Das Zentrum der Macht (Archivversion)

Mit nominal 200 PS setzt die Vmax einen Meilenstein im Serienmotorradbau. Was vor zehn Jahren kaum vorstellbar war: Die Leistung ist dank modernster Elektronik und Benzineinspritzung wunderbar umsetzbar. Gegenüber der Ur-Vmax wuchs der Hubraum durch eine von 76 auf 90 Millimeter vergrößerte Bohrung. Der Hub von 66 Millimetern blieb, die Verdichtung wurde von 10,5 auf 11,3 zu eins erhöht. Trotz 40 Prozent Hubraumzuwachs ist der neue V4 gegenüber seinem Vorgänger nur 27 Millimeter kürzer, baut in etwa genauso breit und ist lediglich 6,5 Millimeter höher. Möglich wurde dies durch einen verringerten Zylinderwinkel, sehr kompakte Zylinderköpfe mit dachförmigen Brennräumen und steiler stehenden Ventilen: 14 Grad auslass-, 15 Grad einlassseitig – der Gesamtwinkel ist mit 29 Grad gegenüber dem der Ur-Vmax (36 Grad) geschrumpft. So viel zu den Eckdaten.

Im Gegensatz zu den massigen Lufthutzen der Vorgängerin, die reine Attrappe waren, atmet der neue V4 durch seine von Hand polierten Aluminium-Schnorchel Luft in eine etwa doppelt so große Airbox. Alle derzeit im Serienbau eingesetzten Hightech-Features treffen im Inneren des V4 aufeinander: Ansaugrohre mit variablen Längen, Anti-Hopping-Kupplung, elektronisch gesteuerte Drosselklappen oder Exup-Walze im Auspuff. Kupplungs- und Lichtmaschinendeckel wie auch der Kardantunnel sind aus Magnesium gefertigt. Zur Kühlung des Kraftwerks zirkulieren vier Liter Kühlflüssigkeit durch zwei Radiatoren. Die 4,7 Liter Motoröl werden zusätzlich noch durch einen Kühler gejagt – thermisch ist der Brocken jedenfalls belastbar. Mehrfach hintereinander durchgeführte Beschleunigungsarien steckte nicht nur die Kupplung, sondern auch das Kühlsystem locker weg.

Das eigentliche Wunder dieses Motors ist die Fähigkeit, sich anzupassen. Egal, ob berechenbarer Leistungseinsatz für das Swingen über die Landstraße oder brachiale Kraftentfaltung für den Spurt über die Viertelmeile: Ein Rechner ermittelt tausendmal pro Sekunde alle Betriebszustände wie Raddrehzahl, Einspritzmenge oder Drosselklappenstellung und sorgt dafür, dass der Motor sich weder verschluckt, wenn das Gasseil zu heftig gespannt wird, noch dass er beim Cruisen zu aggressiv ist. Die gewaltigen 171 Newtonmeter können ebenso lammfrom zum Gleiten genutzt werden, wie sie fette Striche auf die Straße malen.

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