BMW MotoGP-Rennmaschine als Zeichnung (V) (Archivversion) Bayern-Express

Fakt ist, dass BMW ein Moto-GP-Bike entwickelt. Unklar bleibt ob und wann die Münchner wieder Rennen fahren. MOTORRAD hat eigene Vorstellungen von der schnellsten BMW aller Zeiten.

Kein Zweifel, steigt BMW tatsächlich in die Motorradweltmeisterschaft ein, sind die Münchner bestens präpariert. MOTORRAD ließ alle möglichen und unmöglichen Drähte glühen, um den geheimen Plänen der Bayern auf die Schliche zu kommen. Fakt ist: Ein erster Prototyp fährt bereits so gut, dass der Vorstand drauf und dran ist, grünes Licht für das Projekt zu geben. Zwar werden die Verantwortlichen nicht müde zu dementieren, doch wäre es schlicht unbegreiflich, wenn sich BMW jetzt nicht schleunigst auf die Jagd nach der Krone des Zweiradsports begeben würde.Die Chancen für einen gelungenen Einstieg in den Straßenrennsport stehen gut. Das ab 2002 gültige Reglement mit 990 cm³ großen Viertaktern eröffnet den Bayern ganz neue Möglichkeiten, da die Weißblauen bei der Entwicklung eines Grand-Prix-Motorrads nun auf ihr Know-how aus der Formel 1 zurückgreifen können. Dort gilt der mittlerweile knapp 900 PS leistende Hightech-Zehnzylinder unbestritten als potentester Motor im Feld – und liefert mit 300 cm³ Hubraum pro Zylinder die ideale Basis für einen Dreizylinder, der mit 900 cm³ problemlos über 250 PS leisten könnte. Eine Überlegung, die offenbar auch die Techniker in München hatten, denn die Gerüchte um einen flotten Dreier verdichten sich. Für die Motorenentwicklung holte sich BMW den Partner Oral Engineering ins Boot, dessen Chef Mauro Forghieri früher für die Konstruktion der Formel 1-Motoren von Ferrari verantwortlich zeichnete. Zur Diskussion steht ein Reihenmotor, der analog zum F1-Triebwerk mit pneumatisch unterstützter Ventilsteuerung arbeitet und bei voller Ausschöpfung des Hubraumlimits mit rund 98 Millimeter Bohrung und 44 Millimeter Hub locker bis 17000/ min drehen kann. Wie so eine GP-Maschine aussehen könnte, zeigt die Zeichnung von MOTORRAD. Der Triple mit nach vorn gerichtetem Ansaugtrakt steht praktisch senkrecht im Leichtmetall-Brückenrahmen. Die Auspuffanlage führt ohne große Umwege platzsparend nach hinten. Mit der hauseigenen Telelever-Vorderradführung wird die MotoGP-BMW auf der Bremse nur schwer zu schlagen sein, lässt sich dadurch doch jeder gewünschte Bremsnickausgleich erreichen. Unter der Tankattrappe befindet sich die großvolumige Airbox mit dem Einspritzsystem, der Tank selbst ist unter dem Motor im weit nach hinten gezogenen Verkleidungskiel platziert.Neben diesem weitgehend konventionell aufgebauten Rennmotorrad machte sich MOTORRAD auch Gedanken über Alternativen: zum Beispiel ein V3 mit zwei nach vorn und einem nach hinten geneigten Zylinder. Vorteil: Neben einer günstigeren Gewichtsverteilung bietet dieses Konzept noch mehr Freiraum für ein enorm schlankes und kompaktes Rennmotorrad. Für hohe Leistung bereits im mittleren Drehzahlbereich könnte ein System mit getrennten Einlasskanälen pro Zylinder sorgen, bei dem der Zentralrechner die beiden Drosselklappen je nach Last und Drehzahl unabhängig voneinander öffnet. Ebenso lässt sich das Chassis deutlich revolutionärer gestalten. Warum nicht die Erfahrungen aus der Formel 1 nutzen und eine Konstruktion aus Kohlefaser