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Neuheiten 2016: BMW Scrambler auf R nineT-Basis.

BMW Scrambler im Grobianlook R nineT als technische Basis?

BMW wird nicht tatenlos zusehen, wie Ducati & Co. die aktuelle Scrambler-Welle absurfen. Ein luftgekühlter Scrambler-Boxer im lässigen Grobianlook scheint nur noch eine Frage der Zeit. BMW-Chef Stephan Schaller kündigte ihn im Interview bereits an. Technische Basis: die erfolgreiche BMW R nineT.

Es war eine weise Entscheidung, den luftgekühlten Boxermotor der erfolgreichen R 1200-Reihe nicht sterben zu lassen. Weltweit fast 9000-mal verkaufte sich 2014 die Retro-Queen R nineT und übertraf damit alle Erwartungen. Und das trotz eines saftigen Preises von mindes­tens 14 700 Euro. Zur Überraschung vieler Strategen kam der Ansatz, ein puristisches, aber qualitativ hochwertiges Motorrad zu bauen, extrem gut an.

Schon seit einiger Zeit verzichten immer mehr Motorradfahrer auf überlegene Performance, wenn dafür Image und Optik stimmen. Auch faszinieren nach wie vor Maschinen, die ehrlich, luftgekühlt, klassisch telebegabelt und elektronisch höchs­tens basisausgestattet sind. Vielleicht sogar mehr als jemals zuvor in den letzten 20 Jahren. Da kam die R nineT gerade recht. Sozusagen als internes BMW-Gegengewicht zu den Hightech-Wasserboxern mit Vollelektronik und Hyperfahrdynamik.

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Weitere Versionen ohne zu hohe Entwicklungskosten

Nur logisch, dass BMW wohl noch dieses Jahr mit weiteren Versionen dieser modernen Klassikerin auf den Markt kommen möchte. BMW-Chef Stephan Schaller kündig­te dies bereits im MOTORRAD-Interview (Ausgabe 9/2015) an. Dank BMW-typischem Baukastensystem können solche Versionen auch ohne all zu hohe Entwicklungskosten auf den Markt gebracht werden. Denn die beiden teuersten Teile, Antriebseinheit und Rahmen, können vielfältig eingesetzt werden. Man konfektioniert einen neuen Tank, eine andere Telegabel, Räder und Reifen – und schon wirkt die R nineT ganz anders. Wenn dann noch minimalistische Sitzbank und hochverlegte Auspuffanlage dazukommen, geht die Angelegenheit schon in die richtige Richtung.

Aber was wäre ein Scrambler ohne ­dicke Stollenreifen? Auch dieses Problem lässt sich bequem lösen, Alternativen gibt es im Metzeler-, Pirelli- oder auch Heidenau-Regal. Faltenbälge an den Gabel­holmen dürfen bei einem modernen Scrambler genauso wenig fehlen wie kernige gezackte Geländefußrasten. Und ein breiter, hoher Lenker ist ebenfalls Pflicht.

Für den MOTORRAD-Computerretuscheur Kar Lee war es jedenfalls keine große Aufgabe, aus einer R nineT mithilfe einiger neu gebastelten Teile diesen wirklich schicken BMW-Scrambler zu bauen.

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Preis unterhalb 12.000 Euro durchaus realistisch

Wo will BMW den Scrambler preislich ansiedeln? Sicher wird man in München beim Blick auf den Megaerfolg der Ducati Scrambler die Augenbrauen hochgezogen haben. Zu eben derer brillanten Marketingstrategie passt auch der günstige Einstiegspreis von 8390 Euro für das Basismodell. Ganz so günstig werden es die BMW-Leute­ aber gewiss nicht machen können. Dazu kosten der Motor und die aufwendige Hinterradführung mit Paralever und Einarmschwinge einfach zu viel. Aber mit güns­tigen Rädern, simplem Stahl- oder gar Kunststofftank und einfachen Feder­elemen­ten kann ein Preis unterhalb der Marke von 12000 Euro als durchaus realistisch ange­sehen werden.

Man darf gespannt sein, wie der Scrambler dann in Wirklichkeit aussieht. Wenn alles stimmt, wird er sicher eine Menge GS-Fans zum Nachdenken bringen. Niedrigere Sitzposition, relaxterer Anspruch und der im Drehzahlkeller satt anziehende Motor könnten vielleicht sogar mehr Freunde finden, als es BMW lieb ist. In der Markenkommunikation haben die Münchner jedenfalls schon einen deutlichen Fingerzeig auf das gegeben, was kommt.

„Make Life a Ride“ heißt die neue Richtung bei BMW, ein emotionales Bekenntnis zum Motorradfahren. Klar ist, dass damit noch eine Menge weiterer Retro-Modelle in den Startlöchern stehen. Oder BMW bietet homologierte Umbauteile an. Dann kann sich der geneigte Biker je nach aktuellem Zeitgeist seinen Scrambler in einen Café Racer oder gar in eine Enduro verwandeln. Diese Idee präsentierte BMW übrigens schon vor einigen Jahren. Mit der visionä­ren Studie LoRider.

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