Dauertest Harley-Davidson Sportster 1200 Sport (Archivversion)

Wetzeisen

Fast drei Jahre Harley-Davidson Sportster 1200 Sport - eine ungewöhnlich lange Dauertest-Ära fand am 24. Juni 1998 ihr Ende. Wie überstand der Schwerathlet den Marathon?

Harley Davidson Sportster 1200 Sport - ein Name, fast schon ein Titel, wie für die Stoppuhren dieser Welt geschaffen. Die athletische Dopplung erklärt sich aber eher im Vergleich zur übrigen Harley-Familie als im Hinblick auf olympische Talente. So lobte Kollege Schmitz beim ersten Test der Sportster Sport in Heft 23/95 zwar die überraschende Kurvenfreude des Yankee-Stahlwerkes, stellte aber auch die doch recht nahe Verwandschaft der Harley zur Cruiser-Fraktion klar. Trotzdem, die völlig andere Harley: ein vergleichsweise schlichter, wenn auch massiver Allrounder, keine Chromskulptur mit Fransen, Lack und Leder, die mehr für die Show auf den Flaniermeilen der Welt als fürs Fahrerlebnis taugt.Qualitäten, die Ende des Sommers 1995 gewichtig auf die Waagschale zur Dauertest-Auswahl gedrückt haben. Zudem hatte der engwinklige 1200er V-Twin mit seinen immerhin vier untenliegenden Nockenwellen noch keinen Dauertest absolviert. Die Entscheidung fiel leicht, am 29. September 1995 kletterte die Sportster 1200 Sport mit dem amtlichen Kennzeichen S-CC 1 zur Redaktion in den Testring. Um es vorweg zu nehmen: Der boshaft prophezeite K.O. blieb nicht nur aus, die Sporty stieg nach absolvierten 50 000 Runden ausgesprochen frisch aus dem Schwergewichtskampf. Doch eines nach dem anderen.Die meisten ihrer Kilometer sammelte die Harley auf Tagestouren und im Kurzstreckenbetrieb. Allzu viele Länder bereiste sie während ihrer dreijährigen Dienstreise nicht. Der ausdauerndste Pilot brachte es auf etwa 2500 Italienkilometer in einer Woche. Bezeichnend, daß bei dieser Tour auch die mit Abstand längste Tagesetappe zurückgelegt wurde - die Sporty ist eben mehr Genußbike als Kilometerfresser. Mit sporadischen Ausnahmen blieb die Harley von weiteren Urlaubsfahrten verschont, was im Dauertestfuhrpark eine untypische Erscheinung darstellt. Fast alle Piloten fuhren einsam, das erbarmungslos unbequeme Sozius-Sitzkissen wurde selten und nur für Kurztrips besetzt, dafür aber um so mehr gescholten. Einen einzigen, fast folgenlosen und somit harmlosen Unfall dokumentiert das Fahrtenbuch.Wie ein roter Faden zieht sich hingegen die Fähigkeit der Sportster, Männer von Memmen zu trennen, durch die Eintragungen der Testfahrer. Während erstere die untypische Agilität priesen und überhaupt lobsangen - ehemalige Chefredakteure sollen gar hypothetische Kaufabsichten niedergeschrieben haben - beklagten letztere in großer Überzahl die unmögliche Sitzposition und das knüppelharte Fahrwerk. Von »Null Federung« ist da die Rede, von Druckstufendämpfung auf Blockier-Niveau und von einem völlig praxisfremden Abstimmungsbereich der voll einstellbaren Federelemente. Weiterhin werden ergonomisch verursachte Schmerzen in Kreuz und Handgelenken bejammert, ganz zu schweigen von verkrampften Unterarmen ob der Salami-dicken Griffgummis. Interessant, daß die lautesten Verschreier im Testverlauf trotz aller Schelte immer wieder die Harley ausfaßten, um sich fortan über das hakelige und fummelige Zündschloß zu beschweren.Nicht jeder der Treiber ließ sich durch Masse und Charakter von namensgerechtem Fahren abhalten. Beispielsweise erzählt unser technischer - oder in diesem Falle vielleicht besser sportlicher - Leiter noch heute gern und glücklich grinsend von den Funkenschweifen, mit denen die Fußrasten und der untere Schalldämpfer der Sportster »beim Schwingen über die Alb« das gar nicht so frühe Ende der Schräglagenfreiheit demonstrierten. Bei solchen Einsätzen beschwerte sich dann auch niemand über das straffe Fahrwerk.Sportliche Umtriebe offenbarten allerdings immer wieder ein gar nicht sportliches Manko: die Bremsen, bei der Sportster Sport vorn vorsorglich doppelt vorhanden, verzögern auch nach kräftigem Griff und Tritt zwar ausreichend, aber eher zögerlich. Erfreulich hingegen, daß die Bremsscheiben den Langlauf gut überstanden.Einige Kritik mußte sich der Motor gefallen lassen. Mit einer für Sportler niedrigen Herzfrequenz - roter Bereich bei 5800/min - ausgestattet, wußte das Schwermetall durch ein ausgesprochen schmales nutzbares Drehzahlband zu mißfallen: unten herum höchstens eine Priese der vielgepriesenen Elastizität, zwischen 2000/min und 3500/min dann verwertbare Leistung, danach zwar noch Qualm, aber heftigste Vibrationen. Nun, bei 3500/min liegen im letzten Gang immerhin 120 Kilometer pro Stunde an, für die meisten schnell genug.Was sich oberhalb dieser 3500/min an Schwingungen abspielt, kann indes kaum noch zu den »Good Vibrations« zählen. Die Massenkräfte zerlegten mittels fürchterlicher Schwingamplituden massenweise Glühbirnen an allen licht- oder signalgebenden Anbauteilen, die Kleinigkeit von drei Kennzeichenhaltern nebst Nummernschildern, den Instrumententräger, mehrere Spiegel und schlußendlich sogar eine Gußnase am vorderen, unbegreiflicherweise starr mit dem Rahmen verschraubten Zylinderkopf. Schön, daß Harley-Davidson sich allgemein und auch in diesem gravierenden Fall kulant und hilfsbereit zeigte, was übrigens die Leserzuschriften bestätigen.Die eigentlich enttäuschende Schwachbrüstigkeit des luftgekühlten Treiblings stellte MOTORRAD bei 28 000 Kilometern versuchsweise durch einen mittlerweile TÜV-gesegneten Dynojet-Kit ab, der die Harley regelrecht wach küßte. Was für ein Temperament, welch eine gesteigerte Drehfreude. Prüfstand und Fahrleistungsmessung bestätigten den guten Eindruck nachdrücklich. Leider verbieten unsere Dauertest-Regularien langfristige Änderungen, und so mußte die Sporty in Originalkonfiguration weitervibrieren.Die Schüttelei kann man dem Motor vorwerfen, mechanische Pannen während der Dauertest-Distanz nicht. Einzig eine verrutschte Sicherungsscheibe legte die Harley in Form eines blockierten Schaltautomaten still. Das fast schon sensationell gute Verschleißbild aller Baugruppen belegt, daß der zöllig verschraubte, konstruktiv äußerst traditionelle Milwaukee-Langhuber werkstoffseitig auf dem Stand der Technik und voll konkurrenzfähig ist. Unser Dank gebührt der Modellpflege.Wo nicht so kräftig gehobelt wird, fallen natürlich auch nicht so viele Späne, und dementsprechend hielt sich das Schwermetall mit dem Konsum von Betriebsstoffen und Verschleißteilen artig zurück. Durchschnittlich 5,7 Liter Super bleifrei auf 100 Testkilometer sind nicht zuviel, und die zwei Liter Öl, die auf 50000 Kilometern verbraucht wurden, sensationell wenig. Etwa zu Testmitte verlangte die S-CC 1 nach einem Satz vorderer Bremsbeläge. Den Zahnriemensatz würden wir wegen deutlicher Karies nach 50000 Kilometern austauschen, auffällig geworden war er aber noch nicht. Dem Drehmoment des langhubigen V-Twins fielen erklecklich viele Hinterradreifen zum Opfer. Im Durchschnitt betrug die Lebenserwartung der konservativ schmal dimensionierten 16-Zöller etwas über 8000 Kilometer, während die Erstausrüster-Dunlops nur knapp 4000 Kilometer durchhielten. Dafür machten die Metzeler ME 88 Marathon ihrem Namen Ehre, und auch die Dunlop D 401 wußten sowohl durch ihr Fahrverhalten wie auch durch ihre Ausdauer zu gefallen.Wer hätte es gedacht? Die Harley-Davidson Sportster 1200 Sport hat ihre sportlichen Talente eindrucksvoll unter Beweis gestellt - nicht die als Sprinter, sondern die als Langstreckenläufer.
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Harley-Davidson XL 1200 Sportster Sport (LT) (Archivversion) - Zustand

