DATEN<br /><br /> ZX600-J1H, Baujahr 2000 (Archivversion)

DATEN<br /><br /> ZX600-J1H, Baujahr 2000

Motor
Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-Reihenmotor, zwei oben liegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, vier Keihin-Gleichdruckvergaser, Ø 36 mm, ungeregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 308 Watt, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 66 x 43,8 mm
Hubraum 599 cm3
Verdichtungsverhältnis 12,8:1
Nennleistung
82 kW (111 PS) bei 12500/min
Max. Drehmoment
66 Nm bei 10000/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Aluminium, Motor mittragend, Telegabel, Ø 46 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Sechskolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Alu-Gussräder 3.50 x 17; 5.50 x 17

Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1400 mm, Lenkkopfwinkel 66,5 Grad, Nachlauf 95 mm, Federweg v/h 120/135 mm, Sitzhöhe 820 mm, Gewicht vollgetankt 199 kg, Zuladung 181 kg, Tankinhalt 18 Liter.
Fahrleistungen
Höchstgeschwindigkeit 255 km/h

Beschleunigung
0–100 km/h 2,8 sek
0–200 km/h 10,3 sek

Durchzug
60–140 km/h 10,2 sek
140–180 km/h 5,5 sek

Verbrauch
4,9 bis 7,8 l/100 km, Normal
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Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion)

Modellgeschichte
Drei Modellwechsel innerhalb von fünf Jahren sind normalerweise alles andere als eine vertrauensbildende Maßnahme für ein Motorrad. Nicht so im Fall der Kawasaki ZX-6R, bei der das ständige Streben nach Verbesserungen weniger dem Ausmerzen anfänglicher Malaisen galt, sondern vielmehr Ausdruck des knallharten Wettbewerbs in der popu-
lären Supersportklasse war und ist.
Bereits bei der Markteinführung 1995 mischte die Ninja ZX-6R die Konkurrenz gewaltig auf, und zwar sowohl auf der Rennstrecke als auch im Alltagsbetrieb. Insbesondere der kraftvolle, durchzugsstarke und laufruhige Motor, das gleichermaßen stabile wie komfortable Fahrwerk mit Top-Bremsen sowie die im Vergleich zu anderen Sportlern bequeme Sitzposition überzeugten die MOTORRAD-Tester und die Käufer. Kritik gab es vor allem für das unangenehme Gabelflattern beim harten Bremsen sowie für den kaum vorhandenen Windschutz und das etwas kippelige Einlenkverhalten.
Den Konter der erstarkten Konkurrenz parierte Kawasaki 1998 mit einer tiefgreifend überarbeite-
ten Variante (Typ ZX600-G1), die zudem gegen Aufpreis erstmals mit einem ungeregelten Katalysator erhältlich war (ZX600-H1). Aufgrund der zahlreichen Änderungen konnte man die 1998er-ZX getrost als neues Modell bezeichnen, das die Mitbewerber um den Thron in der Supersportklasse im direkten Vergleich prompt in fast allen Belangen distanzierte.
Für die Saison 2000 überarbeitete Kawasaki die
ZX-6R erneut in vielen Punkten. Damit konnte sie den Mitbewerbern im Alltag noch immer das schlanke Heck zeigen, aber auf der Rennstrecke zog sie wegen des – je nach Serienstreuung – immer noch auftretenden Gabelflatterns gegen eine Yamaha YZF-R6 den Kürzeren.
Vor zwei Jahren mutierte die 600er durch eine
um zwei Millimeter erweiterte Bohrung schließlich zur 636, womit sich die zivile ZX-6R-Version aus
der Supersport-Klasse verabschiedete, während das lediglich in begrenzter Stückzahl lieferbare Schwes-
ter-Modell namens ZX-6RR weiterhin dem Supersport-Reglement entspricht.
Marktsituation
Die ZX-6R ist ein Bestseller im Kawasaki-Programm. Zwischen 1995 und 2001 verkaufte der Importeur hier zu Lande exakt 16587 Stück. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) führt heute knapp 14000 Exemplare im Bestand, wobei sich die Zahlen gleichmäßig auf die drei bis Ende 2001 verkauften Modellvarian-
ten (ZX600-F/G/J) verteilen.
Trotz des großen Angebots haben viele Händler Schwierigkeiten, die nach wie vor rege Nachfrage nach gebrauchten ZX-6R zu befriedigen. Besonders gesucht sind Maschinen zu Preisen zwischen 2500 und 4000 Euro. Diese sind vor allem bei jüngeren Motorrad-Aufsteigern beliebt, die sich den Traum vom 600er-Supersportler erfüllen wollen, aber nur ein begrenztes Budget zur Verfügung haben. In der Regel stammen solche Kawasakis noch aus der ersten Serie, sind zwischen 30000 und 50000 Kilometer gelaufen und wechseln zumeist von Privat
den Besitzer.
Im Gebrauchthandel sind eher Modelle ab 1998
anzutreffen, für die hohe Preise verlangt und auch bezahlt werden. Die liegen oftmals sogar über den Schwacke-Notierungen, welche den Händlerverkaufs-
preis für eine ZX-6R von 1998 (zirka 48800 Kilometer) auf rund 4000 Euro taxieren, eine 2000er-ZX mit 33000 Kilometern soll rund 5600 Euro Wert
sein, ein Exemplar von 2001 (24800 Kilometer) 5800 Euro. Speziell die jüngeren Exemplare weisen jedoch häufig geringere Laufleistungen auf und werden entsprechend teurer offeriert.
Schnäppchen sind also eher die Ausnahme. Es sei denn, das angebotene Stück ist in Schwarz, Rot, Gelb oder Silber lackiert: Bei der ZX-6R spielt nämlich die richtige Farbe eine bedeutendere Rolle als bei vielen anderen Gebrauchtmotorrädern. Eine Kawa kann
eigentlich nur grün sein.

