Neu: BMW R 1250 GS LC Die wassergekühlte Boxer-BMW

Neue wassergekühlte Boxer-BMW. Weltexklusive Bilder von der neuen Generation. Start der neuen Boxer-Baureihe mit der GS - Getriebe, Kardan, Fahrwerk, Ausstattung komplett neu!

Alles anders! Der erste Schnappschuss der neuen Boxergeneration zeigt: Es bleibt kein Stein auf dem anderen. Neuer, wassergekühlter Boxermotor mit senkrecht stehenden Einlässen und nach unten mündenden Auspuffkrümmern, Kardan-antrieb wie bei den K-Modellen jetzt auf der linken Seite, der Auspuff dafür nun rechts. Die Wasserkühler verstecken sich hinter einer dunkel getarnten Verkleidungshaube. Der Luftfilterkasten wandert nun direkt hinter den Steuerkopf, wie bei einem Supersportler.

Für diese Ausgabe von MOTORRAD hat er wieder zugeschlagen, der Neuheiten-Paparazzo. Und das gleich mit dem Nachfolger eines der wichtigsten Motorräder der letzten Jahre, der BMW R 1200 GS. Wer bisher noch gezweifelt hat, hier ist der endgültige Beweis: Die nächste Boxergeneration wird wassergekühlt sein. BMW geht also einen mutigen Schritt in Richtung Zukunft und verlässt auch beim Boxer den Pfad der luftgekühlten Tugend. Ob das die Zehntausende GS-Fans wollen? Gehört die GS nicht zuletzt deswegen zu den meistverkauften Motorrädern der letzten zehn Jahre, weil sie gerade diesen krachledernen Charme eines simplen und einfachen Motors besitzt, wie ihn nur kühlrippenbewehrte Zylinder und Köpfe zelebrieren können. Diesen Ruf des Unkaputtbaren und immer wieder leicht Reparierbaren, den wird sie nun endgültig ablegen.

Immerhin geht die „alte“ GS noch ein Jahr in die Verlängerung, die wassergekühlte kommt zum Modelljahr 2013 auf den Markt, also erst in gut 18 Monaten. Warum setzt BMW auf Wasserkühlung? Gründe gibt es genug. Bessere Leistungs- und Abgaswerte stehen bestimmt ganz oben im Lastenheft. Mit der 150 PS starken Ducati Multistrada und der nächstes Jahr auf den Markt kommenden Triumph Tiger 1200 erwachsen der GS inzwischen echte Konkurrenten. In Italien beispielsweise ist die Multistrada auf Platz zwei der Zulassungsstatistik und der GS auf den Fersen. Und die Tiger wird mit Kardanantrieb und starkem Dreizylinder sicher ein ernstes Wörtchen um die Käufergunst mitreden wollen. Dabei möchten die BMW-Leute gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Der neue Motor soll auch güns-tiger werden. Er wird deutlich kompakter und endlich mit Nasskupplung und integriertem Getriebe kommen. Das vereinfacht Montage, verringert die Zahl der Bauteile. Montagezeit, Lagerhaltung, Ersatzteile, alles wird dadurch günstiger für den Hersteller.

Für die späteren Kunden wichtig: Der nun viel kompaktere und kürzere Motor erlaubt eine längere Schwinge oder auch einen kürzeren Radstand. Die Fahrwerksbauer jedenfalls werden sich über den neuen Antriebsblock freuen, die neue GS kann nochmals deutlich handlicher und trotzdem fahrstabiler abgestimmt werden.

Welche Leistung und wie viel Hubraum sind zu erwarten? Zunächst wird man sich bei BMW nicht sehr weit vom bisherigen Hubraum entfernen. Um die 1250 cm3 werden in einer ersten Baustufe angestrebt. Damit sind relativ leicht 130 PS bei gutem Drehmomentverlauf zu realisieren. Wie viel der hier erwischte Prototyp in sich birgt, ist nur zu erraten. Die relativ geringen Ansaug- und Abgasquerschnitte an der Drosselklappe und dem Auspuffkrümmer lassen auf eine drehmomentorientierte Abstimmung schließen. Mit den von MOTORRAD prognostizierten 125 PS wird man also nicht so falsch liegen.