verwenden? Schließlich käme heutzutage kein Formel 1-Konstrukteur mehr auf die Idee, Aluminiumprofile als tragende Fahrwerksstrukturen zu verwenden. Die Vorteile der unkonventionellen Lösung: Der Motor könnte die Lagerung des Längslenkers der Telelever-Vorderradaufhängung und der Schwinge aufnehmen, das Bauteil aus Kohlefaser die vorderen und den hinteren Zylinder stabilisierend verbinden, als obere Lagerung des Telelevers dienen und gleichzeitig als Airbox fungieren. Das eingesparte Gewicht von zirka fünf Kilogramm ließe sich dafür in ein renntaugliches ABS investieren.Und wenn schon bei der Formel 1 Ideen entlehnt werden, dann konsequent. Was Ralf Schuhmacher und Juan Pablo Montoya recht ist, kann den Zweiradartisten nur billig sein. So nehmen den Piloten in den inklusive Fahrer nur 600 Kilogramm schweren, ultrapotenten Rennern zahlreiche elektronische Helfer Aufgaben wie Kuppeln und Schalten mit Zwischengas oder Starten ohne durchdrehende Räder ab. Drive by Wire, Launchcontrol beim Start, Schlupfregelung sowie elektronische Steuerung des per Schaltwippe am Lenker aktivierten Siebenganggetriebes können bei dem permanenten exorbitanten Leistungsüberschuss für die entscheidenden Zehntelsekunden sorgen – bei Zwei- und Vierradpiloten. Gleichzeitig würde stets mehr als ausreichend Power zur Verfügung stehen für die von Fahrern und Zuschauern gleichermaßen geschätzten Powerslides mit dem Hinterrad. Fehlt als wesentliche Ergänzung zum jetzigen Zweirad-Paket nur noch ein Magier wie Valentino Rossi, der das entsprechende Talent besitzt, die nötigen Zeiten auf die Piste zu zaubern. Was mit weit über 200 PS am Hinterrad möglich ist, demonstriert der amtierende Weltmeister gerade in Suzuka. Solch überzeugende Vorstellungen sind bei BMW freilich noch Zukunftsmusik. Obwohl Prototypen bereits erste, streng geheime Testfahrten mit dem ehemaligen Grand-Prix-Fahrer Luca Cadalora auf den BMW-Versuchsgeländen im französischen Miramas und in Ismaning absolviert haben, fällt die definitive Entscheidung der Chefetage über einen Einsatz erst in den nächsten Wochen. So müssen sich alle Sportfans noch etwas gedulden und hoffen. Ein weiterer Hersteller wäre eine echte Bereicherung im Grand-Prix-Zirkus, und einen Imagegewinn auf dem supersportlichen Sektor könnte BMW durchaus vertragen.Wie groß die Wirkung sportlicher Erfolge ist, beweist nicht zuletzt die BMW-Historie. Hat doch die Teilnahme in der obersten Liga des Motorradrennsports bei den Weißblauen den Boxer unsterblich gemacht. Welcher alteingeschworene BMW-Fan träumt nicht noch heute von den legendären Königswellenboxern, obwohl deren Erfolge bereits einige Dekaden zurückliegen. 1938 wurde Schorsch Meier auf der Kompressor-BMW Europameister bei den 500ern, dem heutigen WM-Titel vergleichbar, und gewann 1939 das prestigeträchtigste Rennen der Welt, die Senior TT auf der Isle of Man. Und 1956 sorgte Walter Zeller in der 500er-WM auf dem RS-Königswellenboxer gegen die übermächtige Vierzylinderarmada aus Italien für Furore, verfehlte er den WM-Titel lediglich um zwei Punkte. Die MotoGP-BMW könnte folglich der Start zu einer neuen Legende sein. Und sie wäre eine ideales Objekt der Begierde für eine Klientel, die heute noch von einer R1, Fireblade oder GSX-R träumt.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote