Dauertest-News (Archivversion) Murphys Gesetz

Was schiefgehen kann, wird schiefgehen. Diese oft zitierte Lebensweisheit des amerikanischen Ingenieurs Edward A. Murphy scheint sich im MOTORRAD-Fuhrpark einmal mehr zu bewahrheiten. Nachdem die Dauertester über längere Zeit von größeren Katastrophen verschont blieben, hat der Defektteufel nun gleich dreimal zugeschlagen.

Ducati 1098

Bis vor kurzem hatte der feuerrote Supersportler im Dauertest (siehe Zwischenbilanz in MOTORRAD 19/2008) ein deutlich besseres Bild als seine Vorgängerin hinterlassen. Die 999 war zwar mechanisch ziemlich gesund, kränkelte jedoch an permanenten Elektrikproblemen. Bei Testfahrten auf dem Nürburgring fiel die 1098 dann wie berichtet plötzlich durch unrunden Motorlauf und mahlende Geräusche aus dem Inneren des V2 auf. Vorsichtshalber musste sie die Heimreise im Transporter antreten. Und das war gut so, denn der Ducati-Händler fand nach Abnahme der Zylinderköpfe einen gravierenden Schaden: Der Kolben des liegenden Zylinders hatte tiefe Risse, in der Mitte drohte ein kleines Teilchen herauszubrechen. Glücklicherweise war dieser Brocken noch nicht ins Motor-innere gefalle. Wenige weitere Sekunden unter voller Last, und der Motor wäre wahrscheinlich kollabiert. So bleibt es bei einer überschaubaren Reparatur: nur der defekte Kolben muss getauscht werden.

Gerüchten zufolge waren bereits bei der Entwicklung der 1098 ab und an ähnliche Risse aufgetreten. Ebenso sind aus dem Rennsport solche Kolbenschäden bekannt, vor allem bei erhöhter Maximaldrehzahl. Nach Einschätzung von MOTORRAD handelt es sich bei der Testmaschine um einen Dauerbruch infolge hoher Belastung des dünnwandigen Kolbenbodens. Ein so starkes Aggregat baut einen hohen Verbrennungsdruck auf, der die große Kolbenoberfläche stark belastet. Die Frage ist, ob das in der Praxis häufiger auftreten kann. Laut Ducati Deutschland handelt es sich um einen Einzelfall. Wobei anzumerken ist, dass noch nicht viele Exemplare eine so hohe Laufleistung erreicht haben dürften. Man darf also gespannt verfolgen, ob der zweite Kolben die weiteren 25000 Kilometer aushält.


KTM 1190 RC 8

Seltsamerweise ereilte die parallel zur Duc am Ring bewegte KTM 1190 RC8 fast in der gleichen Minute ebenfalls ein motorischer Defekt. Besorgnis erregende Geräusche aus dem Motorinneren ließen es angeraten erscheinen, auch den Alpensportler per Transporter in die Redaktion zurückzubringen. Dort fanden sich jede Menge messingfarbene Späne im Öl. Im Beisein von MOTORRAD wurde die RC8 daraufhin beim deutschen Importeur zerlegt. Zum Vorschein kam ein aufgeriebenes unteres Pleuellager im vorderen Zylinder. Die Lagerschale hatte sich bereits mitgedreht, von ihr stammten die Späne. Weitere Schäden waren nicht erkennbar.

Nach der Untersuchung von Pleuel und Kurbelwelle im Werk sind laut KTM Spezifikationsabweichungen bei der Bearbeitung des Pleuels die Ursache. In der ersten Serie wurde der Lagersitz im Pleuel beim Lieferanten nur feingedreht, dadurch kam es in Einzelfällen zu ungünstigen Passungen, die offensichtlich durch die Qualitätskontrolle rutschten. Inzwischen werden die Pleuel nach dem Drehen in einem zusätzlichen Bearbeitungsschritt gehont, um eine exakte Maßhaltigkeit und eine höhere Oberflächengüte zu bekommen.

