Die Technik (Archivversion)

Das Ziel ist stets das gleiche: das Blockieren eines Rads zu verhindern.
Der Weg dahin kann jedoch sehr unterschiedlich sein.

Elf Motorräder, elf unterschiedliche Antiblockiersysteme – doch ganz so kompliziert
ist die Sache nicht. Zunächst einmal sind es zwei grundsätzlich verschiedene Funktionsprinzipien, nach denen ein ABS funktionieren kann. Da ist zum einen die Druckmodulation über Magnetventile, zum anderen die über Kolben (Plunger-System). Was letztlich besser ist, lässt sich nicht ohne weiteres sagen. BMW setzt bei der jüngsten ABS-Generation (R 1200 R) auf Ventilsysteme, während die Vorgänger auf Plunger-Systemen
basierten. Die Bosch-Brembo-Anlagen, die in
der Ducati und der KTM Verwendung finden,
arbeiten mit Ventiltechnik. Das Gleiche gilt für die ABS von Kawasaki, Suzuki und Yamaha, die technisch mit dem Bosch-System verwandt sind.
Einen eigenen Weg geht der zweite ABS-Pionier Honda. Auch dort kamen und kommen wie bei BMW zwei Systeme zum Einsatz, in der CBF
das günstigere Magnetsystem und in den aufwendigen integralen CBS-ABS-Einheiten (Varadero, VFR, Pan European) Modulatoren mit Stellmotoren, sprich Plunger.
Stichwort CBS oder Integralbremssystem:
Die Vernetzung von Vorder- und Hinterradbremse (teilintegral bei der R 1200 R, das heißt, das
Fußpedal betätigt weiterhin nur die Hinderradbremse, vollintegral bei der Varadero) hat natürlich auch Folgen für das ABS. Wenn über den Handbremshebel auch die Hinterradbremse
aktiviert wird, muss das ABS die sich beim Bremsvorgang verändernde Radlastverteilung
berücksichtigen und die Bremskraft entsprechend
verteilen. Diese Aufgabe übernimmt bei Honda
(siehe Grafik) das Bremskraftsteuerventil, während BMW elektronisch regelt.
Sogar beim Aufbau des Bremsdrucks gingen die Bayern zeitweise ganz eigene Wege. Analog zum Pkw baut bei der K 1200 S ein Bremskraftver-stärker zusätzlichen Druck auf. Das bringt jedoch Probleme bei der Dosierbarkeit mit sich, grundsätzliche Funktionsmängel am K 1200-System traten dagegen während dieses Tests nicht auf (siehe MOTORRAD 10/2006). Es fielen weder das ABS noch der Bremskraftverstärker aus. Grundsätzlich ist zu der Ausfallproblematik zu sagen: Viele Systeme haben gewisse Fahrzustände (noch) nicht einprogrammiert. Ein durchdrehendes Hinterrad auf Schotter reicht mitunter aus, um das ABS aus dem Tritt zu bringen.

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