-Checkpoint Kawasaki GPZ 900 R (Archivversion)

Die Ende 1983 präsentierte Kawasaki GPZ 900 R setzte Maßstäbe unter den damaligen Big Bikes. In zahlreichen Vergleichstests konnte das von Grund auf neu konstruierte Bike mit seiner sportlichen Motorcharakteristik, dem steifen Fahrwerk sowie den hervorragenden Bremsen der hubraumstärkeren Konkurrenz in fahrdynamischer Hinsicht das kantige Heck zeigen. Kritik gab es lediglich für die straffen Federelemente sowie für die gestreckte und damit besonders für kleinere Piloten etwas unkomfortable Sitzposition. Demgegenüber heimste der wassergekühlte Vierzylinder fast nur Lob ein. Das kultivierte Triebwerk überzeugte nicht nur mit famosen Fahrleistungen, sondern auch mit einer beispielhaften Zuverlässigkeit bei zurückhaltendem Spritverbrauch. Diese positiven Eigenschaften stellte die GPZ 900 R beim MOTORRAD-Langstreckentest über 100000 Kilometer eindrücklich unter Beweis. Nach dieser überwiegend zügig absolvierten Mammut-Distanz genügten ein Satz Übermaßkolben und das Aufbohren der Zylinder, um den Motor wieder topfit zu machen. Nicht zuletzt deswegen wurde die GPZ 900 R während der 80er Jahre zu einer festen Größe, die sogar die potenziellen Nachfolge-Modelle GPZ 1000 RX und ZX 10 überlebte. Erst 1990 erfuhr die aus Sportlersicht mittlerweile ins zweite Glied abgerutschte 900er eine gründliche Überarbeitung des Fahrwerks (siehe rechts), die jedoch an den rückläufigen Verkaufszahlen nichts mehr ändern konnte. Ende 1993 stellte Kawasaki Deutschland den Import ein. Wer aber für wenig Geld ein ausgereiftes Big Bike erstehen möchte, macht auch heutzutage mit einer gepflegten und regelmäßig gewarteten GPZ 900 R nichts falsch.MarktsituationZwischen 1984 und 1993 verkaufte der offizielle Importeur von der GPZ 900 R insgesamt 11600 Stück. Hinzu kommen noch etliche Einheiten, die über graue Kanäle nach Deutschland gelangten. Deshalb lässt sich der aktuelle Bestand nicht exakt bestimmen, es dürften jedoch noch immer gut und gerne 8000 Exemplare sein, die irgendwann auf dem Gebrauchtmarkt landen. Für GPZ 900 R der Modelljahre bis 1992 gibt es keine Orientierungshilfen bei der Preisfindung, da beispielsweise Schwacke nur Motorräder ab 1993 bewertet. Zudem spielt die 900er bei Händlern keine Rolle mehr, weil die aufgrund der Gewährleistungspflicht ungern Motorräder in Zahlung nehmen, die älter als sieben Jahre sind. So wechselt eine GPZ 900 fast nur noch von privat an privat den Besitzer, wobei unverbastelte Exemplare der letzten Baureihe im gepflegten Originalzustand mit viel Glück schon mal 3500 Euro bringen können (Tachostand unter 20000 Kilometer), während sich das Gros des Angebots wegen der zumeist hohen Laufleistungen zwischen 500 und 1500 Euro bewegt. Die große Verbreitung ist vermutlich auch der Grund, weshalb die GPZ 900 R – im Gegensatz zu vielen älteren, luftgekühlten Kawasakis – derzeit keinen Liebhaberstatus genießt. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Wer schon immer mal mit einer Kawasaki GPZ 900 R geliebäugelt hat, darf deshalb bei einem »serienmäßigen« Exemplar im Bestzustand getrost zugreifen, solange die Gelegenheit so günstig ist.BesichtigungBei der Suche nach einer GPZ 900 R sollte man sich auf Exemplare ab Modelljahr 1987 beschränken, die als überaus robust gelten. Zuvor gab es häufiger Probleme mit dem Steuerkettenspanner und sich verdrehenden Vergasermembranen, die sich in Startschwierigkeiten, unrundem Motorlauf und Leistungsmangel äußern. Ab 1986 kamen zudem härtere Einlassventile zum Einsatz, außerdem wurde die Ölzuführung zu den Nockenwellen verbessert. Des Weiteren empfiehlt sich die Kontrolle des Seitenständer-Killschalters, der häufiger Ärger bereitet. Bei der Probefahrt sollte man zudem auf rubbelnde Bremsscheiben achten. Ansonsten sind keine weiteren modellspezifischen Schwachpunkte bekannt, so dass man seine Aufmerksamkeit bei der Besichtigung auf die üblichen Checkpunkte und Standschäden lenken kann.OptimierungWie die meisten Motorräder der 80er Jahre profitiert die GPZ 900 R vom Fortschritt der Reifentechnologie. Nach den Erfahrungen, die MOTORRAD mit den Bridgestone BT 45 auf verschie-denen Bikes gesammelt hat, dürften diese für das ältere Modell mit 16-Zoll-Vorderrad freigegebenen Pneus der Kawasaki ebenfalls zu einem verbesserten Fahrverhalten verhelfen. Bei der Optimierung einer GPZ 900 R ab Modelljahr 1990 mit 17-Zoll-Vorderrad (MOTORRAD 18/1999) erwies sich der Metzeler ME 1 in CompK-Mischung als der ausgeglichenste Reifen. Sehr empfehlenswert sind darüber hinaus progressive Gabelfedern und hochwertige Federbeine aus dem Zubehör, beispielsweise von White Power, Wirth oder Wilbers. Letzterer lieferte bei den Fahrversuchen im Rahmen der Optimierung das beste Set-up für die Modelle ab 1990. Während die Bremsen der GPZ 900 R bis 1989 auch heute noch überzeugen können, fällt die Wirkung der ab 1990 verbauten Vierkolbenzangen relativ stumpf aus. Wesentlich mehr Biss zeigten im Test die Sintermetall-Bremsbeläge von Lucas und Carbone Lorraine, welche die Bremsleistung auf das Niveau aktueller Sporttourer hieven. Wer die GPZ auf nominell 115 PS entdrosseln will, benötigt vier Vergaserdeckel ohne Schieberanschlag, die Alpha Technik, Telefon 08036/ 300720, für 169 Euro (einschließlich TÜV-Gutachten) vertreibt.Testsin MOTORRAD*5/1984 (T); 9/1984 (VT); 10/1984 (VT); 14/1985 (VT); 25/1985 (T); 7/1986 (T); 11/1986 (LT 100000 km); 15/1986 (VT); 16/1986 (VT); 21/1986 (VT); 11/1988 (MR); 6/1990 (T); 1/ 1992 (GK); 4/1992 (VT)Internet www.900r.de

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