Ventiltrieb: Keine Verschleißspuren an Ein- und Auslaßnocken, Gleichmäßiges, makelloses Tragbild an den Nockenwellenlagern, Hydrostößel, Stoßstangen und Kipphebel ohne Verschleißspuren, deutliche Ölkohleablagerungen an Brennraum, Auslaßkanal und Einlaßventil des hinteren Zylinderkopfes (vorderer Kopf wurde erneuert), alle Ventile schließen dicht, Ventilschäfte und Führungen in gutem Zustand.Kolben und Kurbeltrieb: Beschichtung der Kolben ist deutlich abgetragen, Ölkohleablagerung an beiden Kolbenböden und Feuerstegen, Kolbenringe und -ringnuten maßhaltig. Kolbenbolzen und Pleuelauge mit gutem Laufbild, Pleuellager und Kurbelwellenhauptlager in sehr gutem Zustand.Kupplung: Kupplungsreib- und Stahlscheiben in sehr gutem Zustand, angesichts der Laufleistung nur minimale Rattermarken an Kupplungskorb und -nabe.Getriebe: Getrieberäder und Schaltgabeln befinden sich mit normalem Laufbild in sehr gutem Zustand. Getriebeausgangslager und Lagersitz unauffällig.Auspuff: guter Zustand, makellose Chromschicht.Fahrwerk: Ramen ohne sichtbare Schäden mit sehr gut erhaltener Lackschicht, Lenkkopflager bei 48000er Inspektion turnusmäßig erneuert, Radlager sehr gut, Telegabel und Federbeine ohne Verschleißspuren.Bremsen: Bremsscheiben plan und in gutem Zustand.

Harley-Davidson XL 1200 Sportster Sport (LT) (Archivversion) - Harley-Davidson nimmt Stellung

...zum hakeligen ZündschloßWir empfehlen, keinen schweren Schlüsselbund am Zündschloß zu verwenden. Es wäre zu prüfen, ob man hier ab und zu einen Schlüsselbund verwendet hat...zum undichten BenzinhahnHier hat Harley-Davidson einen Sicherheits-Rückruf (Recall 088) durchgeführt. Nach der Durchführung sollte das Problem nicht mehr auftreten...zur schwachen VorderradbremseDie Bremsanlage entspricht Genehmigung ECE 78.02. Die geforderten Verzögerungswerte werden von der Sportster Sport überschritten...zum Bruch der vorderen Zylinderkopfhalterung am RahmenDen Bruch der vorderen Zylinderkopfhalterung am Rahmen führen wir auf einen minimal verspannten Einbau des Motors zum Rahmen zurück. Bedingt dadurch werden die Motorvibrationen stärker auf das Fahrwerk und dessen Komponenten übertragen....zum Verschleiß des Zahnriemens und der Riemenräderdie Lebensdauer des Zahnriemens und der Riemenräder ist abhängig von der korrekten Spannung und Pflege. Es ist sehr wichtig, daß der Zahnriemen von festgesetztem Staub beziehungsweise Verschmutzung gereinigt wird. Verschmutzung kann zu übermäßigem Verschleiß des Riemens und der Riemenräder führen...zum eingelaufenen Schleifschuh der Primärtrieb-KetteDer Zustand des Schleifschuhs der Primärtrieb-Kette ist während der regulären Service-Intervalle zu prüfen und gegebenenfalls der Schuh auszutauschen

LESERERFAHRUNGEN (Archivversion)

