BMW R 1100 RS (Archivversion)

Baujahr 1995, aktueller Kilometerstand: 93100, gefahren: 13900 Kilometer

Wenn es noch eines Beweises bedarf, dass Motorradfahrer oft starke Bindungen zu ihrem Gefährt entwickeln, dann sei folgende Begebenheit erwähnt: Als der Erstbesitzer unserer BMW von seiner Schwägerin erfuhr, dass sie das Motorrad an die Redaktion seines Leib-und-Magen-Magazins verkauft hat, wollte er es nicht glauben. Während eines persönlichen Besuchs bei MOTORRAD konnte er sich davon überzeugen, dass es sich tatsächlich um seine Ex-BMW handelt. Darauf war die Freude eine große. Ganz unsererseits, lieber Ralf, denn der blaue Bock hat sich hervorragend geschlagen. Doch lies selbst.

Während in absteigender Reihenfolge Triumph, Honda und Suzuki nur mittels mehr oder weniger umfangreicher Renovierungen die Saison überstanden, blieb die BMW von technischen Gebrechen verschont. So wuchs ihr Tachostand aufgrund fehlender Standzeiten am schnellsten, mit rund 14000 problemlos gefahrenen Kilometern führt die Bajuwarin die Hitliste an. Wobei auch sie nicht ganz frei von Mängeln war: So musste immerhin eine Rücklichtlampe ersetzt und die hinteren Blinkergläser, da sie fürchterlich rappelten, mit Tape fixiert werden. Und das ABS ließ sich nur mit Tricks zum Arbeiten hinreißen (siehe auch Tipps für Käufer).

Trotz Koffern, Heizgriffen und gutem Windschutz wurde die R 1100 RS selten für die ganz große Fahrt genutzt. Dafür umso öfter für die mittelgroße 400- bis 500-Kilometer-Runde am Wochenende, wo sie von der besten aller Sozias großes Lob ob des Komforts einheimste. So sah die BMW in dieser Saison nur einmal die Alpen – Allgäu, Bodensee, Eifel, Hunsrück und Schwarzwald dafür umso öfter. Längere Strecken bieten sich mit der RS ohnehin an, da es immer ein paar Kilometer dauert, bis man sich an das aufgrund Telelever und gummigelagertem Lenker recht eigentümliche Fahrverhalten gewöhnt hat.

Das schon beim Kauf eingebaute Technoflex-Fahrwerk erledigt seinen Job mit gesunder Härte und nicht übertrieben komfortabel. Die Sitzposition ist durch einstellbare Lenkerhälften individuell anpassbar, wobei von dieser Möglichkeit niemand Gebrauch machte. Das vordere Sitzkissen, dreifach in der Höhe verstellbar, ist durchgesessen und vermittelt das unangenehme Gefühl voller Hosen. Davon abgesehen fallen die Beurteilungen im Fahrtenbuch durchweg positiv aus, ein Kollege (Name der Redaktion bekannt) stellte sogar fest, dass ihm die BMW nicht nur gefällt, sondern er sie obendrein auch richtig gut findet, und machte sich darob Sorgen über sein Alter. Keine Sorge, lieber Kollege, die BMW ist auch heute noch ein richtig guter Tourensportler, der auf der Land-traße erst einmal überholt werden will.

Der kurz nach dem Kauf montierte Satz Continental Road Attack half dem Fahrverhalten deutlich auf die Sprünge. Ansonsten waren außer Tanken und gelegentlichem Ölnachfüllen nach langen, schnellen Autobahnetappen keine Ausgaben nötig. In puncto Zuverlässigkeit und Stressfreiheit war die R 1100 RS in diesem Quartett wohl der beste Kauf. Trotzdem wollte der Funke nicht auf den Autor überspringen. Funktionalität ist beim Kradeln halt doch nicht alles.

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