Cannondale-Crosser Motor-Rad

Bisher baute Cannondale ausschließlich Fahrräder. Nun wagen sich die Amerikaner an motorisierte Zweiräder ran, die ersten Prototypen des neuen Viertakters laufen bereits.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, das Foto oben zeigt nicht den neuen Viertakt-Crosser von Honda, sondern das motorisierte Erstlingswerk des Mountain Bike-Spezialisten Cannondale. Ein Motorrad aus der Fahrrad-Fabrik? Ungewöhnlich, aber bei näherem Betrachten kaum überraschend. Denn die gefederten Downhill-Renner erinnern stark an kleine Off Road-Motorräder, fehlt im Prinzip nur der Motor. Die Experimentierfreude der Bike-Szene hat schon zu allen möglichen ernsthaften oder kuriosen Zweirad-Konstruktionen geführt. Frischer Wind, der den Motorradbereich beleben könnte.
Davon ist beim Cannondale-Motorrad jedoch wenig zu spüren, es wirkt kaum revolutionär. Nur bei der Hinterradfederung erproben die Amis zur Zeit eine elektronische Steuerung des Zentralfederbeins, die bis zum Serienanlauf im Frühjahr 1999 ausgereift sein soll. Das Zentralfederbein ist direkt auf der Alu-Schwinge angelenkt, ATK und KTM haben diese Lösung bereits vorexerziert. Massiv gebaut ist der Alu-Rahmen im Deltabox-Design der CR-Honda, dessen Unterzüge wie auch das Rahmenheck angeschraubt sind. »Torsionssteifigkeit war oberstes Ziel, das gilt für Fahrräder wie Motorräder«, lautet das Credo der Cannondale-Techniker.
Beim Antrieb verlassen sich die Fahrrad-Spezialisten auf Motorrad-Spezialisten. Der Motor ist in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Konstruktionsbüro Folan entstanden, dessen Inhaber Lars Nilsson bereits die Viertakt-Singles von Husqvarna und Husaberg mitentwickelte. Die Eckdaten: 400 cm³ Hubraum, zwei obenliegende Nockenwellen, Trockensumpfschmierung mit Ölpumpe, Ausgleichswelle mit angeflanschter Wasserpumpe, Sechsganggetriebe. Die Versuchsmotoren lieferten noch die Schweden, Serienmotoren sollen später in den USA entstehen.
Die Ansprüche an das neue Motorrad, das auch als Enduro kommen soll, sind hoch, den Maßstab setzt dabei Yamahas Viertakter YZ 400 F: Leichter (107 Kilogramm werden angepeilt), mehr Leistung und niedrigere Sitzhöhe, so lauten Etappenziele. Daß der Zeitplan eingehalten wird, dafür sorgen zur Zeit Profi-Tester wie Mike Guerra, Ex-Crosser und Sechster der 250er Cross-Weltmeisterschaft 1981 und 1982. Bereits im Frühjahr 1999 will Cannondale Serien-Maschinen ausliefern - und das meinen die Radprofis wirklich ernst.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote