2010 MV Agusta F4: Nach guter MV-Tradition ist die neue F4 das Resultat eines enormen konstruktiven Aufwands.

Claudio Castiglioni kauft MV Agusta zurück Harley-Davidson findet Käufer für italienische Nobelmarke

Für angeblich drei Euro hat Claudio Castiglioni, früherer Besitzer der italienischen Nobelmarke MV Agusta, die Firma von Harley-Davidson wieder zurückgekauft. Damit wechselt MV Agusta bereits nach zwei Jahren wieder den Besitzer.

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Foto: Gori

Aufmerksamen Beobachtern der Szene wird das bekannt vorkommen: Bereits 2004 hatte Castiglioni 57,75 Prozent von MV (damals noch mit Husqvarna) für 70 Millionen Euro an den malaysischen Autobauer Proton verkauft, die Anteile aber nur ein Jahr später zum symbolischen Preis von einem Euro zurückbekommen. Im Sommer 2008 stieg dann Harley-Davidson ein: für wiederum 70 Millionen Euro übernahmen die Amerikaner MV Agusta ganz, Claudio Castiglioni blieb Präsident. Aufgrund der Wirtschaftskrise beschlossen die Amis dann im Herbst 2009, ihre Tochter Buell zu schließen und die zweite Tochter MV Agusta wieder abzustoßen – wie nun geschehen.

Claudio Castiglioni zur Seite stand beim Kauf  seine Hausbank  Intesa SanPaolo. Neben ihm hatte es weitere Interessenten an MV Agusta gegeben, darunter die US-Gruppe TPG, der zwischen 1996 und Ende 2005 Ducati gehörte. Dem Vernehmen scheiterte die Übernahme durch TPG, für die der frühere Ducati-Boss Federico Minoli die Verhandlungen führte, weil Harley-Davidson mit Claudio Castiglioni eine Sonderzahlung vereinbart hatte, wenn bestimmte Verkaufsziele bis 2016 verwirklicht würden.

Weitere Überraschung: Zur Verstärkung holt sich Castiglioni den Ingenieur Massimo Bordi, 62. Der hatte 22 Jahre lang für Ducati gearbeitet und unter anderem den Desmo-Vierventiler entwickelt. Ende 2000 hatte Bordi wegen Differenzen mit den damaligen Eigner, der US-Gruppe TPG, bei Ducati gekündigt und war als Vorstandschef zum Traktorhersteller Same-Deutz-Fahr gewechselt. Bordi soll sich bei MV Agusta künftig natürlich auch um die Technik kümmern, aber nicht nur: Gerüchteweise heißt es, dass er der neue Geschäftsführer wird, während Claudio Castiglioni weiterhin Präsident bleibt.

MV Agusta kann also wieder durchatmen. Allerdings hat Castiglioni bereits angekündigt, dass sich die Belegschaft, derzeit rund 240 Personen, auf gewisse Einschnitte gefasst machen muss. 2009 machte die Firma rund 27 Millionen Euro Miese, und auch das jetzige Geschäftsjahr wird MV Agusta mit einem Minus abschließen. Bereits im nächsten Jahr will Castiglioni aber ein Plus erwirtschaften. Helfen sollen dabei 20 Millionen Euro an Investition und  der lang erwartete Dreizylinder, den er für Mitte 2011 ankündigte.

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