DEKRA: Gutachten im Originaltext (Archivversion)

Letzter Akt

SchadensumfangDer Hauptschaden ist im Bereich des ersten Zylinders eingetreten. Hier wurden alle vier Ventile durch den Kolben beschädigt, der Kolben selbst völlig zerstört, das Pleuel abgerissen und verdreht, der Lagerdeckel gebrochen, die Kurbelwelle verhämmert sowie der Motorblock zerstört. Der Kolbenschaft des zweiten Zylinders wies starke Schmutzriefenbildung auf. An der Pleuellagerstelle des dritten Zylinders ist es zu Reibern zwischen Lagerschale und Kurbelwelle gekommen. Hier wurde die Laufschicht des Pleuellagers erheblich in Mitleidenschaft gezogen. SchadensursacheDie Zerstörung des Motors erfolgte bei einer Fahrt über die Autobahn. Der Motor wurde bei der Firma BMW in München zerlegt und untersucht. Nach Auskunft von MOTORRAD wurde von der Firma BMW eine Unterbrechung der Schmierstoffversorgung aufgrund von Motorölmangel als Schadensursache diagnostiziert. Diese Diagnose kommt aus technischer Sicht als Schadensursache in Betracht, steht jedoch im Widerspruch zu der vom Fahrzeugeigner ständig durchgeführten Motorölstandskontrolle, wie vorstehend ausgeführt. Technisch gesehen wäre es durchaus möglich, daß die kurzfristige metallische Reibung zwischen Lagerschale und Kurbelwellenzapfen auch bei der 10000-Kilometer-Inspektion stattgefunden haben kann und sich dann im Lauf der Zeit bei vorhandener Schmierstoffversorgung zu dem vorgefundenen Schaden ausgeweitet hat. Zwischen einer der beiden Pleuelfuß-Befestigungsschrauben und dem Pleuelfuß hat sich schwarze Kunststoffmasse eingeschmolzen. Das Einschmelzen der Kunststoffmasse hat sich aufgrund der vorhandenen großen Hitzeentwicklung beim Durchschlagen des Motorblocks und der Verkleidung zugetragen. Es ist der eindeutige Beweis dafür, daß zum Zeitpunkt des Schadens eine der beiden Pleuelfuß-Befestigungsschrauben gelöst war. Dies kann eine Folge des permanten Hämmerns aufgrund des erhöhten Lagerspiels gewesen sein. Es ist jedoch auch denkbar, daß sich die Schraube gelöst hat, sich hierdurch das Lagerspiel vergrößert hat und somit kein schmierfähiger Ölfilm mehr aufgebaut werden konnte, wodurch dann der Schaden eingetreten ist.An zwei Bruchstücken des Kolbens sind an der Innenseite der Kolbenbolzenaufnahme deutliche Reibspuren zu sehen. Das Gleiche gilt für die Pleuelwange im Bereich der Lagerbohrung. Dies stellt einen Hinweis dafür dar, daß das Pleuel nicht richtig ausgewinkelt war. Auch dies kommt als Ursache für den eingetretenen Schaden in Betracht. ZusammenfassungDie von der Firma BMW genannte Schadenursache kommt als eine von mehreren denkbaren Möglichkeiten für das vorgefundene Schadenbild in Betracht. Eine definitive Aussage, welche der möglichen Ursachen letzten Endes für die Schadenentstehung ursächlich war, kann aufgrund des vorgefundenen, völlig zerlegten und gereinigten Zustandes der Teile nicht mehr getroffen werden.
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Motorschaden an der Dauertest-BMW K1200 RS (Archivversion) - Letzter Akt

Ein neutraler Gutachter inspizierte den geplatzten K 1200 RS-Motor
Bei Kilometerstand 18100 hatte die Dauertest-BMW K 1200 RS einen kapitalen Motorschaden erlitten (siehe MOTORRAD 21/1997). Die BMW-Diagnose: Der Exitus sei auf einen von der Redaktion zu verantwortenden Ölmangel zurückzuführen, Garantieansprüche bestünden daher nicht. Anhand des Fahrtenbuchs kann MOTORRAD aber belegen, daß der Ölstand stets korrekt war. Grund genug, einen unabhängigen Gutachter mit der Sache zu betrauen. Ein Spezialist der DEKRA ermittelte, daß mehrere Ursachen in Frage kommen (siehe unten), ein absolut sicherer Befund aufgrund der zerlegten und gereinigten Teile jedoch nicht mehr möglich ist. Zur definitiven Klärung hätte bei der Motorzerlegung durch BMW ein MOTORRAD-Mitarbeiter oder der DEKRA-Experte dabeisein müssen. WS

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