Motorrad-Neuheiten 2013 von BMW Erlkönige: Die geheimen Pläne von BMW enthüllt

Feuer frei! Die Produktoffensive der Münchner geht in die nächste Runde. Die MOTORRAD-Erlkönigfotos der letzten Monate decken nun Schritt für Schritt die BMW-Strategie auf. Zeit für eine Zusammenfassung.

Foto: Kraft

Zeitenwende in der Motorradszene: Die europäischen Hersteller greifen an, allen voran BMW mit einer in der Firmengeschichte einzig-artigen Modelloffensive. Fast könnte man meinen, die Münchner wollten die ganze Welt aus den Angeln heben. Klar ist, zurzeit können sie vor Kraft kaum laufen: Markt-anteil weltweit innerhalb von drei Jahren verdoppelt, mit der R 1200 GS das meist-verkaufte Motorrad in Europa am Start, endlich Siege in der Superbike-WM mit der S 1000 RR. Der Sechszylinder fast ausverkauft, starkes Wachstum in allen Märkten weltweit. Was will man mehr?

Umso überraschender kam dabei auch für Insider der plötzliche Wechsel an der Spitze von BMW Motorrad: Hendrik von Kuenheim verantwortet in Zukunft die Märkte Asien, Ozeanien und Südafrika, sein Nachfolger Stefan Schaller sei immerhin Motorradfahrer, aber zuletzt beim Glashersteller Schott im Vorstand gewesen. Er wird jedenfalls in diesen Tagen seinen Job antreten und eine BMW-Entwicklungsmannschaft unter Volldampf vorfinden. „Wir haben jede Menge Ideen und auch das Geld. Mir fehlt aber die Manpower, um das alles umzusetzen“, erzählte von Kuenheim in vertraulicher Runde. Der viel diskutierte Fachkräftemangel sei bei ihm im Motorradgeschäft schon da. Und wenn nun auch noch Erzrivale Audi in das Zweiradthema einstiege, gäbe es tatsächlich große Not. Dennoch, andere Hersteller wären froh, sie könnten so aus dem Vollen schöpfen, wie es die BMW-Leute offensichtlich tun.

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Foto: Höhne

Was kommt nun in den nächsten 24 Monaten auf uns zu? Noch etwas Zeit ist es bis zur Präsentation des aggressiven Streetfighters S 1000 RS Naked auf Basis der 200-PS-Supersport-Rakete. Die Planung dafür wurde schon vor einiger Zeit gestartet, der Entwicklungsbedarf in Sachen Fahrstabilität und Design sei aber durchaus intensiv, so hört man aus gewöhnlich wohlinformierten Kreisen. Mit ganz so viel Leistung wie das Superbike wird die Streetfighter-Version dabei sicher nicht antreten. Aber gute 160 PS darf man der von unserem Zeichner Stefan Kraft auf Basis schemenhafter Erlkönigbilder entworfenen Maschine durchaus zutrauen. Mit viel Elektronik wird BMW versuchen, die Wheelie-Neigung einer solchen Waffe in Schach zu halten, eine längere Schwinge und eine aerodynamisch optimierte Lenkerverkleidung sollen zusätzlich helfen.

In eine neue Ära wird BMW mit dem Wasserboxer eintreten. Und natürlich wird diese völlig neu entwickelte Antriebseinheit nicht nur in der schon mehrfach auf Testfahrten erwischten R 1250 GS verbaut werden. Selbstverständlich setzt BMW sie schrittweise in allen bisherigen Modellen ein. So dürfte nach der mit ziemlicher Sicherheit auf der INTERMOT im Oktober präsentierten Reiseenduro der Tourer R 1250 RT mit nochmals leistungsgesteigertem Boxer auf den Plan treten. Um die 135 PS sollte dieser dann leisten, die GS wird etwas darunter liegen.

Gespannt darf man auch auf weitere Boxer-Modelle sein. Eine nackte R 1250 R mit kürzeren Federwegen, als die GS sie hat, ist dabei ebenso denkbar wie auch eine R 1250 ST als klassischer Sporttourer. Und ganz zum Schluss, gegen 2014, dürfen sich Boxer-Sportfahrer auch Hoffnung auf eine sehr sportliche Version mit 150-PS-Wasserboxer machen.

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Foto: bmh-images

Eher gemütlicher wird es auf den schon bald präsentierten F 650 GS und F 800 ST zugehen. Die erfolgreichen Reihenzweizylinder bekommen vor allem eine optische Überarbeitung mit viel gefälligerem Design. Die ST-Version mit Einarmschwinge und Alurahmen behält dabei auch ihren wartungsarmen Zahnriemenantrieb. Höchstwahrscheinlich wird BMW diese beiden Modelle bereits vor der Messe in Köln enthüllen.

Foto: Höhne

Wortkarg gibt man sich in München zum Thema Retro-Boxer. Wie MOTORRAD in Ausgabe 13/2012 enthüllte, baut BMW an einer weiteren Version des alten, luftgekühlten Boxers. Ein klassisches Naked Bike mit konventionellem Fahrwerk, das eher in die Richtung einer Ducati Monster zielt. Sicher eine gute Entscheidung, gibt es doch noch Zigtausende BMW-Freunde, denen die moderne Plastik-linie der aktuellen Maschinen ein Gräuel ist. Die stehen auf das pure, ehrliche, handwerklich sauber gemachte Motorrad ohne Schnickschnack. Chrom, Kühlrippen, Drahtspeichenräder sind in dieser Szene die Zauberformel für Erfolg. Die Studie Lo Rider war ein erster Schritt. In Serie wird die 1200er durchaus ähnlich radikal gestaltet gehen.

Foto: Höhne

Großen Mut bewies BMW mit der Entscheidung, in das Rollergeschäft einzusteigen. Die bereits vor einiger Zeit präsentierten 650er wurden aber zumindest bis Redaktionsschluss dieser MOTORRAD-Ausgabe noch nicht ausgeliefert. Ein missglückter Serienanlauf - bei einem so neuen Produkt ist das durchaus drin.

Noch mutiger will BMW aber mit einem rein elektrisch betriebenen Roller werden. Die Antriebstechnik entwickelt BMW dabei in ganz großem Stil. Denn vor allem im Automobilbereich möchte BMW Vorreiter dieser neuen, leisen und umweltfreundlichen Technologie sein. Das färbt auf die Zweiradsparte ab und liefert Know-how.

Schon auf dem letztjährigen „Technology-Day“ präsentierte BMW die mächtige Antriebsbatterie des Rollers. Quasi der-gesamte Boden war dabei mit Akkus ausgefüllt. Ziel ist es, den Elektroroller mindestens so schnell wie den Verbrenner beschleunigen zu lassen und mindestens 100 Kilometer weit damit fahren zu können. Wenn man bedenkt, dass der normale Benzinroller schon über 11 000 Euro kostet, mag man sich den Preis für den Stromer gar nicht erst ausmalen. Aber vielleicht gibt es den Akku ja auch im Leasing, da sind sich die BMW-Leute noch gar nicht einig.

Eine Menge Projekte also. Aber, da ist sich MOTORRAD sicher, längst nicht alles, was BMW in der Pipeline hat.

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