BMW R 80 GS Basic Bj. 1996, BMW R 1200 GS (VT: alt gegen neu) (Archivversion)

Reiseexperte Herbert
Schwarz, 43, ist Gründer der Touratech AG. Er hat über
eine halbe Million Kilometer
mit allen BMW-GS-Modellen
auf fünf Kontinenten ab-
gespult. Die neue 1200er
ist für ihn erste Wahl

80 Oktan – oder besser gleich Wodka?
Trotz des moderaten Verdichtungsverhältnisses von 8,2:1 sollte der 800er-Motor nicht mit Benzin unter 90
Oktan konfrontiert werden.
Geeignete Maßnahmen, wie die Verwendung von zwei Kopfdichtungen oder die vergleichsweise einfache Verschiebung des Zündzeitpunkts »in Richtung spät«, lassen die R 80 GS jedoch auch Benzin bis 80 Oktan verkraften. Die
R 1200 GS ist pro Zylinder mit zwei Zündkerzen für optimale Verbrennung sowie je einem Klopfsensor ausgerüstet, der die Zündung im vorgegebenen Rahmen selbstständig an den jeweiligen Kraftstoff anpasst. Trotz 80-oktanigen Sprits und der hohen Verdichtung von 11,0:1 gab es während einer Bolivien-Expedition keinerlei Probleme oder Motorklingeln an der R 1200 GS.
Auf Fernreisen: Vergaser besser als Benzineinspritzung?
Sicherlich sind die Vergaser an der R 80 GS ein-
facher aufgebaut, technisch überschaubarer und im Defektfall garantiert durch Improvisation wieder notdürftig zu reparieren. Allerdings sind sie auch wesentlich störanfälliger als die seit Jahren bewährte elektronische Benzineinspritzung an den GS-Modellen. Schwachpunkt an der 1200er-GS ist das bei Geländeein-
sätzen gefährdete Drossel-
klappen-Potentiometer. Ich rate dazu, ein solches Bauteil – Kostenpunkt 43,30 Euro – als Ersatz mitzuführen.
Stehen bleiben mit Batteriedefekt bedeutet Endstation?
Bei der R 1200 GS leider ja. Ohne Batterie besteht keinerlei Chance, das Motorrad zu starten. Auch Anschieben ist nutzlos. Sowohl Einspritzung als auch die vielen elektronischen Helferlein wie der Bremskraftverstärker benötigen konstanten Strom. Die R 80 GS hingegen kann angeschoben werden. Allerdings braucht die Lichtmaschine einen Erregerstrom von mindestens neun Volt, etwa sechs hintereinander geschaltete 1,5-Volt-Batterien, um anzulaufen.
Schlüssel unterwegs verloren heißt...
...definitiv das Aus
für die R 1200 GS. Die Kodierung im Zündschlüssel deakti-
viert die Wegfahrsperre. Ohne Schlüssel oder bei defektem Zündschloss ist die 1200er zum Stehen verdammt. Die R 80 GS kann kurzgeschlossen werden.
Fünftausender – Höhen- oder Höllentrip?
Eigene Tests in den Anden bescheinigen dem 1200er-Motor auch über 5000 Höhenmeter und bei Minusgraden perfektes Rundlauf- und Startverhalten sowie gute Gasannahme. Die Vergaser der R 80 GS sollten per Gemischregulierschraube oder sogar durch den Austausch von Düsen an die veränderten Sauerstoffverhältnisse angepasst werden.
Sturz – Loch im Tank. Was dann?
Der Stahltank der 800er kann mit Flüssigmetall provisorisch geflickt und bei
der nächsten Gelegenheit geschweißt werden. Der Plastiktank der 1200er besteht aus Polyäthylen. Da hilft handelsübliches Silicon. Selbst größere Risse können mit Silicon, Blechstreifen und -schrauben dauerhaft gedichtet werden.
Was passiert bei de-
fekten Bremskraftverstärkern der 1200er?
Die Bremsleistung ohne elektrische Verstärkung entspricht etwa der der 800er. Allerdings ist eine enorm hohe Handkraft erforderlich.
Reparaturen unterwegs sind unmöglich?
Mit leicht erweitertem Bordwerkzeug und technischer Begabung können bei beiden Modellen unterwegs die Kardanwelle oder Kupplung getauscht, Ventile eingestellt oder Plattfüße geflickt werden. Bedingung für Letzteres ist die Verwendung von Schläuchen in den Schlauchlosreifen der 1200er. Den meisten elektrischen Problemen kommt man bei ihr allerdings nur mit dem Diagnosegerät auf die Spur. Kosten: rund 12000 Euro. Nur für Werkstätten erhältlich.

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