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Der Neuheiten-Paparazzo: Honda, Ducati, Husqvarna und BMW Erlkönige 2011 von Honda, Ducati, Husqvarna und BMW

Diese Erlkönige hat der Neuheiten-Paparazzo beim Test erwischt: Ducati Superquadrata, 900er Funbike von Husqvarna, V4 Crosstourer von Honda, BMW Scooter 800 sowie Honda NM1 Naked und NM2.

Wilde Klebebandorgien sind eine immer noch gerne angewandte Strategie zur Tarnung von Prototypen. Dabei gehen die Hersteller mit unterschiedlicher Kunstfertigkeit zu Werke. Honda mit faltigen, silbergrauen Streifen auf mattem Schwarz, BMW und Ducati mit fast wissenschaftlicher Akribie. Neben der Ducati Superquadrata auf dem Aufmacherfoto, die durch aufgeklebte Plastikwürste oder Klettbandstreifen ihre wahre Gestalt verbergen soll, setzten die Entwickler aus Bologna auch andere Motorräder ein. Diese waren mit reflektierenden Folienstücken auf mattschwarzem Grund verunziert, die durch extreme Kontraste den Autofokus der Paparazzo-Kamera verwirren sollten. BMW erreicht dies durch ein künstlerisch wertvolles Gewölk von feinen weißen Streifen, die in chaotischen Wirbeln über den schwarzen Grundlack geweht wurden.

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Foto: dpsimaging
Erlkönig: Ducati Superquadrata.
Erlkönig: Ducati Superquadrata.

Doch am Ende half alles nichts, die Fotos sind in der Welt und in diesem Heft. Sie zeigen im Fall der Ducati ein Motorrad, an dem abgesehen von der Einarmschwinge fast alles anders ist als an seinen Vorgängern. So ist kein Stück eines für Ducati typischen Gitterrohrrahmens zu sehen. Stattdessen weist ein schwarz verkleidetes Profil, das von der linken Hand des Fahrers schräg nach unten und hinten verläuft, darauf hin, wie der Motor am Kopf des hinteren Zylinders mit dem Monocoque-Rahmen verschraubt ist. Dort sitzt auch der Bolzen für das vordere Auge des nunmehr liegend eingebauten Federbeins. Unter dem linken Knieschleifer des Fahrers schauen die Halbmonde der Ventildeckeldichtung hervor, welche die Lage der Nockenwellen anzeigen. Leider ergeben sich keine genauen Rückschlüsse auf die Einbaulage des Motors. Gerüchteweise war zu hören, dass der Zylinderwinkel zwar bei 90 Grad bleiben, das V aber weiter nach hinten gedreht werden würde als bei den bisherigen Motoren. Das Gerücht könnte zutreffen, die Drehung nach hinten dürfte aber nur wenige Winkelgrade betragen.

Endgültig Schluss macht Ducati mit hochgelegten Schalldämpfern und sucht das andere Extrem: einen großen Dämpferkasten unter dem Getriebe- und Schwingenlagerbereich mit seitlichen Mündungen vor dem Hinterrad. Der Kasten nimmt die Form der Verkleidung auf, der Seitenständer wird ebenfalls in die Silhouette integriert. Während der Hersteller des Federbeins nicht zu identifizieren ist, stammt die Gabel ziemlich sicher von Showa. Die Bremsscheiben sind Brembo-Teile neuester Generation mit der sogenannten T-Drive-Verbindung von Adapter und Scheibe, die Brembo-Bremszangen scheinen vom Typ GP4 zu sein.

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Foto: bmh.images
Erlkönig: Honda V4 Crosstourer.
Erlkönig: Honda V4 Crosstourer.

Längere Gabeln mit längeren Federwegen kommen bei den beiden anderen Motorrädern zum Einsatz, die auf dieser Doppelseite erscheinen. Im Gegensatz zur Studie Crosstourer Concept, die Honda im vergangenen Herbst auf der Mailänder EICMA gezeigt hat, bekam der Serienprototyp eine Upside-down-Gabel mit anderen Bremszangen. Und obgleich die Felge jetzt nicht mehr schwarz ist, rollt die Honda doch nach wie vor auf Rädern mit gekreuzten Drahtspeichen. Sie sind elastischer als Gussräder und damit besser für Fahrten auf rauem Geläuf, erlauben aber trotzdem die Montage von schlauchlosen Reifen. BMW bietet solche Räder als Sonderzubehör für die Standard-GS und serienmäßig für die Adventure.

Ganz und gar eigenständig ist der Antrieb der Crosstourer. Sie bekommt den 1237er-V4 der VFR 1200 F in überarbeiteter Form und übernimmt außerdem die Einarmschwinge mit dem Kardan sowie dem mächtigen Gehäuse des Hinterachsantriebs gleich mit. Damit ist dann gleichzeitig die Verwendung des Doppelkupplungsgetriebes DCT möglich, das auch im Prototypen installiert war. Zumindest ist auf dem Foto kein Kupplungshebel zu erkennen.

Gespannt sein darf man auf die Leistung der Crosstourer. Die 173 PS der VFR wären für ein Motorrad der GS-Klasse reichlich übertrieben; vermutlich wird Honda dem V4 zwischen 130 und 150 PS mitgeben. Und hoffentlich die Drehmomentdelle des VFR-Motors ausbügeln.

Foto: huskyspy
Erlkönig: Husqvarna 900.
Erlkönig: Husqvarna 900.

