Die richtige Fahrschule (Archivversion) Schein oder nicht Schein

Ein Motorradführerschein kostet eine Menge Geld. Dafür darf
man etwas erwarten. Was? Das hat MOTORRAD zusammengestellt:
13 Kriterien, die bei der Wahl einer Fahrschule helfen können.

Der achtzehnte Geburtstag steht vor der Tür, und höchst erwartungsvoll melden sich junge Damen und Herren in der Fahrschule ihres Vertrauens an. Fahrschule des Vertrauens? Na ja, eigentlich
ist es meist die Fahrschule, in der die Kumpels den Schein gemacht haben, und darum geht man dort ebenfalls hin.
Dass es da ganz grobe Unterschiede gibt, wer weiß das schon mit siebzehn? Und helfen einem Fahrlehrer nicht weiter bei dem großen Schritt hin zum Erwachsenwerden oder sich zumindest so zu fühlen? Welcher Teenager wird da auf aufrührerische Gedanken kommen und etwa bemängeln, dass ihm kein Ausbildungsplan vorgelegt wird (siehe Kasten »13 Kriterien«). Oder wer traute sich zu sagen: »Ich möchte eigentlich nicht bei fünf verschiedenen Leuten Stunden haben.« Irgendwie wird er es schon richtig machen, der Fahrlehrer – immerhin sind dank seiner Be-
mühungen bereits eine ganze Menge Leute
zu ihrem Schein gekommen.
Wenn es nebst der Fahrerlaubnis fürs Auto auch noch der Schein für ein Zweirad sein soll, macht das die Chose ein kleines bisschen anspruchsvoller. Denn ein guter Ausbilder für den Pkw muss nicht zwingend der Richtige fürs Motorrad sein.
»Wie, Motorrad auch noch? Hast du dir das gut überlegt? Brauchst du doch gar nicht, kannst doch bei deinem Freund mitfahren.« Als Mädel darf man sich so manches anhören. Doch der Wille der Kundin erringt einen vorläufigen Sieg. Das Garagentor zum Zweiradhimmel tut sich auf, und eine 125er im Chopper-Stil sowie eine steinalte – aber das weiß die Fahrschülerin ja nicht – Honda kommen zum Vorschein. Die erste Übungsstunde findet auf einem leeren Parkplatz statt. Mit der 125er. An
die »Große« dürfen Mädels erst ganz zum Schluss ran. Die ist zu teuer. Zu teuer
dafür, dass sie dauernd weggeschmissen wird, sagt der Fahrlehrer. Auf ausführliche Erklärungen wird verzichtet, und los geht’s, zunächst mal um die Hütchen. Na, so schlecht stellt sich die junge Dame ja gar nicht an, dann kann es gleich auf der Straße weitergehen.
Keine vierzig Minuten später befindet sich der Frischling mitten im Verkehr. Nur dumm, dass die 125er öfter mal ausgeht, vorzugsweise an Ampeln und Kreuzungen. Der Fahrlehrer bemüht sich nicht aus
seinem jägergrünen Golf, sondern gibt
per Funk Ratschläge wie: »Ordentlich mit Schwung antreten!« und »Mensch Mädel, da hinten stauen sich inzwischen die Autos.« Am Ende der Fahrt gilt es dann noch los zu werden, dass ein echter
Motorradfahrer das Ankicken schon beherrschen sollte. Die Existenz des Elektrostarters, wohl eigens eine Erfindung für schwächliche Frauen, ist anscheinend noch nicht überall bekannt. Leicht nachvollziehbar, warum das Projekt Führerschein Klasse A da schnell gestorben und beerdigt ist. Der Autorin erging das so – vor zehn Jahren.
Heute ist natürlich alles anders, denkt man. Beseelt vom Wunsch, doch noch eine Motorradfahrerin zu werden, und mit zehn Jahren zusätzlichem Selbstbewusstsein beginnt die Fahrschulsuche. Erstes Erlebnis: »Wie, so groß und immer noch
so kurze Beine? Da kommst du bei unseren Maschinen nicht mit auf den Boden.« Heute ist alles anders. Ja. Klar. Denn zum Glück hat man das besagte Selbstbewusstsein mitgebracht und sich beim Reinkommen gleich gemerkt, wo die Tür ist. Letztlich findet sich aber doch noch
eine Fahrschule, in der die Menschen nett sind und Mann und Frau, egal welcher Größe und Konstitution, kompetent beraten und als zahlender Kunde ernst genommen werden. Das zeigt sich beim Probesitzen im Fuhrpark sowie einem blitzschnell durchgeführten Sitzbanktausch. Danach folgt eine Schnupperstunde in der Theorie, und der Fahrlehrer gibt eine genaue Kostenübersicht mit Ausbildungsplan. Zum Schluss erhält das Mädel dann sogar noch einen Führerschein. Ganz ohne blöde Sprüche, dafür mit viel Service, Freundlichkeit und Kompetenz.
Damit der Weg zum Schein nicht ganz so mühsam gerät, hat MOTORRAD die wichtigsten Kriterien, die bei der Wahl einer guten Fahrschule zu berücksichtigen sind, zusammengestellt. Diese Punkte gelten
als Orientierungshilfe für den Schüler, sind
allerdings für Fahrschulen nicht bindend.

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