BMW K 1200 S (V) (Archivversion) Quod Erat <br /><br /> Demonstrandum

q.e.d. – was zu beweisen war. MOTORRAD hatte
in Heft 21/2003 die Formel für die neue BMW K 1200 S
aufgestellt. Und hier nun der Beweis, dass wir unseren
Job perfekt gemacht haben.

lauben Sie an Hellseherei? Die Fähigkeit, Ereignisse voraussagen zu können, die erst in der Zukunft geschehen? Nein? MOTORRAD auch nicht. Viel eher hält es die Redaktion mit der Mathematik, verlässt sich aufs Berechnen von Dingen. Und fährt damit ganz gut. Wie sonst hätte die neue BMW K 1200 S exakt so in Heft 21/2003 stattfinden können, wie sie jetzt erscheint. Ob sie tatsächlich ein Ereignis wird, kann freilich erst die Zukunft zeigen. Oder man schenkt den Vorhersagen von BMW Glauben: »Das beste Sportmotorrad für die Straße. Mit der neuen K 1200 S werden Sie eine neue Dimension der Sportlichkeit erleben.« Wobei BMW das Thema ganz offensichtlich erneut auf die ureigene, bajuwarische Weise interpretiert.
Das Design beispielsweise reiht die K 1200 eher in die
Kategorie der Sporttourer vom Schlage einer Honda CBR 1100 XX oder Kawasaki ZX-12R ein. Und beim klassischen Kriterium Leistungsgewicht bleiben dem Vierzylinder supersportliche Bestnoten versagt. BMW weist zwar auf eine nahezu 50-prozentige Verbesserung gegenüber der K 1200 RS hin. Doch konkret
bedeutet das bei (von uns errechneten) rund 235 Kilogramm und von BMW proklamierten über 160 PS ein Leistungsge-
wicht von etwa 1,5 kg/PS. Nicht schlecht. Nur: Eine Kawasaki ZX-10R erreicht 1,18 kg/PS.
Also doch mehr ein Sporttourer, die Neue. Und in dieser Klasse könnte die K 1200 S durchaus zum Primus avancieren, käme sie – wenn all unsere Berechnungen stimmen – trotz
Kardanantriebs rund sechs Kilogramm leichter daher als eine Kawasaki ZX-12R. Die Honda CBR 1100 XX würde sie sogar um 15 Kilogramm unterbieten.

ie bereits in MOTORRAD 21/2003 berichtet, hat sich BMW bei seinem neuen Flaggschiff von der lang bewahrten Tradition des längs liegenden Reihenmotors abgewendet und baut den 1157 cm3 großen Reihenvierzylinder – jetzt mit integrier-
tem Getriebe – erstmals quer ins Fahrwerk ein. Sicher ist den Münchnern die Entscheidung für diese konventionelle Lösung, wie sie von den Japanern seit 1969 perfektioniert wird, nicht leicht gefallen. Die um 55 Grad nach vorn geneigte Zylinderbank soll sowohl eine ausgewogene Gewichtsverteilung von 50 Prozent vorn und hinten als auch einen niedrigen Schwerpunkt garantieren. Sie treibt aber andererseits den Radstand auf stattliche 1570 Millimeter.
Dank einer moderat kurzhubigen Auslegung, die Drehzahlen über 10000/min erlaubt, konnte der Vierzylinder mit zwei oben liegenden Nockenwellen und vier Ventilen pro Zylinder schmal gehalten werden. Auf Höhe der Kurbelwelle baut der 1200er nicht breiter als die aktuellen 600er-Motoren, bei denen allerdings die Lichtmaschine direkt auf der Kurbelwelle sitzt.
Gewohnt innovativ zeigt sich das Fahrwerk. So führen die Profile des Alu-Brückenrahmens nicht seitlich um, sondern über den Zylinderkopf, was nochmals Baubreite spart. Neues auch an der Front: Die Vorderradführung arbeitet jetzt mit Doppellängslenkern und dürfte somit sensibles Ansprechverhalten und hohe Steifigkeit bieten. Am Heck wirkt im Gegensatz zu den aktuellen K-Modellen ein Federbein, das über eine Hebelumlenkung an der Schwinge angelenkt ist. Erstmals bei einem Serienmotorrad ist die Dämpfung elektronisch einstellbar. Für eine BMW fast selbstverständlich dagegen das Teilintegral-Bremssystem samt ABS.

on den Talenten der K 1200 S konnte sich MOTORRAD-Tester Markus Barth auf der Nürburgring-Nordschleife bereits ein Bild machen. Dabei zeigt sich, dass die neue BMW für eine 1200er tatsächlich durch überdurchschnittliche Handlichkeit glänzt. Die leichte Pendelneigung in manchen Passagen ist auf die extremen Bedingungen der »Grünen Hölle« zurückzuführen. Nordschleifen-Kenner lässt Barths Rundenzeit von 7.57 Minuten aufhorchen, liegt sie doch nur acht Sekunden über dem offiziellen Rundenrekord von Helmut Dähne, allerdings auf der betagten Honda RC 30 im Jahr 1993 aufgestellt.
Höchste Spannung also – nicht nur bei BMW-Kunden. Auch MOTORRAD erwartet eine heiße K-Phase. Doch noch braucht es ein wenig Geduld. Erst im September auf Münchner Messe Intermot wird die K 1200 S dem breiten Publikum präsentiert. MOTORRAD-Leser haben jedoch einen Vorsprung: Der erste Fahrbericht ist bereits im Juli zu lesen. Waldemar Schwarz

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