BMW K 1200 S (VT) (Archivversion) Technik transparent: Vergleich BMW-Duolever gegen Upside-down-Gabel

Mit der neuen Duolever-Radführung geht BMW noch einen Schritt weiter als mit dem Telelever-System. Bei ihr entfallen Tauch- und Standrohr komplett. Das Vorderrad steckt stattdessen in einem steifen Aluguss-
Radträger, der von zwei Längslenkern geführt die Federbewegungen bei Bodenwellen an ein zentrales Federbein weiterleitet. Der Vorteil dabei: Die Reibung von Telegabeln durch Lagerbuchsen und Simmerringe entfällt, was einem sensiblen Ansprechverhalten förderlich ist.
Für BMW ganz wichtig: Man wollte einen hohen Komfort, also eine weiche Abstimmung von Feder/Dämpfung mit einem geringen Eintauchen beim Bremsen, dem so genannten Bremsnickausgleich kombinieren. Um dies umzusetzen, müssen die Anlenkpunkte der Längslenker so gewählt werden, dass die Krafteinleitung beim Bremsvorgang der dynamischen Achslastverteilung entgegenwirkt, die Radaufhängung also ausfedert. Dazu muss der untere Längslenker in einem Winkel von deutlich unter 90 Grad auf den Achsträger treffen. Nur so ist gewährleistet, dass eine Kraftkomponente das Motorrad beim Bremsen nach oben aushebelt. Und tatsächlich geht die neue K 1200 S selbst bei Vollbremsungen trotz der dynamischen Radlastverteilung nur ein paar Finger breit in die Knie und sorgt
dafür, dass Bodenwellen weich und mit genügend Restfederweg absorbiert werden. Doch die darauf ausgelegte Hebel-
kinematik hat auch Nachteile. Bedingt durch den kurzen oberen Längslenker weicht die Vorderachse beim Überfahren von Bodenwellen oder Schlaglöchern nicht nach schräg hinten, also in Stoßrichtung, sondern fast senkrecht nach oben aus. Diese Raderhebungskurve wirkt sich
somit nachteilig auf die Stoßabsorption und folglich auf den Fahrkomfort aus (siehe Skizze).
Im Gegensatz dazu entspricht die Raderhebungskurve einer Telegabel nahezu der Stoßrichtung, daher spricht sie in vielen Fällen trotz der
höheren Reibung (Gleitlager, Simmerringe) sensibler an als das reibungsarme (Wälzlager) Federsystem der BMW. Womit die polternden Stöße bei harten Trennfugen und Schlaglöchern zu erklären sind.
Zusätzlich sind die ungefederten Massen des Duolevers (Radträger,
ein gewisser Anteil der Massen von Längslenker, Scherengelenk und
Federbein) höher als bei der Telegabel.
Die Vorteile des BMW-Systems: hohe Biege-und Torsionssteifigkeit (verbessert die Wirkung des ABS), sensible, konstante Dämpfung durch den Gasdruckstoßdämpfer, kompakte Rahmenbauweise.
Die Nachteile: aufwendige, teure Fertigung, höheres ungefedertes
Gewicht.
Die Vorteile der Telegabel: kostengünstige Bauweise, leicht, geringer Raumbedarf, wenig Bauteile.
Die Nachteile: hohe Biegemomente durch den langen Hebelarm,
geringe Steifigkeit.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel