8 Bilder

BMW-Neuheiten 2013 BMW Roadster / R 1200 RT / R 1200 GS Adventure

+++ Drei neue Boxermodelle bei geheimen Testfahrten erwischt +++ BMW Roadster kommt mit luftgekühltem Motor und Doppelauspuff +++ BMW R 1200 RT offensichtlich serienreif +++ viele Gleichteile mit der K-Baureihe +++ neue R 1200 GS Adventure für 2014 vorgesehen.

BMW lässt nicht locker. Wer dachte, dass den Münchenern nun langsam die Entwicklungspuste ausgehen würde, wird durch die auf den folgenden Seiten präsentierten MOTORRAD-Exklusivfotos eines Besseren belehrt. Drei geheime Prototypen gingen diversen Lesern ins Netz. Oder besser gesagt: vor die Linse. Drei Maschinen, die alle bis spätestens Ende 2014 auf den Markt kommen werden. Basierend auf den Fotos hat unser Bildbearbeitungskünstler Jean-Marie Guerin Bilder geschaffen, die den realen Maschinen recht nahekommen werden.

Am spannendsten ist dabei das neue nackte Retrobike, zumindest für die Fans traditioneller Boxer. Denn diese Maschine wird nach wie vor von einem luftgekühlten Motor angetrieben. MOTORRAD veröffentlichte schon einige Bilder dieses inzwischen bereits sehnlichst erwarteten Roadsters. Aber erst jetzt ging uns die vollständige Maschine von der Auspuffseite ins Netz. Unerwartet: BMW verbaut offensichtlich eine Doppeltopfanlage im Stile von Ducati Diavel oder einer Ducati Monster.

Anzeige

Die neue R 1200 RT kommt verkleideter denn je

Offensichtlich bemüht sich BMW um eine ziemlich emotionale Linie bei der 1200er. Puristen werden sich freuen: Hinter dem mächtigen Tank im Stil der frühen 70er-Jahre gelang die Maschine rank und schlank. Ein filigran gebautes Stahlrohr-Rahmenheck trägt eine eher dünn gepolsterte Sitzbank. Höchstwahrscheinlich besinnt sich BMW sogar darauf, dem Old-School-Bike eine normale Telegabel anstatt der BMW-Spezialität Telelever zu verpassen. Auf dem Erlkönigbild könnte eine Gabel des Supersportlers S 1000 RR verbaut sein. Dazu scheint auch der Rahmen zu passen, der anders aussieht als beim bisherigen Naked Bike R 1200 R. Vielleicht stand gar das Rahmenwerk der sportlichen GS-Version HP2 Pate. Den Sportfreunden wird das gefallen. Und die schönen Drahtspeichenräder sind heutzutage eh schon wieder richtig angesagt.

Krasser Gegensatz: Die neue R 1200 RT kommt verkleideter denn je. Leser Alfred J., dem die beiden BMW-Testfahrer in seinem wohlverdienten Urlaub entgegenkamen, erkannte sofort an den Proportionen, dass es sich bei den seltsam beklebten Maschinen um Erlkönige handeln musste. Schnell wendete er und folgte den beiden Fahrern bis zur nächsten Tankstelle. Die vier BMW-Mitarbeiter, beide Maschinen waren jeweils mit Fahrer und Sozia besetzt, machten gute Miene zum bösen Spiel.

Anzeige

RT mit 125 PS in der ersten Leistungsausbaustufe

Schnell wird getankt und eiligst davongezogen. Aber die Zeit reicht, eine kleine Fotoserie von den beiden Maschinen zu schießen. Und die eingehende Bildanalyse in der MOTORRAD-Bildbearbeitung ergibt einige Fakten. Ganz klar: In den beiden Maschinen werkelt der neue, wassergekühlte Boxermotor. Mit typischer Krümmerführung, Auspufftopf rechts und Kardanantrieb links. Die Verkleidung wurde auffällig weit geschnitten. Vor allem von vorne wirkt die RT ziemlich wuchtig, speziell im Lenkerbereich.

Die Verkleidungsscheibe ist in der Höhe verstellbar, und wie bei der K 1600 GT kommt ein adaptives Kurvenlicht optional zum Einsatz. Ebenfalls von der großen Sechszylinder-Schwester stammen die Instrumente und die Lenkerarmaturen mit dem Drehgriff links für die Menü-Bedienung ab. Kurvenlicht, Cockpit und Lenkerarmaturen gehören zum Besten, was heutzutage auf dem Markt zu finden ist. Warum also diese Baugruppen nicht auch bei den neuen Boxern einsetzen?

