BMW - Neuheiten 2013 BMW R 1200 R Lo Rider und R 1250 GS

BMW R 1200 R Lo Rider nähert sich endgültiger Gestalt, neue Fotos offenbaren Tankform, Scheinwerfer und Befestigung anders als früher, Fahrwerk teilweise als Alu-Monocoque ausgeführt, Auspuff klingt laut Fotograf anders als früher, weitere Fotos vom wassergekühlten Boxer.

Foto: bmh-images

Manchmal muss man ein wenig fälschen, um der Wahrheit noch ein Stück näherzukommen. MOTORRAD hat es getan und das Aufmachermotiv dieser Geschichte aus zwei Fotos „zusammennähen“ lassen. Den Teil von knapp oberhalb der Radachsen bis nach oben lieferte die sehr scharfe Aufnahme eines nur gering von Messtechnik verunstalteten Motorrads. Leider fuhr es hinter einer Leitplanke, sodass der untere Teil verdeckt war. Dort wäre zwar nichts zu sehen gewesen, was man nicht schon kennt, nämlich Schwinge und Kreuzspeichenräder einer aktuellen R 1200 R Classic, aber die Proportionen des neuen Boxermotorrads im klassischen Look wären nicht richtig wiedergegeben worden. Da half ein zweites Foto aus fast gleichem Blickwinkel, das aber nicht so scharf geraten war wie das informativere erste. Die Trennlinie zwischen den beiden Fototeilen ist noch immer leicht zu erkennen, doch der Gesamteindruck ziemlich authentisch. Auch im Bild ist ein Motorrad eben mehr als die Summe seiner Teile.

Gerade bei diesem Erlkönig ist es wichtig, dass die Fotos von ihm für sich selbst sprechen, denn sonst spricht nichts und niemand über ihn, zumindest nichts Eindeutiges und Habhaftes. Die eine Quelle bei BMW spricht vom Retro-Boxer, was plausibel erscheint, die andere vom Sportboxer, was ebenfalls Sinn ergibt. Möglicherweise meinen beide dasselbe Modell, vielleicht reden sie aber auch von zwei Varianten einer Basiskonstruktion. Denn die niedrige, schlicht und klassisch gestaltete Maschine besitzt Merkmale, die sowohl das eine, als auch das andere rechtfertigen. Speichenräder, obwohl es sich um Kreuzspeichenräder für zeitgemäße Schlauchlosreifen handelt, sprechen ebenso für den traditionellen Ansatz wie der Rundscheinwerfer oder der konsequente Verzicht auf Verkleidungsteile.

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Foto: bmh-images

Dennoch hätte man zu kurz gedacht, wenn man diese der Serienreife entgegenfahrende BMW in die Kategorie der Kawasaki W 800 oder Triumph Bonneville einordnen wollte. Eher gemütliche Motorräder, die Fahrdynamik nur in homöopathischen Dosen vermitteln und ertragen möchten. Denn dafür bräuchte der puristische Bayern-Boxer weder eine so stämmige Upside-down-Gabel, noch eine bissige Doppelscheibenbremse mit radial verschraubten Zangen, noch den Doppelnockenmotor mit 110 PS und so viel Druck, dass er kurvenausgangs selbst griffige Hinterreifen in Verlegenheit zu bringen vermag.

Eher als die oben genannten Motorräder taugt die Ducati Monster als Vergleich zu dem, was die Fotos zeigen. Sie verzichtet bis hinein in ihr Innerstes auf alles Überflüssige und ist gerade deshalb wunderbar wandlungsfähig. Die neue BMW, wie immer sie dann heißen wird, besitzt dieses Potenzial ebenfalls.

Dem Fotografen Bernhard Höhne, der auch schon die ersten Fotos der R 1200 R Lo Rider geliefert hat, ist aufgefallen, dass der Auspuffton der damaligen und jetzigen Prototypen ganz unterschiedlich ausfiel.

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Foto: bmh-images

Im Frühjahr klangen die Motoren deutlich tiefer und lauter als jetzt; sie trugen damals einen Endschalldämpfer, der zwar als Zubehörteil zu erkennen, aber nicht genau zu identifizieren war. Das spricht dafür, dass BMW ein Zubehörprogramm gleich mit entwickelt und damit von Anfang an viele Möglichkeiten bietet, das neue Motorrad in der -einen oder anderen Richtung zu personalisieren. Wie es die Studie Lo Rider Concept ja auch vorgeschlagen hat.

Seit die ersten wirklich scharfen Fotos der kommenden R 1250 GS mit wassergekühltem Motor in MOTORRAD 1/2012 erschienen, kennen Motorradinteressierte sie als eine Art Tarnkappenbomber mit einer großflächigen, bauchigen Plastikschale über -Airbox und Tank. Wer nicht so genau -hingesehen und flüchtig gelesen hat, ist womöglich auf die Idee kommen, dieses Designmonstrum hätte etwas mit der tatsächlichen Gestalt der späteren Serienmaschine zu tun. Dass dem nicht so ist, zeigt in aller Klarheit eine Ausschnittvergrößerung aus einem neueren Foto. Die Plastikwanne ragt linksseitig bis über die halbe Bauhöhe des Zylinderkopfs; das sieht so unorganisch aus, dass wohl niemand ein solches Teil ernsthaft in Serie verwenden würde. Die echten Formen zeichnen sich in manchen Bereichen zart darunter ab. Man meint sogar, die Stelle erkennen zu können, an der später das BMW-Logo sitzen wird.

Foto: boxing spy

Mit der Aufnahme, welche die neue GS von hinten zeigt, wird endgültig klar, dass die nächste GS-Generation einen breiteren Hinterreifen tragen wird. Im Fall der hier gezeigten Maschine handelt es sich um Pneus von Conti, doch auch ein Bridgestone-Sprecher hat bereits bestätigt, dass man sich mit breiteren Hinterreifen für Reiseenduros beschäftige. Dimensionen wollte er nicht nennen, die Reifenexperten der MOTORRAD-Redaktion schätzen jedoch anhand der Fotos, dass es sich um einen 170er auf einer fünf Zoll breiten und 17 Zoll hohen Felge handelt. Auch wirkt der Querschnitt vergleichsweise flach. Aktuelle Reiseenduros, sogar die leistungsstarken Honda Crosstourer und Triumph Tiger Explorer, rollen noch auf den klassenüblichen 150/70 R 17.

Lange dauert es nicht mehr, bis die Geheimnisse der neuen BMW-Modelle gelüftet werden. Vermutlich wird die GS mit Wasserboxer bereits Anfang Oktober auf der Intermot vorgestellt. Wie wäre es, vor dem Messepublikum die seitliche Plastikbadewanne abzunehmen?

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