Bei Husqvarna wird mit dem Prototyp des bereits angekündigten 900er-Funbikes sehr unbefangen in freier Wildbahn gefahren - das Klebewerk beschränkt sich hier auf das Verpflastern zweier grüner Kabel, die entlang der rechten Seite von Wasserpumpe und Kühler zu einem Datenlogger auf dem Soziussitz führen. Zwei andere grüne Kabel führen linksseitig aus dem Bereich nach oben, wo der Motor, der auf dem Reihenzweizylinder der BMW-F-800-Modelle basiert, einen wasserumspülten Ölkühler trägt. Der Temperaturhaushalt des Aggregats scheint also derzeit noch ein Thema zu sein.

Der Hubzapfenversatz ist ganz sicher eines. Husqvarna scheint ein anderes Konzept zu bevorzugen als den Gleichläufer mit parallel oszillierenden Kolben in den beiden Zylindern und gleichmäßiger Zündfolge, wie er die BMWs antreibt. Am wahrscheinlichsten ist ein Versatz von 90 Grad, wie ihn Yamaha erstmals in der TRX eingesetzt hat. Der Reihenmotor würde demnach wie ein V2 mit 90 Grad Zylinderwinkel klingen. Er soll auch deutlich mehr Spitzenleistung - etwa 105 PS - bringen als der Basismotor, sagte ein Informant, der einen Blick in die sehr weiten Einlasskanäle werfen konnte.

 

Auch in Sachen Design sucht Husqvarna demonstrativ eigenständige Lösungen und geht dabei über die schon bekannt gewordene, flache und kantige Frontpartie hinaus. Über einem knapp sitzenden kleinen Vorderradkotflügel befindet sich nämlich ein spoilerartiges Gebilde, das aussieht wie ein aufs Motorrad übertragener Monoposto-Frontflügel. Massiv und markant prangt an der linken Seite der schräg angeschnittene Schalldämpfer.

Erlkönige von Honda, Ducati, Husqvarna und BMW Teil 2

Gleich zwei Modelle der diesjährigen Erlkönigflotte sind im Grenzbereich zwischen Motorrad und Roller unterwegs. Eines davon war zu erwarten, das andere kommt überraschend. Anders als bei den Studien Low Rider und Concept 6 ging BMW zügig daran, die im letzten Herbst präsentierte Studie Concept C, einen Roller mit vermutlich 800 cm³ Hubraum, in Serie zu bringen. Soweit sich das unter der Kriegsbeklebung erkennen lässt, weicht das Serienfahrzeug in der Gestaltung von Sitzbank und Heckpartie sowie der Verkleidung erheblich von der Studie ab, ganz zu schweigen von der Ausstattung.

Foto:
Erlkönig: Honda NM2.
Erlkönig: Honda NM2.

Honda testete im noch verschneiten Gebirge neben der Crosstourer auch ein Fahrzeug mit Rollerfront und Motorradheck. Pikanterweise rollte das Gefährt auf einer Mischbereifung von Bridgestone vorn und Metzeler hinten. Patentzeichnungen legen die Vermutung nahe, dass als Antrieb der 680er-V2 dient, der auch die Transalp, die Deauville und die DN-01 antreibt, beziehungsweise antrieb. Weil auch dieser Grenzgänger keinen Kupplungs- oder Schalthebel besitzt, ist er mit DCT oder einer Automatik im Stile des stufenlosen DN-01-Getriebes ausgerüstet.

Das Gleiche gilt für ein offensichtlich preisgünstig mit Stahlrohrrahmen und schlichter Kastenschwinge aufgebautes Naked Bike mit dem Namen NM1 Naked. Es hat mit der NM2 auch den Antrieb und die Hinterradschwinge gemeinsam, wie ein Vergleich der Fotos zeigt. Deutlich zu erkennen sind ein ABS-Sensorkranz in der vorderen Einscheibenbremse und ein Honda-typischer Dreikolben-Schwimmsattel; die zwei Bremsleitungen, die von dort abgehen, deuten auf ein Kombibremssystem hin. Insider wollen wissen, dass die NM1 Naked um die 8000 Euro kosten und im Frühjahr 2012 auf den Markt kommen soll.

Foto: Herseller

Gerüchteküche

"Solange es Benzin gibt, wird Harley-Davidson luftgekühlte Motoren bauen." Erst vor Kurzem, in MOTORRAD 10/2011, haben wir diesen Ausspruch von Willie G. Davidson wieder einmal zitiert. Doch so tough und endgültig wie er sich anhört, können ihn offenbar nicht einmal mehr die Traditionalisten aus Milwaukee umsetzen. Deshalb haben sie unlängst eine Wasserkühlung im Wasserpfeifenformat zum Patent angemeldet. Quasi ein bisschen Wasserkühlung. Weil die heißeste Zone eines Motors im Bereich der Auslasskanäle liegt, legten die Ingenieure einen kleinen Kühlwasserkanal rund um die Auslasszone. In der Zeichnung sieht das so ähnlich aus wie die Saarschleife. Mit dieser minimalistischen Lösung lässt sich das Erscheinungsbild eines luftgekühlten Motors erhalten, die notwendigen Installationen und auch der Kühler bleiben klein und sind gut zu verstecken. Zumal die Touring-Harleys ohnehin Ölkühler tragen. Diese Diskretion hat Tradition - auch die Antiblockiersysteme oder überhaupt die Elektrik sind fast nicht zu entdecken.

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