Design Kawasaki ZR-7 (Archivversion) Studienarbeit

Er hätte es wissen müssen: Keishi Fukumoto ereilte nach zehn Jahren Zugehörigkeit zu Kawasaki Heavy Industries dasselbe Schicksal wie tausende Kreative seinesgleichen, die in Industriediensten zeichnen. Entwurf abgelehnt.

Einen schönen Entwurf halbwegs heil in die Serienproduktion zu überführen klappt so gut wie nie. Entweder kommt seine Realisierung zu teuer, macht fertigungstechnisch zuviel Aufwand oder offenbart ganz einfach praktische Mängel. All dies dürfte im Fall der anfänglichen Design-Studien zur Kawasaki ZR-7 zugetroffen haben, für die der 36jährige Keishi Fukumoto als Chef-Designer der Styling Section im wahrsten Sinne des Wortes verantwortlich zeichnet. Vermutlich haben sich Fukumoto und seine Zeichner, deren Computermäusen so erfolgreiche und anspruchsvolle Produkte wie die Kawasaki ZX- 9R oder GPZ 1100 entsprungen sind, mit dem Auftrag, ein möglichst preiswertes Naked Bike in konventioneller Bauweise zu entwerfen, unterfordert gefühlt und sind in ihrer Kreativität übers Ziel weit hinausgeschossen. Das zumindest legt die Studie links unten nahe: gerade gezogenes Hauptrahmenrohr zwischen Lenkkopf und Schwingenlagerung, die Schwinge in optischer Verlängerung angeordnet, hochgelegte Auspuffanlage - sehr sportiv, aber wenig praxisgerecht. Am Schluß hatten die Betriebswirte wieder die Oberhand und wollten nichts als ein möglichst attraktiv gestyltes, preisgünstiges Zweirad sehen, das bald die Zephyr abzulösen hat. Von der unterscheidet sich die ZR-7 auf den ersten Blick auch nur durch die Uni Trak-Radaufhägung mit einzelnem Federbein. Selbst der Motor gleicht dem Zephyr-Triebwerk wie ein Ei dem anderen, hat aber diverse Feinarbeiten im Inneren über sich ergehen lassen. Ein zusätzlicher Kettenspanner für die Primärkette, ein modifizierter für die Nockenwellenkette, geänderte Zahnflankenprofile im Getriebe dienen nur einem Ziel: Geräuschminierung. Während der Drosselklappensensor an den Vergasern das Ansprechverhalten verbessern hilft. Und noch etwas sieht man nicht: Krümmer und Auspufftopf bestehen aus rostfreiem Stahl. Keishi Fukumoto durfte inzwischen seinem Ideenreichtum wieder freien Lauf lassen: Er designte das neue Flagschiff ZX 1200 A, um es für die prestigeträchtige Durchbrechung der 300-km/h-Schallmauer zu trimmen.

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