Mit 125 PS in der ersten Leistungsausbaustufe besitzt der neue Boxer genügend Reserven, um auch dieses mächtige Tourenschiff flott voranzutreiben. Und wenn die neue RT nur ansatzweise so behände durch die Kurven schwingt, wie es die neue GS im Vergleich zur alten macht, dann wird die RT ein neues Kapitel in Sachen Fahrfreude aufschlagen können. Und für perfekten Wetterschutz scheint ebenfalls gesorgt zu sein, sogar unter die Zylinder wurde die Verkleidung geführt, so werden die Fahrerfüße gut geschützt.

Die R 1200 GS Adventure kommt wohl erst 2014

Die dritte neue Boxermaschine taugt ebenfalls für die große Fernreise, allerdings mit deutlich sportlicherem Ansatz. Die R 1200 GS Adventure trägt Grobstolliges auf den schmalen Speichenrädern. Und einen richtig dicken Tank für enorme Reichweite. Die robuste Abenteuerversion der neuen GS folgt der Logik der bisherigen GS-Baureihe. Etwas mehr Federweg, ein robustes Gepäcksystem und eine speziell gepolsterte Sitzbank. Das hintere Sitzbankteil kann dabei abgenommen werden. Darunter befindet sich dann ein belastbarer Gepäckträger. Martialisch wirkende Sturzbügel sollen die Adventure bei gröberen Einschlägen schützen. Die Offroad-Tauglichkeit des dicken Stollentiers wird trotzdem ziemlich beschränkt sein. Dazu wiegt sie mit guten 260 Kilogramm auch zu viel.

Die neue Adventure wird ebenfalls von dem zunächst 125 PS starken Wasserboxer angetrieben. Wie die hochbeinige Maschine dieses Leistungsangebot wegstecken wird, bleibt spannend. Erfahren wird es die Weltöffentlichkeit wohl erst nächstes Jahr. Denn die beiden anderen hier vorgestellten Boxer kommen zuerst.

Foto: Reis
BMW R 1200 GS Adventure. Vor allem in Südeuropa laufen Adventure-Modelle wie geschnitten Brot. Man steht eben auf riesige Reiseenduros, ähnlich wie auf dicke SUVs. Da wird sich BMW nicht lumpen lassen und schon bald eine bullige Adventure-Version mit großem Tank und mehr Federweg anbieten.
BMW R 1200 GS Adventure. Vor allem in Südeuropa laufen Adventure-Modelle wie geschnitten Brot. Man steht eben auf riesige Reiseenduros, ähnlich wie auf dicke SUVs. Da wird sich BMW nicht lumpen lassen und schon bald eine bullige Adventure-Version mit großem Tank und mehr Federweg anbieten.

Große Stückzahlen in globalem Markt

BMW bleibt also auf dem Entwicklungsgaspedal. Man darf gespannt sein, in welchen Versionen der neue Boxerantrieb noch zu sehen sein wird. Im Laufe der nächsten Jahre könnte man sich auch wieder eine ziemlich sportliche Version mit Boxermotor vorstellen. Denn der topmoderne Zweizylinder bietet nicht nur genügend Fleisch um die Zylinder, um im Hubraum noch zuzulegen, sondern auch in den Zylinderköpfen noch genügend Bauraum, um beispielsweise variable Steuerzeiten zu realisieren.

Diese bei den BMW-Automotoren schon lange Jahre erprobte Technik steigert das Drehmoment und senkt den Verbrauch. Aber dazu ist noch mindestens zwei Jahre Zeit.

Auf die Tube wird BMW im unteren Hubraumsegment drücken. Die gerade geschlossene Kooperation mit dem indischen Motorradhersteller TVS Motor Company ist ein bedeutender Schritt für BMW. Jetzt wird auch klar, warum man sich so Knall auf Fall von Husqvarna trennte. Man strebt nach großen Stückzahlen in einem globalen Markt. Husqvarna mit all seinen Problemen wäre da nur ein Klotz am Bein gewesen.

Alle Motorrad-Neuheiten für 2014 auf einen Blick

Alle Motorrad-Neuheiten 2013 in der Übersicht

Foto: Reis
BMW schließt Kooperationsvertrag mit indischem Hersteller. Quelle: Youtube.
BMW schließt Kooperationsvertrag mit indischem Hersteller. Quelle: Youtube.

Global Player

Statt sich weiterhin erfolglos mit der Wiederbelebung von Husqvarna abzugeben, setzt BMW nun auf eine Kooperation mit dem indischen Hersteller TVS Motor Company. Damit wollen die Münchener endgültig zum Global Player im Motorradsektor werden.

Man konnte TVS-Chef Venu Srinivasan den Stolz anmerken, der ihn erfüllte, als er zum Rednerpult eilte. In perfektem Englisch lobte er BMW, um dann schnell auf die Vorzüge und Qualitäten seiner Produkte einzugehen. Zuvor hatte BMW Motorrad-Präsident Stephan Schaller den versammelten indischen Journalisten Ähnliches für sein Haus vorgetragen, in weniger perfektem Englisch, aber dafür umso nachdrücklicher.

Kein Zweifel: BMW braucht nach der Husqvarna-Pleite endlich wieder eine Erfolgsgeschichte. Sang- und klanglos mussten die Bayern den oberitalienischen Traditionsbetrieb veräußern, die nötigen Investments hätten zu sehr auf die Bilanzen gedrückt. Die Kooperation mit der TVS Motor Company soll sie nun wieder auf die Erfolgsspur bringen. Die Partnerschaft scheint auf den ersten Blick klug gewählt: TVS gehört zu den drei großen indischen Zwei- und Dreiradherstellern. Ein Blick auf die Firmen-Homepage zeigt eine Menge von Rollern, Kleinmotorrädern und kleineren Nutzfahrzeugen. Proper gemacht und qualitativ nach dem ersten Augenschein auch ganz ordentlich. Für den europäischen Markt würden die TVS-Modelle kaum passen. Aber das ist auch wohl kaum das Ziel der Kooperation. Zusammen möchte man neue Fahrzeuge entwickeln und auf den Markt bringen, so die Aussagen der beiden Topmanager.

KTM macht das Geschäft mit den kleinen vor

Ein kluger Plan. BMW könnte dann endlich kleinere Hubraumklassen bedienen. Motorräder und Roller bauen lassen, die günstig in Fernost produziert, dafür mit ordentlichem Gewinn unter der Marke BMW in Europa und anderen Märkten verkauft werden. Ganz so, wie es gerade KTM mit der Hilfe von Miteigentümer Bajaj vormacht.

TVS hingegen könnte mithilfe von BMW-Technik bessere Maschinen bauen. Und in den jungen Märkten sicher auch vom Imagegewinn durch BMW profitieren. Und dazu natürlich noch an jeder bei TVS produzierten BMW verdienen. Win-win-Situation nennt man das auf Neudeutsch, beide Kooperationspartner gewinnen durch die Zusammenarbeit.

Beide hatten bereits erfolgreiche Kooperationen

Beide Partner können mit erfolgreichen Kooperationen in ihrer Historie aufwarten. BMW ließ lange Jahre Einzylinder-Modelle bei Aprilia bauen. Die ersten F 650 GS gelten unter Kennern als unkaputtbar. Motoren lassen die Münchener bei Rotax in Österreich oder Loncin in China bauen. Heute kräht kaum noch ein Hahn danach.

TVS kooperierte 19 Jahre lang mit Suzuki, bevor man sich 2001 heftig über die zukünftige Marschrichtung in die Wolle kriegte. Es folgte eine ziemlich schwierige Phase, aber TVS-Boss Srinivasan schuf binnen weniger Jahre eine extrem erfolgreiche Firma.

Die Inder sind erfolgreich: TVS meldete 185 Millionen Euro Gewinn für 2012

Wie erfolgreich die Inder sind, zeigt ein Blick auf die Zahlen von 2012: Mit etwa 1,1 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete die TVS Motor Company etwa 185 Millionen Euro Gewinn. Eine Traumrendite. BMW Motorrad erwirtschaftete mit 1,49 Milliarden Euro Umsatz hingegen nur kümmerliche sechs Millionen Euro. Da bestand Handlungsbedarf.

Man darf gespannt sein, welche Maschinen die beiden Hersteller nun entwickeln werden. Für den deutschen Markt wünscht man sich schon lange eine preiswerte 125er für die 16-Jährigen und günstige Einsteigermaschinen für die neue 48-PS-Klasse.

Konkurrent KTM macht gerade vor, wie solche Maschinen aussehen können: Die in Indien produzierte KTM 390 Duke kommt im MOTORRAD-Fahrbericht gut an (siehe Seite 42). Sollten sich die neuen Maschinen gut verkaufen, so wäre das für die kraftstrotzenden Inder jedenfalls kein Problem. Im Februar baute die TVS Motor Company 165000 Maschinen. Viele Tausend mehr als BMW im ganzen Jahr 2012!

Alle Motorrad-Neuheiten für 2014 auf einen Blick

Alle Motorrad-Neuheiten 2013 in der Übersicht

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel