Dauertest Spezial (Archivversion) 8375000 Kilometer

Mehr als 8,3 Millionen Kilometer oder im Schnitt knapp fünf Erdumrundungen pro Jahr legten die Dauertest-Motorräder seit den ersten Langstreckentests Mitte der Sechziger zurück. Ein Grund, diese einmalige Form des Tests genauer zu beleuchten.

Den Anfang machte eine BMW. Genauer eine R 25. Über 8000 Kilometer musste 1950 der Einzylinder sein Stehvermögen beweisen. Die Idee vom Ausloten der Zuverlässigkeit gefiel, Langstreckentests waren fortan Pflichtprogramm bei MOTORRAD. Zunächst sporadisch als vereinzelte Härtetests, ab Mitte der Sechziger bereits regelmäßig vier bis fünf pro Jahr. Die Zahl der Motorräder, die folgten, ist Legion, ihre Liste schier endlos lang. Einen kleinen Eindruck davon verschafft die Übersicht auf Seite 50, die all jene Maschinen führt, die seit 1991, als die Testdistanz auf 50000 Kilometer erhöht wurde, das strenge Testprogramm durchliefen. Genügten Anfang der Siebziger noch 10000 Kilometer, wurde die Distanz rasch auf 25000 und 1986 auf 40000 Kilometer angehoben, um der gestiegenen Zuverlässigkeit Rechnung zu tragen. Das Zerlegen und Vermessen gehört seit Ende der Siebziger zum Pflichtprogramm.

Das Prozedere ist für alle gleich. Zu Beginn (und am Ende) werden die Probanden gründlich durchgecheckt, Kompression, Leistung und Fahrleistungen gemessen. Nach dem Verplomben der Motoren geht es dann los. 365 Tage im Jahr, bei Wind und Wetter, auf Urlaubsfahrten, Dienstreisen oder nur dem drögen täglichen Weg zur Arbeit. Wie im normalen Leben eben. Seit 2000 steht außerdem eine jährliche Herbstausfahrt mit den Dauertest-Maschinen an. Nach rund eineinhalb Jahren ist der Marathon in der Regel geschafft.

Präsentierte sich eine Maschine auf dem Seziertisch in besonders appetitlichem Zustand und wird dieses Modell auch von den Besitzern meist sehr viel bewegt, wurde die Distanz in Einzelfällen schon mal auf 100000 Kilometer verdoppelt. Honda ST 1100, Yamaha XJ 900, BMW K 1200 RS oder Yamaha FJR 1300 A waren solche Fälle. Und weil es beim Dauertest nicht nur ums reine Fahren geht, wird die Gelegenheit ausgiebig genutzt, sinnvolles Zubehör zu testen, Reifen zu vergleichen, Empfehlungen auszusprechen. Alles penibel protokolliert, im Detail zu lesen in der Zwischenbilanz zur Halbzeit. Erfahrungen mit Service, Ersatzteilversorgung und bis dahin angefallenen Kosten inklusive. Man sollte meinen, dass immer bessere Materialien, Fertigungsmethoden und Qualitätskontrollen den Sinn dieser Übung in Frage stellen. Mitnichten, wie die jüngere Vergangenheit mit drei Motorschäden zeigt. Dazu entpuppt sich die immer komplexer werdende Elektronik mitunter als Fehlerquelle. Ob sich die Hersteller bei der Qualität ihrer Motorräder den sinkenden Fahrleistungen anpassen, Modellwechsel zu hektisch folgen lassen oder schlicht die Erprobung nicht mit letzter Konsequenz durchziehen? Wie auch immer. Es zeigt: Langstreckentests sind nach wie vor unverzichtbar.

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