Dauertest Yamaha YZ 400 F (Archivversion) Happy-End?

Am Anfang war die Skepsis groß: 12 000 Umdrehungen, 50 PS Leistung, dazu fragil wirkender Leichtbau - kann das auf Dauer gut gehen? Die Antwort bringt der 100-Stunden-Härtetest der Cross-Yamaha YZ 400 F.

Moto Cross ist preiswerter Motorsport. Die Motorräder sind erschwinglich, der Aufwand für Instandhaltung und Tuning hält sich in Grenzen. Doch nun kommt die neue Generation moderner Viertakter mit aufwendiger Technik. Schon der Einstiegspreis liegt über Zweitakt-Niveau, müssen dazu noch hohe Wartungskosten addiert werden? Dies klärte MOTORRAD in einem einjährigen Dauertest der Yamaha YZ 400 F, deren Kaufpreis mit 12 500 Mark immerhin relativ moderat ausfällt. Das Testprogramm war beileibe kein Schongang, meist zweimal wöchentlich wurde die YZ-F in Rennen oder zu Trainingszwecken eingesetzt (siehe Kasten Seite 203) - und stets wurde ihr alles abverlangt. Wer sich exakt nach den Vorgaben im Handbuch richtet, muß das immense Fahrvergnügen mit langen Abenden in der Werkstatt bezahlen: Alle 1000 Kilometer Motor zerlegen, alle 500 Kilometer Ventile einstellen. Aber keine Panik, solche Pflegehinweise finden sich prophylaktisch in den Handbüchern vieler Wettbewerbsmaschinen. Für einen Profi vielleicht sinnvoll, für Hobbyfahrer und Amateure reichlich übertrieben und praxisfremd. Daher beschränkte sich MOTORRAD auf die nötigen Wartungsmaßnahmen. So wurde die Yamaha wöchentlich mit frischem Öl verwöhnt, dazu gab es regelmäßig einen neuen Ölfilter. Der Schmierstoff, ausschließlich teilsynthetisches Castrol GPS, machte allerdings stets einen sauberen Eindruck, größere Wechselintervalle hätten wohl auch nicht geschadet.Ein häufig diskutierter Punkt ist das Einstellen der fünf Ventile. Logisch wären aufgrund der Bauweise mit Tassenstößeln und kleinen Ventilen lange Einstellintervalle ähnlich den Yamaha-Straßenmaschinen, wo 42000 Kilometer Usus sind. Dies scheint tendentiell übertragbar zu sein: Zu Beginn wurden drei der fünf Ventile nach etwa 13 Betriebsstunden einmal neu justiert, danach wurden sie zwar noch kontrolliert, aber bis Testende nicht mehr justiert. Mangels Spezialwerkzeug überließ MOTORRAD das Einstellen dem Händler, Preis inklusive ein paar kleinerer Service-Arbeiten knapp unter 300 Mark.Absolut problemlos arbeiteten Vergaser und Zündung. Da die Yamaha wirklich immer nach ein, zwei Tritten lief, wurde der Vergaser nie angerührt. Beim Testen der Auspuffanlagen stellte sich heraus, daß etwas Feintuning noch bessere Übergänge im unteren Lastbereich ermöhlicht. Hilfreich ist dabei eine einstellbare Leerlauf-Luftdüse von Topham (27 Mark, Telefon 05474/9011), allerdings muß für das Justieren das komplette Heck abgeschraubt werden. Wenig empfindlich reagiert die Yamaha auf die Zündkerze, sie begnügte sich mit insgesamt nur zwei Kerzen. Die zweite war zum Testende zwar reichlich abgebrannt, trotzdem gab es keinerlei Probleme beim Ankicken. Die Auflistung der im Laufe der Saison benötigten Ersatzteile ist übersichtlich: Je ein Satz Bremsbeläge vorn und hinten waren fällig, ein Schalthebel ging bei einem Crash zu Bruch, ein Satz Züge mußte wegen falscher Wartung (Versuche mit Schmiermitteln) ersetzt werden, die Führung der vorderen Bremsleitung brach. Die Serienkette glänzt nicht gerade mit überwältigender Qualität, eine Afam-Kette riß gar beim Start und verursachte den einzigen Ausfall. Insgesamt verschliß die Yamaha vier Ketten, dazu zwei Kettenführungen. Als resistent erwies sich eine etwas klamm laufende O-Ring-Kette, die in der Wintersaison zum Trainieren auf nassen Strecken benutzt wurde. Ein mehrfacher Tausch verkratzter Plastikteile sorgte stets für einen sauberen Auftritt, es gibt diese preiswert von Acerbis (Telefon 02471/12690) oder Ufo (Telefon 09383/99006). Auch die Cross-Szene vermeldet fast nur Positives, die phantastischen Fahreigenschaften und die Zuverlässigkeit des quirligen Viertakters überzeugen. In Einzelfällen wird von klemmenden Auslaßventilen beziehungsweise Tassenstößeln berichtet, vermutlich, weil der Dekohebel versehentlich bei laufendem Motor, zum Beispiel bei einem Sturz, betätigt wurde. Von defekten Pleuellagern war gelegentlich auch zu hören, dazu gab es abgebrochene Kickstarter, wohl eine Folge allzu unsensibler Fußtritte. Die Bilanz fällt also ausgesprochen positiv aus. Mit wenig Kosten wird die 100-Stunden-Yamaha wieder fit, so daß sie den Fahrer ein weiteres Jahr happy machen kann.

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