Designbike Dodge Tomahawk (Archivversion) Einfach nur Beil

Wahnsinn von Daimler-Chrysler: Der Auto-Konzern zerschlägt das Einerlei motorisierter Langeweile – mit einem Motorrad! In Detroit debütierte die Dodge Tomahawk, eine scharfe Waffe mit 8,3-Liter-V10 und 507 PS.

Dreht Daimler-Chrysler durch? Nein, Daimler-Chrysler dreht auf. Sie wollen die Verkörperung eines neuen Geistes, die Inszenierung des Unkonventionellen. Sie wollen »der Mittelmäßigkeit einen Schlag ins Gesicht versetzen« und haben die Kreativität von der Leine gelassen. Endlich: Sie haben ein Motorrad gebaut, die Dodge Tomahawk. Aber sie sagen nicht Motorrad dazu. Sie benutzen ausweichlerische Begriffe wie »mechanische Skulptur« oder »Symbol extremen Denkens«. Einem zweifelhaften Tarnungsversuch gleich, hatte Chrysler-Chef Dieter Zetsche den Designern zu bedenken gegeben: »Wir sind Autohersteller. Also verpasst der Studie vier Räder.« Sie hat sie bekommen, die vier Räder, und dazu den 8,3-Liter-V10-Motor, der gemeinhin der Chrysler Viper zu gebührendem Respekt verhilft. Trotzdem wird sich wohl kaum einer hinstellen und sagen: »Guck mal, schönes Auto.« Es fährt schräg, also ist es ein Motorrad. Das Fahrwerk mit Achsschenkellenkung, doppelten Längslenkern vorn und Einarmschwingen hinten ermöglicht Schräglagen von 45 Grad. Allerdings räumt Designer Trevor Creed ein, man habe »in Kurven ein bisschen vorsichtig zu sein auf diesem Ding«. Die Tomahawk sei halt mehr für die Show und fürs Cruisen, sie folge der Unternehmensmaxime, »das Leben bei den Hörnern zu packen«. Womit die Studie auch zu dem Bekenntnis wird, dass dies in den spaßfreien Zonen klimatisierter Innenräume und auf den behaglichen Ledersesseln der meisten Autos zunehmend schwieriger wird. An den Lenkerstummeln dieses Geschosses hingegen ist es nicht nur möglich, es ist auch bitter nötig, das Leben bei den Hörnern zu packen. Und sich dabei ordentlich festzuhalten: Denn die 507 PS sind gut für eine Höchstgeschwindigkeit weit jenseits der 400 km/h und damit auch weit jenseits der Vorstellungskraft. Obwohl: Eine solche Einschätzung hätte vor kurzem auch für die Tomahawk selbst gegolten. Zumal in einem Konzern wie Daimler-Chrysler, der sich bislang mit Innovationen anderer, sprich bürgerlich vernünftiger Art, hervorgetan hat. Weniger verwunderlich hingegen scheint, dass die Tomahawk in den USA aus der Taufe gehoben und in der Bezeichnung an den gleichnamigen Marschflugkörper angelehnt wurde. Nun ließe sich unken, das passe doch hervorragend zur gegenwärtigen amerikanischen Stimmungslage. Doch würde derartige Häme dem Geist der Tomahawk nicht gerecht. Denn fernab kriegerischer Überlegungen beschreibt Zetsche die Tomahawk einfach als »Wunsch auf der Kante zu leben, zu tun, was kein anderer macht«. So war er auch, im besten Sinne, verrückt genug, sich von der Idee seiner Designer begeistern zu lassen. Er und sein Vize Wolfgang Bernhard schauten sich nur an und sagten: «Lass es uns bauen, lass es uns bauen.« In einem halben Jahr entstand das Projekt in Zusammenarbeit mit RM Motorsports, einer Firma, die historische Rennautos restauriert und Prototypen baut. Alles um den Motorblock - Getriebe, Bremsen, Kettenantrieb, Tank, Kühler und Bedienelemente - wurde in Handarbeit gefertigt.Sogar einer Kleinserie steht – zumindest in den Gedanken der Chrysler- Verantwortlichen - nichts entgegen. Sie brüten derzeit über einer Auflage von etwa 100 Exemplaren. Für solche, die der Mittelmäßigkeit nicht nur einen Schlag ins Gesicht versetzen, sondern sie einfach aus den Schuhen boxen wollen.

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