Weil die Testmaschine erst knapp 2000 Kilometer auf der Uhr hatte und außerdem nicht klar war, ob durch die vielen Metallteilchen im Motor bereits weiteres Unheil programmiert war, entschied sich MOTORRAD für einen Neustart. Eine Ersatzmaschine mit Tachostand null Kilometer hat mittlerweile den Dienst aufgenommen.


Suzuki Intruder M1800 R

Zu guter Letzt beunruhigte der dritte große V2 im Dauertest-Fuhrpark, die Suzuki M 1800 R, die Fahrer zunehmend mit unguten Geräuschen. Schade, viele Kilometer bis zum Ende des Dauertests haben nicht mehr gefehlt. Doch auch im Fall der Intruder musste der Händler beim Zerlegen einen ernsten Motorschaden diagnostizieren. Der Kolben des vorderen Zylinders zeigte sich ziemlich angefressen, ebenso die Beschichtung der Laufbahn, die bereits unter regelrechtem Lochfraß litt.

Schwer zu sagen, worauf dieser Schaden zurückzuführen ist. Wohl kaum auf den Ölverlust vor gut 20000 Kilometern, als die Ölablassschraube sich nach einer schlampigen Inspektion auf der Autobahn gelöst hatte. Seinerzeit hatte der Fahrer die aufleuchtende Ölkontrolllampe sofort bemerkt und so schnell reagiert, dass selbst im Stand noch Öl aus dem Motor floss. Akuter Schmierstoffmangel kann folglich nicht das Problem gewesen sein, darauf deuten auch die ansonsten guten Lager und der einwandfreie hintere Zylinder hin.

Immerhin kann der Dauertest wie bei der Ducati mit frischem Zylinder und neuem Kolben fortgesetzt werden – wenn denn die benötigten Ersatzteile endlich lieferbar sind. Bereits seit einigen Wochen wartet die Suzi auf die Ersatzteile, um dann die letzten 5000 Kilometer hinter sich zu bringen.