Im September 1995 erstand ich eine XLH Sportster Standard. Zum Touren ergänzte ich: großes Windschild, Tourenlenker, Packtaschen und Gepäckträger. Erster Eindruck: noch erträglich unbequemes Fahrwerk, die Bremsen eine Zumutung, der Motor (Leistung nur zwischen 2500 und 3500/min) gelinde gesagt eine Frechheit. Mit zweiter Bremsscheibe bremst es sich um einiges besser. Andere Nockenwellen und Tauschluftfilter brachten ordentlich Leistung ab 1800/min. Ab 3500/min unverändert Vibrationen ohne Ende.Nach mittlerweile 49000 Kilometern wurden bislang nur das Kennzeichen nebst Halter Opfer der Schüttelei, außerdem vibrierte auch noch der Vergaser los. Bei 3775 Kilometern fiel der Tacho, bei 28000 Kilometern Regler und Batterie aus.Die Sporty macht im täglichen Betrieb genauso viel Spaß wie bei Urlaubsfahrten.Monika Weiershausen-WeyheMeine Sporty 1200 S kaufte ich neu im April 1996. Mit den Vibrationen kann ich leben, trotzdem: Rückspiegel so gut wie überflüssig, Kennzeichen eingerissen, Tachonadel abvibriert, Befestigungsschraube für vorderen Zylinderkopf losvibriert, Locktite-Verbrauch höher als Ölkonsum.Die lange Warmlaufphase ist bei einem luftgekühlten Motorrad wohl nicht zu umgehen. Die Dunlop SP-Reifen sind uneingeschränkt zu empfehlen. Hinten 10000 Kilometer, vorne die doppelte Laufleistung. Die Sporty hat sich auch auf langen Touren bewährt. Die Sitzbank ist sehr gut, der Soziusplatz nur ein Notsitz. Insgesamt bin ich sehr zufriedenPeter HansenIm April ‘96 bin ich (44) mit einer neuen Sportster 1200 Sport wieder eingestiegen. Mein Eindruck nach 36000 Kilometern: guter Geradeauslauf, braucht in Kurven einigen Druck, liegt aber relativ stabil. Bei brutaler Fahrweise wackelt sie gutmütig. Abhilfe gegen den schlappen Motor schafften Dynojet-Kit, High-Flow-Airfilter von Screaming Eagle sowie 2-1 Supertrapp-Auspuffanlage.Ergebnis: Druck ab 2500/min, Drehfreude ohne Loch im fünften Gang bis 5800/min. Der Spritverbrauch liegt zwischen 4,5 und 6,3 Litern. Längere Autobahn-Etappen sind wegen der harten Vibrationen zermürbend. Probleme bisher: Lampenhalter samt Tacho und Drehzahlmesser sowie das Antriebsrad des Zahnriemens losvibriert, drei Rücklichter und zwei Blinkerlampen zerschüttelt, Nummernschild und Fender hinten eingerissen.Karl-Heinz SchäferEin Milwaukee-Schwermetall läuft auch mit drei Rädern durchzugsstark und zuverlässig. Nach zahlreichen Umbauten ist das Gespann für meine Familie ein treuer Begleiter. Positive Bilanz: No Bike is perfect - man muß es nur seinen Bedürfnissen anpassenStefan GaßnerNach einem Jahr Sporty 883 mit ständig verrußten Zündkerzen und einem alle 3000 Kilometer kaputten Gummiansaugstutzen folgte bei 25000 Kilometern der Umbau auf 1200 cm³, dazu Sreaming-Eagle-Nockenwellen, Ventilfedern und Zündmodul: laut Dynojet-Test 72 PS am Hinterrad.Schäden: drei defekte Kupplungs-Ausrücklager und bei 45000 Kilometern ein Getriebeschaden. Bei 64000 Kilometern fraß bei 160 km/h ein Antriebsrad der Ölpumpe, Öl verteilte sich auf Mann und Maschine. Nach erfolgloser Motorsuche habe ich die Sporty in Teilen verkauft. Ihren Sound werde ich nie vergessen.Florian SteffensIm September ‘91 bestellte ich meine XL 883 mit großem Tank. Leider hatte ich bei 7200 einen Kolbenfresser auf beiden Zylindern. Ich ließ 1200 cm³ montieren. Bis auf die Überarbeitung der Zylinderköpfe und die Eintragungen übernahm Harley die Kosten auf Kulanz. Nach weiteren 7600 Kilometern brannte eine Zylinderkopfdichtung durch. (ebenfalls von Harley bezahlt). Bei 29800 Kilometern dann Hubzapfen-Ausbrüche und erneuter Kolbenfresser. Obwoh das Krad bereits mehr als fünf Jahre alt war, beteiligte sich Harley mit 1000 Mark an den Reparaturkosten, eine Großzügigkeit, die wohl nicht die Regel ist. Ich werde meine Harley nicht verkaufen - dem Original verzeiht man mehr!Werner OpitzIm September ‘93 kaufte ich meine Sportster 1200, die ich seither mit etlichen Umbauteilen auf 64 PS am Hinterrad gebracht habe.In den ersten drei Jahren saute regelmäßig die Fußdichtung. Dagegen hilft die dicke Dichtung mit Silikon von Harley. Risse im Kotflügel lassen sich mit einem drei-Millimeter-Loch am Ende stoppen.Ich bin mit dem Motorrad nach 35000 Kilometern sehr zufrieden. Der Motor ist nach den Modifikationen ein Hammer und absolut vollgasfestPhillip Hoxter

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