Besichtigung
Bei der Besichtigung einer gebrauchten ZX-6R empfiehlt es sich, neben dem Motorrad auch dem
Besitzer auf den Zahn zu fühlen. So manche ZX wurde von ihrem Piloten im Rahmen diverser Renntrainings richtig ausgequetscht, was zwangsläufig einen höheren Verschleiß bedeutet. Besondere Vorsicht ist angebracht, wenn der Vorbesitzer sich
bestimmter Tuning-Maßnahmen rühmt, da speziell die Triebwerke der ersten Serie bereits im Originalzustand leistungsmäßig nahezu ausgereizt waren und Leistungssteigerungen ab und an mit einem Motorschaden quittierten.
Im Serienzustand gelten die Triebwerke aller Bau-
reihen allerdings als sehr robust, sofern die regelmäßigen Wartungsintervalle, besonders die Kontrolle des Ventilspiels, eingehalten wurden. Bei älteren Exemplaren sollte man jedoch auf erhöhten Ölverbrauch achten, erkennbar an den typischen Ölfahnen beim Lastwechsel. Weitere Checkpunkte bei der
Probefahrt sind die Kupplung, das Lenkkopflager sowie die Bremsscheiben, die speziell bei den Modellen bis Jahrgang 1998 gerne mal zum Rubbeln neigen. Falls die Kawasaki ZX-6R mit einer ver-
zögerten Gasannahme auffällt, sind unter Umständen die Vergasermembranen verhärtet und müssen ausgetauscht werden.
Ansonsten gilt der prüfende Blick noch verräteri-
schen Sturzspuren (Kratzer, beschädigter Lenkan-
schlag), verschlissenen Gabel-Dichtringen sowie der rostanfälligen Auspuffanlage der ersten Serie. Bei den ZX-6R von 1995 sollten zudem die Rahmenprofile zwischen Steuerkopf und oberer Motorhalterung genauer inspiziert werden, da es in diesem Bereich in der Vergangenheit vereinzelt zu Rissen kam.

Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion) - modellchronik

1995 Markteinführung der ZX-6R (Modellcode ZX600-F1) mit 100 PS (74 kW) zum offiziellen Listenpreis von 16260 Mark
1996 Motorleistung reduziert auf 98 PS (72 kW); verstärkte Rahmenprofile; Gabelstandrohre mit dickerer Wandstärke; Service-Intervalle von 5000 auf 6000 Kilometer erhöht
1997 Modifikationen an Vergasern und Zündbox
1998 Neues Modell (Modellcode ZX600-G1)
mit 108 PS, das erstmals gegen einen Aufpreis von
300 Mark mit einem ungeregelten Katalysator erhältlich
ist (Typ ZX600-H1). Außerdem mehr Volumen für Airbox und Doppel-Ram-Air-System, Fallstromvergaser mit Drosselklappensensor, neue Auspuffanlage mit Edelstahl-Krümmern und Alu-Schalldämpfer, verstärkte Kurbelwelle,
verbesserte Schmierung, leichterer Lichtmaschinenrotor, hitzebeständigerer Kolbenwerkstoff, verbesserte Ruck-
dämpfer, Motordeckel aus Magnesium, neuer Rahmen mit geänderter Geometrie und angeschraubtem Rahmenheck, neue Schwinge, Telegabel mit 46er-Standrohren, steifere Radachsen, Sechskolben-Festsättel vorn, Hinterradfelge
mit 5,5 Zoll, neues Cockpit, neues Design von Tank, Verkleidungsteilen und Sitzbank; Listenpreis: 16790 Mark
2000 Erneute Überarbeitung (Modellcode ZX600-J1H): modifizierte Verkleidung mit Doppelscheinwerfern, vergrößerte Ansaugöffnung des Ram-Air-Systems,
kürzere Einlasskanäle, geänderte Brennräume, höhere
Verdichtung, beschichtete Alu-Zylinder, leichtere Kurbelwelle, Lenkerstummel unterhalb der Gabelbrücke angebracht, neues Cockpit, geänderte Fahrwerksgeometrie, straffere Abstimmung; Listenpreis: 17990 Mark
2002 Neues Modell mit auf 636 cm3 vergrößertem Hubraum (Modellcode ZX636-A1H), Preis 9195 Euro

Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion) - tests in motorrad*

*FB = Fahrbericht, T = Test, VT = Vergleichstest, LT = Langstreckentest; Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229
25/1994 (FB); 1/1995 (VT); 12/1995 (VT); 4/1996 (VT); 7/1996 (VT); 24/1996 (LT); 2/1997 (VT); 4/1998 (FB); 6/1998 (VT); 12/1998 (VT); 26/1998 (VT); 4/2000 (FB); 6/2000 (T); 9/2000 (VT); 15/2000 (VT); 6/2001 (VT); 10/2001 (VT);
17/2001 (VT)

Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion) - »Des Motorrad
frisst koi Heu mehr«

Sibylle Wiebusch, Schlussredakteurin

Oh Gott, ein großer Fleck unterm Bugspoiler. Gerade jetzt, wo ich schreiben wollte, dass nie was kaputt ging. Verkleidung runter, Ursachenforschung. Rechts, am Kunststoffgehäuse, zu dem eine Abzweigung des Ram-Air-Kanals führt, perlen Wassertropfen. Ein Anruf beim Kawa-Händler beruhigt: »Die Ableitung der Wassersäcke (Wassersäcke!) ver-
stopft manchmal. Zieh einfach den Schlauch ab.«
50000 Kilometer hat meine ZX-6R, eine der ersten,
Baujahr 1995, runter. Brachte mich Sommer wie Winter in die Redaktion, 100 Kilometer hin und zurück. Wedelte mit mir
an den Wochenenden begeistert über die Schwäbische Alb, entführte mich zu Ostern oder Pfingsten an Gardasee und Lago Maggiore. Und ließ mich auch bei dem einen oder anderen Turn auf der Rennstrecke ganz passabel aussehen. Die Bilanz bisher: ein neuer Kettensatz, Bremsbeläge vorne, eine frische Batterie, zig Reifen, bei 47000 Kilometern neue Bremsscheiben samt Belägen. Das war’s. Dagegen liest sich der Langstreckentest von MOTORRAD (24/1996) wie ein Gru-
selkrimi. Gut, ich habe sie die letzten Jahre geschont, außer-
dem plagen sie derzeit Vergaserprobleme. Und die Auspuffanlage, besonders die Krümmer, sehen nicht mehr taufrisch aus. Zudem sei der 160/60 hinten nicht mehr up to date, musste ich mir sagen lassen. Doch deshalb hergeben? Ich, als echte Schwäbin? Noi. Des Motorrad frisst koi Heu mehr.

Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion) - »Schnell und Touren-
tauglich Zugleich«

AnNette Johann, Ressort Unterwegs

Gebrauchtkauf: Kawasaki ZX-6R (Archivversion) - »Mit Zubehör-
Federbein ein Traumhaftes
Fahrverhalten«

Georg Jelicic, Test + technik

Meine ZX-6R besitzt einen U-Kat und wurde im März 1999 zugelassen. Nach dem Einfahren ging es gleich auf die Rennstrecke. Bis jetzt ist die Kawasaki 24000 Kilometer gelaufen, davon rund 16000 auf diversen Pisten. Und noch immer begeistert mich die unglaubliche Drehfreude des kleinen Triebwerks.
Für die Rennstrecke reichen die Dämpfungsreserven des Federbeins nicht aus, deshalb wurde es gegen ein Exemplar von Wilbers ersetzt. Mit seinen mannigfaltigen Verstellmög-
lichkeiten (Zug- und Druckstufe mit separat justierbarem Highspeed- und Lowspeed-Bereich) benötigt man einige Versuche, bis man die beste Einstellung herausgefunden hat. Doch die Mühe lohnt. Zusammen mit dem angepassten Gabel-Set-up zeigt die ZX-6R nunmehr ein traumhaftes Fahrverhalten. Bei den Bremsen hingegen machen Experimente keinen Sinn, die serienmäßigen Beläge sind die besten. Unter den verschärften Rennstrecken-Bedingungen müssen die Sechskolben-Zangen allerdings regelmäßig gecheckt werden. Unterlässt man dies, können die Kolben klemmen, was sich
in einem wandernden Druckpunkt bemerkbar macht und im schlimmsten Fall sogar zum Ausfall durch Überhitzung führen kann. Dann sind ruck, zuck – wie ich es schon gesehen habe – zwei neue Bremsscheiben fällig.
Ansonsten ist die ZX-6R ein problemloses und zuver-
lässiges Motorrad, das selbst bei flotter Gangart auf der Landstraße kaum über fünf Liter Benzin verbraucht.

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