Der Preispoker Praxistipp

Unter Motorradkäufern herrschen oft wirre Vorstellungen über
die Rabatt-Möglichkeiten der Händler. Ein paar Fakten: Bei Neu-
maschinen beträgt die Marge, also die Differenz zwischen Einkaufs- und Listen-Verkaufspreis, im Idealfall (!) 14 bis 18 Prozent – meist
eher 14 oder noch weniger. Das ist nicht der Gewinn, denn vom ein-gespielten Geld muss der Händler seinen Laden, die Mitarbeiter, alle
sonstigen Betriebskosten und natürlich Steuern zahlen.
Traum-Rabatte von 20 oder mehr Prozent sind also nur dann drin, wenn der Händler von seinem Lieferanten, zum Beispiel dem Importeur, Abverkaufshilfen für Standuhren bekommt – oder einfach gnadenlos draufzahlt. Schnäppchenjäger sollten sich dann allerdings nicht wundern, wenn der so superbillige Händler nächstes Jahr nicht mehr existiert und sie für Garantiearbeiten oder Inspektionen weiter fahren müssen und dort nicht unbedingt mit offenen Türen empfangen werden. Wer das Gespräch schon mit der Frage nach Rabatt eröffnet, stellt sich eher ungeschickt an, denn kein Händler möchte sich als
reiner Rabatt-Automat verstanden wissen.
Die Frage nach dem »Hauspreis« oder einem »Gesamtpaket« ist da
viel eleganter und freundlicher. Von den Maschinen, die der Händler
auf dem Hof hat, trennt er sich verständlicherweise (Zwischenfinanzierungs-Zinsen!) viel lieber und zu besseren Konditionen als von
solchen, die er erst noch bestellen muss. Wer bei der Farbe seines Lieblingsmotorrads flexibel ist, hat daher bessere Chancen, einen guten Preis zu erzielen. Ob man bar bezahlt oder finanziert, ist dem Händler prinzipiell egal, denn bei einer gewöhnlichen Finanzierung hat er sein Geld einen Tag später von der finanzierenden Bank.
Bei einigen Superzins-Angeboten beteiligen Hersteller oder Importeure aber ihre Händler an der Verkaufshilfe. Und dann beträgt die Marge nun mal nicht 14 Prozent, sondern deutlich weniger.
Wer da bar bezahlt, hat mehr Verhandlungsspielraum. Bevor man seinen Händler beim Feilschen um den letzten Euro Nachlass bis aufs Blut quält, sollte man es mit Naturalien probieren: ein neuer Helm als Zugabe, die erste Inspektion für lau, die Lederkombi zum Händler-Einkaufspreis. Bei Zubehör, Bekleidung und Dienstleistungen haben die Motorradhändler deutlich mehr Spielraum als
beim Neumaschinen-Geschäft.
Merke: Zu guten Geschäften gehören immer zwei Zufriedene. Ein guter Draht zum Händler kann Gold wert sein, wenn’s später mal
um Kulanzanträge, Unfallreparaturen oder auch nur um die Terminvergabe in der Hauptsaison geht. Selbst bei berechtigten Garantieansprüchen einer anderswo gekauften Maschine. kh

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