Das kleine Motorradtypenbezeichnungs-ABC,Teil 3 K–Y (Archivversion) Kein X vor ein U

Warum sind Z, X und V unter den Typenkürzeln so reich vertreten, während U, M und H sich rar machen? Weil da die formale Dynamik des Buchstabens eine Rolle spielt.

Behäbig sehen manche Buchstaben aus. Das U zum Beispiel. Hängt irgendwie durch, bremst ein, klingt obendrein ein bisschen düster und dunkel. Ganz anders das V, obwohl dem U von der Gestalt her verdammt ähnlich, nur eben zugespitzt. Und als man noch nicht auf Pergament oder Papier schrieb, sondern die Worte in Stein meißelte oder auf feuchte Tontafeln ritzte, ersetzte das V sogar das U, weil es simpler zu hämmern oder zu sticheln war. Der Leser musste aus dem Wortzusammenhang schließen, welche Lautung das Zeichen V gerade trug: u oder v, Mvnd oder Eva.
Bei Motorrädern macht sich das U in Kürzeln rar, es passt einfach nicht zu
Rasanz und Eleganz dieser Maschinen. Wohl aber das V, nicht nur der Moto-
renkonfiguration wegen, erinnert es doch an einen Donnerkeil, an unbändige Gewalt und Energie. Kein Wunder also, dass
bei Firmen wie Kawasaki, Suzuki und Yamaha, wo Kürzel allesamt keine tiefere Bedeutung haben, bestimmte Buchstaben bevorzugt werden, allein ihres Aussehens wegen, der Assoziationen, die sie zu
wecken vermögen. Besonders beliebt: Z und X. Die Form des Z erinnert an einen Blitz, an Feuer, Schnelligkeit, Urgewalt, Bedrohung. Und das X? Genau das Gegenteil. Steht auf dem Tank oder sonst wo rum wie ein unverrückbares Monument. Selbst wenn es kippt, bleibt es immer noch ein X. Fast könnte man sagen: buchstäblich ein Vierspeichenrad.

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