Die grosse und die kleine Schwester (Archivversion)

Ganz wie die Schwester, möchte man bei der ersten flüchtigen Begegnung mit der Triumph Street Triple ausrufen, denn die Kleine ist der großen Triple wie aus dem Gesicht geschnitten. Doch der erste Eindruck täuscht. Technisch basiert die Street Triple fast zu 100 Prozent auf der Supersportlerin Daytona, von der Rahmen, Motor, Räder und sogar der Tank stammen. Und trotzdem: Wer sich für eine charismatische, unver­kleidete Engländerin interessiert, muss sich zwischen Street und Speed entscheiden.
Für alle, die in Geldfragen grundsätzlich etwas klamm sind, ist die Sache klar. 3890 Euro Preisdifferenz zugunsten der kleinen Schwester sind ein gewichtiges Wort. Das gilt natürlich ganz besonders in Anbetracht der fulminanten Qualitäten, welche die Street Triple in die Waagschale wirft. Wer auf ihr durch die Gegend räubert, wird die Speed Triple nicht so schnell vermissen. Die knapp 30 Mehr-PS spielen angesichts des kräftigen Antritts des 675ers auf der Landstraße keine Rolle, das deutlich geringere Gewicht (siehe Daten rechts), das bestechende Handling und die feine Ergonomie sprechen gar für die kleine Schwester. Wer von der Street auf die Speed Triple umsteigt, fühlt sich ein wenig wie beim Bullenreiten. Man sitzt mehr auf als im Motorrad, umspannt mit den Oberschenkeln den breiten Tank und packt die Große am Lenker wie ein Stier an den Hörnern.
Das hat etwas Archaisches, ist aber nicht unbedingt besser. Ganz im Gegensatz zu den Federelementen, die in einer anderen Liga spielen. Abstimmung, Ansprechverhalten, Dämpfung, Einstellmöglichkeiten – alles deutlich besser. Nicht ganz so krass, gleichwohl spürbar ist der Unterschied bei den Bremsanlagen und dem mächtig an­reißen­den Motor. Grundsätzlich gilt: Im direkten Vergleich zeigt die große Schwester der ­kleinen schon, dass immer noch ein wenig mehr geht. Wer nur die Kleine kennt, wird ­die Große jedoch nicht vermissen.

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