BMW K 1200 R (VT) (Archivversion) Medium-Terzett

Knopfdruck, kurzes Knurren, und ungeduldig brabbeln die
Triumph und die Benelli an diesem Morgen vor sich hin.
Die Vierzylinder-Truppe ist längst über alle Berge. »Macht nix,
die holen wir schon wieder ein«, grinst Sven auf der Triumph. Na dann, Gang rein und ab. Geschmeidig witscht die Speed Triple durch die verstopften Straßen des südfranzösischen Örtchens. Relaxte Sitzposition, Gas und Kupplung flutschen leichtgängig, und der Drilling schnurrt sanft wie ein Kätzchen.
Mehr Ecken und Kanten offenbart die Benelli. Nicht nur
im Kniebereich an den Tankflanken. Die Kupplung verlangt nach einer kräftigen Hand, der Gasgriff ebenso, und die Leerlaufsuche im knorpeligen Getriebe erfordert etwas Konzentration. Nebensächlich, sobald das Ortsende hinter einem liegt. Wuchtig tritt
der Drilling an. Knurrend, fauchend, raspelnd zerrt die TnT an der Kette. Bei 4000/min scheint ein wohliger Schauer durch das
ganze Bike zu laufen. Die Benelli ändert ihre Tonlage, das Auspuff-geräusch – neuerdings verhindert übrigens ein kurzer Schnorchel erfolgreich die Verwirbelung des Abgasgestanks hinter dem
Fahrerrücken – schwillt zu einem heiseren, zornigen Brüllen an. Begleitet von fantastischem Schub.
Auf gut planierten, lang gezogenen Bögen zieht die Benelli
wie am Schnürchen ihre Bahn. Die äußerst straff gedämpften, voll einstellbaren Federelemente lassen keinerlei Unruhe aufkommen. Bis das Sträßchen nach und nach schmaler wird und sich in kunstvoll verschlungenen Bögen mit leicht ausgefressenem Belag den Berg hinaufwindet. Zwar spricht die Gabel fein an. Rechter Komfort will trotzdem nicht aufkommen. Zu straff die Dämpfung der Federelemente, trotz voll geöffneter Druckstufe hinten.
Dennoch bolzt die TnT geradezu stoisch, völlig unbeeindruckt von irgendwelchen Verwerfungen über den ausgefransten Asphalt. Da kann es schon mal passieren, dass eine Kehre schneller als geplant angeflogen kommt. Was allerdings weder die durchschlagresistente Gabel noch die hervorragend zupackenden Brembos vor ernsthafte Probleme stellt. Millimetergenau trifft die TnT die Kurve. Und an deren Ende wartet wieder dieses herrlich mächtige Trumm von Dreizylinder auf seinen röhrenden Auftritt. Hahn spannen und – hallelujah.
Einziger Wermutstropfen: Die Speed Triple klebt hartnäckig am Hinterrad. Selbst wenn sie im Drehzahlkeller nicht ganz mit
dem wuchtigen Antritt der Benelli gesegnet ist, der britische
Dreizylinder geht ebenfalls wie’s Messer. Lässt sich knapp über Leerlaufdrehzahl samtig ans Gas nehmen, brilliert mit bärigem Durchzug, tadelloser Laufruhe und prickelnder Drehfreude.
Auf diesem Terrain spielen die Dreizylinder ihren konzeptionellen Vorteil gegenüber den Twins und Fours voll aus: saubere Gasannahme und geschmeidiger Durchzug ab Standgas, temperamentvoll verabreicht. Dazu glänzt vor allem die Triumph mit einem zwar nicht ganz so knackig-straff abgestimmten, aber nahezu perfekt ausbalancierten Fahrwerk. Sie lässt sich spielerisch bis
in tiefste Schräglagen abwinkeln, trotzt noch souveräner Bodenwellen und fährt am Kurvenausgang wesentlich engere Linien als die hinten mit einem 190er-Reifen bestückte Benelli.
Kinderleichtes Handling und die traumhafte Neutralität in Schräglage ergeben eine Mischung, der die TnT nicht viel entgegenzusetzen hat. Auch nicht in der Bremszone. Denn dort
ist die Triumph ebenfalls eine Macht. Ihre überarbeiteten Nissins
packen äußerst deftig zu, fadingfrei und perfekt dosierbar.
Wie gemacht, um in Schräglage weit bis in den Kurvenscheitel hinein zu verzögern. Was Sven wenig später voll auskostet und auf der Bremse innen vorbeiwitscht – wahrscheinlich mit einem diebischen Grinsen im Gesicht.

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