Der schon in den jetzigen Boxern verbaute Doppelnocken-Vierventilkopf kann Drehzahlen bis knapp 10 000/min vertragen, womit die Leistung in späteren Ausbaustufen nochmals deutlich angehoben werden kann. Erst über 150 PS dürfte für diesen Motor langsam Schluss sein, genug, um auch die verwöhntesten Zeitgenossen zu überzeugen.

Wie immer wird BMW auch mit der neuen Boxergeneration ein Baukastensystem aufbauen. Vom Naked Bike über einen großen Reisedampfer bis zum Sportler sind hier viele Türen offen. Speziell eine kernige Sportversion vom Schlage einer HP2 Sport könnte Boxerfreunde begeistern. Möglichkeiten gibt es sicher viele und vor allem viel mehr als mit dem alten Luftgekühlten. Der ist eben inzwischen leistungsmäßig am Ende angelangt. Das Motto für die Zukunft heißt also bei BMW: Wasser, marsch!

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Foto: Bernhard

Auspuff-Endtopf:
Der neue Auspufftopf befindet sich nun rechts und wird sehr schmal ausgeführt. Zwei Auslassöffnungen werden von einem leistungsfördernden Klappensystem bedient. Das leicht kantige Design beschreitet einen neuen optischen Weg und spart Baubreite für den rechten Koffer.

Kardanantrieb links:
Wie schon bei den K-Modellen befindet sich der Schwingenarm mit integriertem Kardanantrieb jetzt links. Die obere Gelenkstrebe verrät: Auch der neue Wasserboxer wird eine Momentabstützung zur Minderung der Antriebseinflüsse besitzen.

Rahmenheck:
Das Rahmenheck gleicht nur auf den ersten Blick dem alten. Interessanterweise ist es aber nun abschraubbar und somit vom hinteren Hauptrahmen trennbar. Vorteil: günstigere Reparatur im Sturzfall, mehrere Varianten möglich, ohne den ganzen Rahmen ändern zu müssen.

Instrumente:
Zukünftige Wasser-GS-Fahrer dürfen sich auf schicke Instrumente freuen. Hübsch gestalteter Rundtacho, darüber sitzt der kleine Drehzahlmesser. Cockpit-Highlight: Wie schon bei der K 1600 GT wird ein zusätzliches farbiges TFT-Display alle möglichen Funktionen erfüllen können. Zusätzlich wird noch ein Navigationsgerät zu haben sein.

Kühler:
Der endgültige Beweis: Unter der Verkleidung lugt ein Wasserkühler mit Gebläsemotor hervor. Dabei werden die Kühler etwas ungewöhnlich nach hinten gekippt montiert. Hier spielen sicher die an dieser Stelle beengten Platzverhältnisse eine Rolle. Man will ja nicht, dass die Maschine viel zu breit baut. Die Unterseite des Schnabels dient dabei als aerodynamische Hilfe für eine gute Kühlluftanströmung.

Bremse:
Filigranes Kunstwerk: Auch an den Bremsen wird wohl nicht gespart. Die nächste GS-Generation erhält vorne nun standesgemäße radial angeschlagene Vierkolbenbremszangen. Das bedingt neue Tauchrohre an dem BMW-Telelever. Serie: ABS-System, natürlich auch beim zukünftigen Wasserboxer.

Blick in den Motor:
Die MOTORRAD-Zeichnung von Stefan Kraft aus Ausgabe 9/2011 war weitgehend richtig: Zwei obenliegende Nockenwellen pro Zylinder, Nasskupplung über dem Getriebe, nur noch ein gemeinsames Gehäuse für die gesamte Antriebseinheit. Lichtmaschine und Wasserpumpe liegen wohl vorne vor dem Kurbelgehäuse, Sechsganggetriebe mit üblicher Klauenschaltung.

Neuer Boxermotor:
Nach all den Jahren waagerechter Gasführung erhält der neue Boxer nun sein Gemisch von oben. Die Drosselklappen liegen senkrecht über den Zylinderköpfen, die Krümmer führen senkrecht nach unten und deuten den alten Schwung nur noch dezent an. Die guten thermischen Bedingungen erlauben trotz höherer Leistung den Betrieb mit einer Zündkerze pro Brennraum.

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