China China studiert noch

Schon die verhältnismäßig kleine Auswahl chinesischer Motorradproduzenten und Zulieferer, die auf der Intermot ausstellten, gab einen überwältigenden Eindruck von der Vielfalt der Zweiradindustrie im Reich der
Mitte. Man fragt sich, warum sie nicht längst zur Eroberung Europas angesetzt hat. Bislang sind die Chinesen hauptsächlich damit beschäftigt, sich selbst zu motorisieren. Auch genügen nur wenige Produkte den Ansprüchen westlicher Motorradfahrer, deshalb schien die Intermot wie frühere Messen für viele Aussteller aus China und den anderen Tigerstaaten mehr Studier- als Verkaufsforum zu sein. Sie konnten zwar zahlreiche motorisierte Zweiräder zeigen, doch keine neuen Ideen.
Der Kauf Benellis durch den Stückzahlenmillionär Qianjiang lässt mehr Weitsicht erkennen – mit Hilfe des Designs und heimischer Komponenten wie Brembo-Bremsen oder Marchesini-Räder wird das italienische Profil des kleinen Herstellers geschärft, zugleich fungiert er für die Chinesen als Ideengeber und macht sie als Zulieferer in Europa salonfähig. Qianjiang lässt damit aber auch erkennen, worauf sich die Zukunft der etablierten Hersteller in Europa und Japan gründet: Kreativität.

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