo Peres. Erzählt, das einer seiner ersten GS-Prototypen 125 Kilogramm wog. Zwar ohne Lack und Benzin, und der Rahmen sei auch schon mal gebrochen, aber immerhin. Es ist still im Saal. Ganz still. Und das bleibt es auch, als Berti Hauser, Leiter BMW Motorrad Sport, zusammen mit Alfred Halbfeld sowie Klaus Pepperl von HPN ein wenig über den Sport von damals, heute und morgen erzählen. Besessene Kerle mit glänzenden Augen, die daran Schuld haben, dass eine GS zu dem geworden ist, was sie heute ist.
Lauter wird es erst wieder, als sieben Globetrotter mit einer Auswahl ihrer besten Bilder von dem erzählen, was sie im Sattel ihrer GS alles erlebt haben. Lauter, weil´s viel Applaus gibt, wenn immer eine GS unverrückbar im Sand steckte oder mal wieder ein Kardan zu wechseln war. Stoff für endlose Gespräche. Am Lagerfeuer redet man noch bis in die späte Nacht. Da ist´s dann ganz egal, ob man ins algerische Tamanrasset oder ins bayerische Zellerreit gefahren ist.
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Einfach immer weiter fahren...

Was passiert, wenn sich Globetrotter von ihrer grenzenlosen Neugier treiben lassen? Sie fahren einfach immer weiter. Wie Helge Pedersen. Als sich der Norweger 1982 auf den Weg nach Afrika machte, wusste der damals 27-Jährige nicht, dass seine Reise etwa zehn Jahre dauern würde. Am Ende hatte er im Sattel seiner »Olga«, eine BMW R 80 G/S aus dem Jahr 1981, rund 350000 Kilometer zurückgelegt, 77 Länder bereist und vermutlich als erster Motorradfahrer den Darian Gap durchquert – jene absolut wegelose Landverbindung zwischen Süd- und Mittelamerika. Drei Wochen brauchte Helge für die 80 Kilometer lange Tortour durch den Dschungel. Heute lebt er als Journalist in den USA – wenn er nicht gerade wieder auf Achse ist. Infos: www.globeriders.com.

Durch alle Wüsten Afrikas

Wer die Bilder von Michael Martin gesehen hat, kann nur staunen: mit einem schweren Gespann zu den Quellen des Nils, mit einer gnadenlos überladenen BMW R 1100 GS 32000 Kilometer weit durch alle Wüsten Afrikas. Michael schafft’s immer irgendwie. Nach insgesamt über 60 Afrika-Reisen kennt er sich dort vermutlich so gut aus wie nur wenige andere. Und: Seine Reportagen, Bildbände und Diavorträge gehören zum Besten, was es über diesen Kontinent gibt. Momentan arbeit Michael Martin an einem neuen, ehrgeizigen Projekt: im Sattel einer BMW R 1150 GS durch alle Wüsten der Erde. Infos darüber unter www.michael-martin.de.

20 Jahre BMW GS

Birgit Pütz und ihre knallgelbe BMW R 80 G/S aus dem Jahr 1981. Wenn immer das Fernweh zu stark wird, verabschiedet sich die Kölnerin von ihrem Chef, um gemeinsam mit Freund Jo Deleker mal wieder für ein paar Monate auf Achse zu sein. Reisen sind eben wichtiger als ein Job. Rund 150000 Kilometer kamen mittlererweile zusammen. Achtmal ging es nach Skandinavien, dreimal nach Island und sieben Monate durch Südamerika. Eine Reise, die im nächsten Frühjahr fortgesetzt wird. Aber die Touren sind nicht immer leicht. Als Fotograf verlangt Freund Jo oft fast Unmögliches, denn nur gute Bilder eine gute Geschichte geben. Dann muss Birgit ihre G/S über schaukelnde Hängebrücken oder gleich mehrmals durch reißende Flüsse fahren. Weil eine gelbe GS so hervorragend in jede Landschaft passt.

Der Panamericana

Drei Jahre lebten Petra und Thomas Sbampato auf der Straße. Aber nicht auf irgendeiner, sondern auf der, die nicht zu Unrecht zu den Traumstraßen der Welt gehört: der Panamericana. Am Ende hatten die Schweizer zwischen Feuerland und Alaska rund 120000 Kilometer zurückgelegt. Ihr Fahrzeug: eine BMW R 100 GS Paris-Dakar, die mit Fahrer, Sozia und 100 Kilogramm Gepäck rund eine halbe Tonne wog. Probleme? Gelegentlich. Zum Beispiel, als es im bolivianischen Regenwald wie aus Kübeln goss – und im Schlamm nichts mehr ging. In guter Erinnerung dagegen der Benzinpreis in Venezuela: 4,5 Pfennig pro Liter. Mehr über die beiden Abenteurer ist in der nächsten Ausgabe von MOTORRAD zu erfahren. Und im Internet: www.sbampato.ch.

Im Bummeltempo um die Welt

Susan und Grant Johnson fallen auf. Oder besser: Ihre BMW R 80 G/S fällt auf. Eine gewaltige Alukoffer-Konstruktion am Heck, verziert mit der bei Globetrottern obligatorischen Weltkarte und unzähligen Aufklebern. Dann die beiden Alukoffer rechts und links des Tanks, die an Gewehrtaschen amerikanischer Cowboys erinnern. Man sieht sofort: Die beiden Kanadier sind länger als nur ein Wochenende unterwegs. Viel länger. Seit fast 14 Jahren reisen die beiden im Bummeltempo um die Welt und haben bisher »nur« etwa 100000 Kilometer in 39 Ländern zurückgelegt. In der Zwischenzeit betreibt das Paar eine interessante Homepage: www.horizonsunlimited.com. Hier finden sich unzählige Links zu anderen Globetrottern, Clubs und Organisationen überall auf der Welt sowie ein Forum, das jederman nutzen kann, falls er Fragen hat oder Antworten kennt.

Katastrophenschutz statt Extremreisen

Katastrophenschutz statt Extremreisen - Robin Stanzel hat sich und seine seltene BMW R 65 G/S, Baujahr 1990, voll und ganz dem Technischen Hilfswerk (THW) verschrieben. Soll heißen: Das Motorrad gehört der Kradstaffel Franken; Pflege und Wartung fallen dem Fahrer zu, der seit elf Jahren ehrenamtlich für das THW arbeitet. Und sein ständiges Einsatzfahrzeug auch selbst in den entsprechenden Farben lackiert, mit Warnblinkern und einer Lenkerhalterung für eine Kelle versehen hat. Und was tut so jemand, wenn er nicht gerade in voller Montur zum GS-Treffen nach Zellerreit fährt? Je nach Einsatz regelt und sichert Robin den Verkehr, erkundet bei Katastrophen vor Ort das Gelände oder arbeitet als Kurier. BMW-GS-Fan ist er übrigens auch.

Freundeskreis

»Von der linken Seite betrachtet, scheint das Hinterrad frei in der Luft zu hängen. Erst beim zweiten Hinsehen entdeckt man den Schwingenarm auf der rechten Motorradseite, in dem die Kardanwelle rotiert. Die optisch gewöhnungsbedürftige Radaufhängung soll in ihrer Funktion der alten Doppelarmschwinge sogar überlegen sein, sagt BMW« (Motorrad 17/1980)Sechs BMW-Fahrer erzählen auf den folgenden Seiten, was sie in den letzten 20 Jahren mit ihren Motorrädern erlebt haben.

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