Die Kleinen vor (Archivversion)

Wenn ein Triebwerk bei gleichem Hubraum schmaler, kürzer, niedriger und obendrein
leichter wird, und das bei größerer Schwungmasse und gestiegener Leistung, dann haben seine Konstrukteure gewaltige Fortschritte erzielt. So geschehen beim von Grund auf neu konstruierten Motor der GSX-R 600 und dem analog entwickelten Aggregat der GSX-R 750. Die
übrigens keineswegs maßstäblich verkleinerte 1000er-Vierzylinder sind. Im Gegenteil, wie bei Yamaha, Honda oder Triumph zu beobachten, geben die Kleinen den Takt der Entwicklung vor.
Sie sind die ersten Serienmotoren von Suzuki, deren Getriebewellen übereinander angeordnet wurden und die dadurch satte 54 Millimeter an Baulänge sparen. Wozu auch die ins Gehäuse integrierten Zylinder beitragen. So konnten nicht nur die Lage des Schwerpunkts und die
Gewichtsverteilung optimiert, sondern es konnte auch eine längere Schwinge verwendet werden, welche wiederum die Traktion des Hinterreifens verbessert.
Weniger Spielraum blieb bei der Reduzierung der Breite; 16 Millimeter konnten die Suzuki-Ingenieure gewinnen, indem sie die Zylinder bei gleich gebliebener Bohrung näher zueinanderrückten und eine nur 9,5 Millimeter schmale Lichtmaschine auf den linken Kurbelwellenstumpf setzten. Da auch die Brennräume näher beieinander liegen, zusätzlich die äußeren Einlasskanäle leicht einwärts gedreht wurden, konnten acht Millimeter an der Breite der Drosselklappenkörper wegfallen. Die wurden sogleich genutzt, um Airbox, Tank und Verkleidung schmaler zu machen.
Weil die Titanventile und die Kanäle im Zylinderkopf an Durchmesser zulegten, musste der
Ventil-winkel nochmals enger werden, damit die möglichst gerade Führung der Einlasskanäle erhalten bleiben konnte. Wodurch aber der Zylinderkopf in der Höhe wächst. Trotzdem verlor
der komplette Motor 20 Millimeter an Bauhöhe; wohl auch dank der Schmiedekolben mit ganz
kurzen ausgeschnittenen Kolbenhemden. Konstruktion als ständige Grenzwertbetrachtung.
Was hat’s gebracht? Zwischen 120 und 125 PS beim 600er, rund 150 PS beim 750er hieß es
hinter vorgehaltener Hand. Das wäre bescheiden angesichts von 120 und 148 PS der Vorgänger-
modelle. Doch in diesen Angaben steckte viel Prospekt-Tuning.

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