designpreis (Archivversion) Jugend-Stil

Jungdesigner aus aller Welt beteiligten sich am Intermot/IVM-Designwettbewerb. Noch bevor
die Jury aus über 100 Entwürfen ihre Favoriten wählt, zeigt MOTORRAD die heißesten Kandidaten.

Traditionalisten und ewig Gestrige werden die Nase rümpfen. Das sollen Motorräder sein, wie sehen die denn aus? Sie sehen so aus, wie junge Menschen sich das Motorrad für junge Menschen wünschen. Genau das nämlich entspricht der Themenstellung des Wettbewerbs, und es entspricht den Lebenswelten derer, die aufs Motorrad gebracht werden sollen.
Auffällig ist, dass der Motor – bislang Herzstück einer jeden
Maschine – bei zirka 80 Prozent aller Entwürfe versteckt wird. Anders als bei vollverkleideten Sportlern verschwindet der Antrieb nicht aus aerodynamischen Zwecken hinter einer Verschalung. Er verschwindet aus ästhetischen Gründen, die aus einem modifizierten Technikverständnis resultieren. Die Mechanik tritt hinter ein nach produktgestalterischen Gesichtspunkten geformtes Gehäuse zurück, wird verkapselt, ähnlich dem Innenleben eines Computers. Da guckt kein Vergaser mehr raus, da zählt keiner mehr Kühlrippen. Diese Leute sind cleane, slicke Formen gewöhnt. Das hinterlässt Spuren in der Optik der Motorräder. Designer Oliver Neuland, der den Wettbewerb für den Industrie-Verband Motorrad (IVM) organisiert hat, sieht das ähnlich: »Die Kapselung erleichtert es, sich um eine konkrete Technikaussage zu drücken und mit einer großen, verbindenden Form zu arbeiten.« Geschaffen wird diese Verbindung fast immer dadurch, dass nicht allein das Hinterrad über eine Schwinge geführt wird. Die traditionelle Telegabel hat ausgedient. Ein weiteres Merkmal fast aller Entwürfe: der Einzelsitz. Wie beim Skateboarden, Mountain-
biken, Surfen spricht nichts dagegen, den Spaß in der Gruppe zu suchen. Freilich in einer Gruppe, in der jeder seinen eigenen Untersatz mitbringt.

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