Das Geheimnis der Nasshaftung

Bei regennasser Straße spielen Asphaltoberfläche und Reifengummi die Hauptrolle.

Während bei trockener Strecke der Reibbeiwert zwischen µ = 1,0 und im schlechtesten Fall 0,7 beträgt, kann sich derselbe Abschnitt in nassem Zustand zu einer gefährlichen Rutschbahn verwandeln (bis µ = 0,3). Der Grund: Die Reifenhaftung hängt bei Nässe in erster Linie von der Mikrorauigkeit ab. Dabei verzahnt sich der Reifengummi mit kleinen, teilweise nur wenige Zehntelmillimeter hohen Asphaltspitzen. Grobe Oberflächenstrukturen (Makrorauigkeit) unter-
stützen dabei durch die Aufnahme des Wassers die Verzahnung und somit die Reifenhaftung.
Enorm wichtig bei der Nasshaftung ist auch die Profilierung des Reifens, da über die Profilrillen das Wasser nach außen transportiert wird und sich an der Kante des Profilblocks ein hoher
Anpressdruck aufbaut. Nur damit kann der Wasserfilm durchstoßen und der Kontakt zur Straße
sichergestellt werden (siehe Zeichnungen rechts).
Um eine möglichst formschlüssige Verzahnung mit der Straßenoberfläche zu erreichen, ist eine Gummimischung notwendig, die schon bei
geringen Temperaturen weich und elastisch ist. Was sich bei Straßenreifen nicht bis zur letzten Konsequenz umsetzen lässt, da sich solche
Mischungen bei hohen Temperaturen innerhalb kürzester Zeit in Wohlgefallen auflösen würden. Dank der neuen, Silika-haltigen Mischungen
ist es jedoch vielen Reifenherstellern gelungen, gute Laufleistung und enorme Trockenhaftung
mit erstaunlichen Qualitäten bei Nässe zu verbinden. Denn Silika (Kieselsäure) geht eine bessere Verbindung mit der Wasseroberfläche ein als
herkömmliche Füllstoffe.
Aquaplaning ist beim Motorrad nur bei hohem Tempo und hohem Wasserstand ein Problem. Dann bildet sich vor dem Reifen ein Wasserschwall, der sich wie ein Keil zwischen Reifenlauffläche und Fahrbahn schiebt (siehe Zeichnung
unten links). Dass dieses Phänomen beim Motorrad erst viel später als beim Auto einsetzt,
liegt an der wesentlich kleineren Aufstandsfläche des Reifens sowie dessen gekrümmter Kontur. Diese Krümmung sorgt für eine abgerundete
Kontaktfläche, bei der das Wasser überwiegend zur Seite abgeleitet wird, während breite Auto-Reifen den Wasserschwall vor sich herschieben (siehe Skizze unten). Trotzdem: Bei starkem
Regen sollten Motorräder maximal 100 km/h
fahren, weil in tief eingedrückten Fahrspuren (Lkw-Rinnen) der Wasserstand enorm hoch
sein kann.

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