Übrigens: Einen Riesen-Huber gibt es im Fuhrpark, der überhaupt keine Probleme macht – die Harley-Davidson Road King hat ihre 50000 Kilometer problemlos abgespult (siehe Leseraufruf auf Seite 17). Die Endbilanz folgt in MOTORRAD 22/2008.
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Bis vor kurzem hatte der feuerrote Supersportler im Dauertest (siehe Zwischenbilanz in MOTORRAD 19/2008) ein deutlich besseres Bild als seine Vorgängerin hinterlassen. Die 999 war zwar mechanisch ziemlich gesund, kränkelte jedoch an permanenten Elektrikproblemen. Bei Testfahrten auf dem Nürburgring fiel die 1098 dann wie berichtet plötzlich durch unrunden Motorlauf und mahlende Geräusche aus dem Inneren des V2 auf. Vorsichtshal-ber musste sie die Heimreise im Transporter antreten. Und das war gut so, denn der Ducati-Händler fand nach Abnahme der Zylinderköpfe einen gravierenden Schaden: Der Kolben des liegenden Zylinders hatte tiefe Risse, in der Mitte drohte ein kleines Teilchen herauszubrechen. Glücklicherweise war dieser Brocken noch nicht ins Motor-innere gefalle. Wenige weitere Sekunden unter voller Last, und der Motor wäre wahrscheinlich kollabiert. So bleibt es bei einer überschaubaren Reparatur: nur derdefekte Kolben muss getauscht werden.
Gerüchten zufolge waren bereits bei der Entwicklung der 1098 ab und an ähnliche Risse aufgetreten. Ebenso sind aus dem Rennsport solche Kolbenschä-den bekannt, vor allem bei erhöhter Maxi-maldrehzahl. Nach Einschätzung von MOTORRAD handelt es sich bei der Test-maschine um einen Dauerbruch infolge hoher Belastung des dünnwandigen Kolbenbodens. Ein so starkes Aggregat baut einen hohen Verbrennungsdruck auf, der die große Kolbenoberfläche stark belastet. Die Frage ist, ob das in der Praxis häufiger auftreten kann. Laut Ducati Deutschland handelt es sich um einen Einzelfall. Wobei anzumerken ist, dass noch nicht viele Exemplare eine so hohe Laufleistung erreicht haben dürften. Man darf aslso gespannt verfolgen, ob der zweite Kolben die weiteren 25000 Kilometer aushält.
Seltsamerweise ereilte die parallel zur Duc am Ring bewegte KTM 1190 RC8 fast in der gleichen Minute ebenfalls ein motorischer Defekt. Besorgnis erregende Geräusche aus dem Motorinneren ließen es angeraten erscheinen, auch den Alpensportler per Transporter in die Redaktion zurückzubringen. Dort fanden sich jede Menge messingfarbene Späne im Öl. Im Beisein von MOTORRAD wurde die RC8 daraufhin beim deutschen Importeur zerlegt. Zum Vorschein kam ein aufgeriebenes unteres Pleuellager im vorderen Zylinder. Die Lagerschale hatte sich bereits mitgedreht, von ihr stammten die Späne. Weitere Schäden waren nicht erkennbar.
Nach der Untersuchung von Pleuel und Kurbelwelle im Werk sind laut KTM Spezifikationsabweichungen bei der Bearbeitung des Pleuels die Ursache. In der ersten Serie wurde der Lagersitz im Pleuel beim Lieferanten nur feingedreht, dadurch kam es in Einzelfällen zu ungünstigen Passungen, die offensichtlich durch die Qualitätskon-trolle rutschten. Inzwischen werden die Pleuel nach dem Drehen in einem zusätzlichen Bearbeitungsschritt gehont, um eine exakte Maßhaltigkeit und eine höhere Oberflächengüte zu bekommen.
Weil die Testmaschine erst knapp 2000 Kilometer auf der Uhr hatte und außerdem nicht klar war, ob durch die vielen Metallteilchen im Motor bereits weiteres Unheil programmiert war, entschied sich MOTORRAD für einen Neustart. Eine Ersatzmaschine mit Tachostand null Kilometer hat mittlerweile den Dienst aufgenommen.


Zu guter Letzt beunruhigte der dritte große V2 im Dauertest-Fuhrpark, die Suzuki M 1800 R, die Fahrer zunehmend mit unguten Geräuschen. Schade, viele Kilometer bis zum Ende des Dauertests haben nicht mehr gefehlt. Doch auch im Fall der Intruder musste der Händler beim Zerlegen einen ernsten Motorschaden diagnostizieren. Der Kolben des vorderen Zylinders zeigte sich ziemlich angefressen, ebenso die Beschichtung der Laufbahn, die bereits unter regelrechtem Lochfraß litt.
Schwer zu sagen, worauf dieser Schaden zurückzuführen ist. Wohl kaum auf den Ölverlust vor gut 20000 Kilometern, als die Ölablassschraube sich nach einer schlampigen Inspektion auf der Autobahn gelöst hatte. Seinerzeit hatte der Fahrer die aufleuchtende Ölkontrolllampe sofort bemerkt und so schnell reagiert, dass selbst im Stand noch Öl aus dem Motor floss. Akuter Schmierstoffmangel kann folglich nicht das Problem gewesen sein, darauf deuten auch die ansonsten guten Lager und der einwandfreie hintere Zylinder hin.
Immerhin kann der Dauertest wie bei der Ducati mit frischem Zylinder und neuem Kolben fortgesetzt werden - wenn denn die benötigten Ersatzteile endlich lieferbar sind. Bereits seit einigen Wochen wartet die Suzi auf die Ersatz-teile, um dann die letzten 5000 Kilometer hinter sich zu bringen.
Übrigens: Einen Riesen-Huber gibt es im Fuhrpark, der überhaupt keine Probleme macht - die Harley-Davidson Road King hat ihre 50000 Kilometer problemlos abgespult (siehe Leseraufruf auf Seite 17). Die End-bilanz folgt in MOTORRAD 22/2008.

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