BMW R 1100 RS (VT) (Archivversion)

Erik Buell, Konstrukteur und Harley-Liebhaber, räumt mit der Legende vom trägen V2 gründlich auf.

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten laufen die Dinge manchmal anders. Da hängt man gerne, mangels derselben, jedem Stückchen Tradition nach. Deshalb fuhren und fahren amerikanische Rennfahrer mit Vorliebe auf amerikanischen Maschinen. Und weil die Auswahl nicht eben reichlich ausfällt, wurden und werden die Rennen auf amerikanischen Harleys bestritten. Obwohl die Basis alles andere als sportlich ist, haben Tuner und Mechaniker den dicken V2 in schlanke Rahmen verschnürt, ordentlich aufgeblasen - und fertig war das Rennmotorrad.Um den Sportsgeist auf die Straße zu tragen, schmiedete Ex-Rennfahrer Erik Buell 1987 sein erstes straßentaugliches Sportgerät mit dem XR 1000-Motor. Zwei Jahre später brummte die Buell RR 1200 mit Evolution-Motor durch das Werksgelände in East Troy/Wisconsin. Fortan werkte Erik Buell an immer neuen Maschinen in gewagtem Design. Bis 1993 unter einer 49prozentigen Beteiligung des Harley-Stammwerks die Buell Motorcycle Company installiert wurde. Vertrieb und Marketing übernahmen die Harley-Manager, Entwicklung und Produktplanung dagegen unterstehen Buell.Insgesamt vier Modelle vertreiben die autorisierten Buell-Händler mittlerweile, von der aggressiven S1 Lightning bis zur kofferbewehrten S3T Thundebolt Touring. Die Grundkonstruktion des Rahmens mit dem »schwimmend« gelagerten 1200er Motor ist nicht unumstritten. Zum einen, weil die Dimensionierung der Rahmenrohre sehr dürftig scheint, zum anderen weil die Umkehr der Federbeinfunktion - der Stoßdämpfer wird beim Einfedern nicht zusammengedrückt sondern auseinandergezogen - eine komplett neue Dämpferkonstruktion erfordert hätte.Nichtsdestotrotz bringt das Konzept von schubstarkem Motor und witzigem Design endlich Leben und Bewegung in die eindimensionale Harley-Philosophie. wk

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