Deutsche Elektro-Racer (Archivversion) Hochspannung

Zur Premiere des ersten „grünen“ Motorradrennens bei der TT treten auch zwei deutsche Teams mit selbst konstruierten Elektro-Rennern an.

Die Pionierzeit der Elektro-Renne-rei erlebt am 12. Juni 2009 ihre Feuertaufe. Dann startet im Rahmen der Tourist Trophy der benzinfreie TTXGP auf der Isle of Man (siehe Info-Kasten). Mit dabei: Thomas Schönfelder, TT-erfahrener Pilot und Initiator des XXL-Racing-Teams. Dessen Chef Thomas Schuricht, Entwickler von Soft- und Hardware für Kfz-Antriebssysteme, gewann bereits vor 20 Jahren (!) Rennen mit selbst gebauten Elektro-Karts. Und Mechatroniker Marko Werner sam-melte wichtige Erfahrungen mit dem Transrapid. Vollkommen elektrisiert, haben die drei binnen weniger Monate eine Laverda Formula 650 umgebaut. Ihr neuer Motor ist klein, aber oho. Er stammt aus Audis nie in Serie gegangenem Hybrid-Prototyp „Duo“. Satte 90 kW, 122 PS, leistet er bei 350 Volt Gleichspannung und 300 Ampere. Dann allerdings wäre keine volle TT-Runde mit 60,7 Kilometern drin. Daher liegt die Dauerleistung bei 45 kW. Kupplung und Getriebe fehlen, schalten ist passé.

Das starke, gleichmäßige Drehmoment des Elektroantriebs und die hohe Drehzahlreserve dieses Dreiphasen-Drehstrom-motors machen‘s möglich. Er dreht locker 10000/min und verträgt 12000 Touren. Zur Kühlung reichen ihm und der Steuerelektronik ein kleiner Kühler in der Verkleidung. Als Energiequelle dienen 36 Batteriepacks aus 2100 einzelnen Lithium-Mangan-Zellen. Diese allein kosten 15000 Euro, sie sitzen im Heckbürzel und unter der Verkleidung. Ob der berüchtigte Inselregen Kriechströme oder einen Kurzschluss hervorrufen könnte? Nein, das Team vertraut seiner Elektrik, wenngleich das Reglement zwei Notschalter inklusive Überstromschutz vorschreibt, eines im Cockpit für den Fahrer, eines am Heck, für Streckenposten bei etwaigen Unfällen. Zudem wird im Falle von Regen am 12. Juni das Rennen auf den Folgetag verschoben. Das zweite deutsche Team, eRockit aus Berlin, baut einen 16 kW (22 PS) starken Racer, dessen Sechsganggetriebe größere Reichweite ermöglichen soll. Dazu den innovativen Hingucker Humanhybrid. Er kombiniert durch fahrradartiges, ständiges Treten des Fahrers Muskel- und Motorkraft, siehe MOTORRAD 6/2009. Bei allen Konzepten geht‘s letztlich ums Ankommen, elektrische Energie intelligent abzurufen und bereitzustellen. Es bleibt spannend!

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