Die Top Ten der Motorräder (Archivversion) Die zehn Bestseller 2005

Diese zehn Motorräder sind ihren Konstrukteuren Ansporn und Bestätigung zugleich. Trotz ganz unterschiedlicher Anlagen haben sie es ganz nach vorn geschafft – unter die Top Ten in Deutschland. Wo liegen die Wurzeln dieses Erfolgs, was macht diese Modelle so unwiderstehlich?

Was hören und kaufen die Deutschen am liebsten? Diese Frage bewegt CD-Produzenten, Pop-Ikonen und Schlagersternchen. Einen echten Hit landen
und sich dann so lange wie möglich
in den Charts halten, davon träumt
jede Nachwuchsband. Kaum anders ticken
die Marketing-Strategen der Motorradindustrie. Doch worauf fährt das Volk
ab? Brot-und-Butter-Bikes, weil die fetten
Jahre vorbei sind? Oder doch High-End-Maschinen, koste es, was es wolle? Darf es ein bisschen mehr Schmackes sein, oder siegt am Ende die Vernunft?
Die Antwort ist einfach: Populär ist jede dieser Strategien. Das zeigt ein Blick auf die aktuellen Motorrad-Charts, ausgezählt bis Ende Oktober 2005. Vom Kraftfahrt-Bundesamt, nicht von Media Control. Es sind zwar noch leichte Verschiebungen
bis zum Jahresende möglich, die Aussagen jedoch eindeutig. Seit Jahren. Die Deutschen favorisieren Mittelklasse-Maschinen, 1000er-Supersportler und fette BMWs. Vier agile Allrounder und drei Top-Racer, alle japanischen Ursprungs, sowie drei Bayerische haben es in die Top Ten geschafft. Gratulation. Den Erfolg dieser zehn Chartbreaker ergründen die Kurzcharakteristiken auf den folgenden Seiten.
Zusammen fanden sie 33697 Käufer; sie stellen damit knapp 30 Prozent der insgesamt 114317 Neuzulassungen bis dato.
Und die Trends? ABS wird immer wichtiger, ist schon bei fünf der zehn Topseller zu haben. Nicht neu dagegen, dass seit 1999 die Zahl der Neuverkäufe stetig sinkt. Da geht es dem Motorradmarkt kaum
anders als der Musikindustrie. Zulegen
können einige wenige der kleineren Hersteller, insbesondere KTM und auf niedrigerem Niveau Triumph und MV Agusta/
Cagiva. Bei der prestigeträchtigen Marktführerschaft liefern sich Honda mit 18,47 und BMW mit 18,38 Prozent vor Suzuki mit 16,72 Prozent ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Bis Silvester werden die Bayern vermutlich noch mal richtig Gas geben, um den Titel aus dem Vorjahr zu verteidigen.
Allen voran führt ihre R 1200 GS die Statistik an. Der Deutschen liebstes Kind, wie die Grafik zu den Verkaufszahlen auf Seite 52 zeigt: Sie enthält wie bei jedem anderen der Top-Ten-Interpreten alle direkten Vorläufermodelle. Die BMW K 1200 S hat kein anderes Modell ersetzt, und doch hat es sie auf Platz sieben katapultiert. Wohl nicht zuletzt wegen ihres optional
erhältlichen elektronisch per Daumendruck einstellbaren Fahrwerks. Das hat, ebenfalls als Extra, auch die R 1200 RT an Bord.
Ihr neunter Platz setzt den langjährigen
Erfolg der boxenden Reise-Tourer fort. Die RT ist der einzige echte Tourer unter den Topsellern. Und außer ihr sind lediglich
die Suzuki Bandit 650 und GSX-R 1000 echte 2005er-Neuheiten.
Ansonsten geben sich die Deutschen konservativ, vertrauen Dauerbrennern. Allerdings nicht sklavisch. So purzelten gleich drei langjährige Top-Acts in diesem Jahr aus den Charts. Suzukis Erfolgsmodelle SV 650 und Bandit 1200 wie auch die BMW F 650. Was ist da los? Um hinten anzufangen: Einzylindermaschinen haben hierzulande einen schweren Stand, der Trend zu mehr Leistung und Hubraum hält gnadenlos an. Insofern war der Erfolg der kleinen GS ohnehin beispiellos. Offenbar hat sie nun ihre Schuldigkeit getan, reichen 50 PS nur noch wenigen. Zwar fand sie
immer noch 1739 Fans, das bedeutet Rang 15, doch 2004 schaffte sie es mit 3703 gelösten Tickets auf Platz vier. Und 2006 heizt ihr die neue F 800 ein.
Außerdem verlor die F 650 GS ihr Exklusivmerkmal in der Mittelklasse: Die stetig steigende Nachfrage nach ABS, löblich, löblich, zog einen wahren Dammbruch auf der Anbieterseite nach sich. Honda machte 2004 mit der CBF 600 höchst erfolgreich den Anfang, sie schoss im ersten Jahr
als Shooting-Star auf Platz eins der Charts. Ihr Rezept? Viel Motorrad fürs Geld, variable Ergonomie – und ABS. In Scharen griffen Fahrschulen und (Wieder-) Einsteiger zu. Heuer reicht es noch für den respektablen zweiten Platz. Suzuki zog zur Saison 2005 mit der Bandit 650 nach – mit mehr Druck und serienmäßigem ABS. Ob sie damit 2006 an der Honda vorbeizieht? Darüber spekuliert der Ausblick auf die zehn erfolgreichsten Modelle des Jahres 2006 auf Seite 60.
Feiert die Bandit 1200 – seit Ewigkeiten beliebt, allerdings für 2006 kaum modellgepflegt – dank ABS ihr Comeback? Und was wird aus der weiterhin nur ohne ABS erhältlichen SV 650? Immerhin steht fürs nächste Jahr eine ABS-Version der beliebten Yamaha FZ6 auf dem Spielplan, deren verkleidete Variante auf den traditionellen Namen Fazer hört. Generell ist die Wahl zwischen nackten und (teil-)verkleideten Varianten Teil des Mittelklasse-Erfolgs. Ganz so, wie eine CD-Single verschiedene Mixes ein und desselben Songs vereint. Das beherzigt seit diesem Jahr auch die Kawasaki Z 750, als »S« mit Verkleidung
zu haben. Dazu ködert sie mit basslastiger Stimme und unverschämt viel Bums für ihre Klasse bei günstigen Preisen. Das
honorieren die Käufer, hieven die Quoten-Kawasakis auf Position acht der Verkaufsstatistik. Doch schon im Dezember startet
Kawas Newcomer namens ER-6n/f zur Deutschland-Tournee, und zwar mit ABS und noch günstiger.
Spannend geht’s bei den Supersportlern zu. Gerade mal 19 verkaufte Exemplare trennen die Kawasaki ZX-10R von der Yamaha YZF-R1, die ihren zehnten Platz also sogar noch verlieren könnte. Selbst die ZX-6R liegt mit 1920 Exemplaren in Schlagdistanz zur 2029-mal verkauften YZF-R1. Die Sechser-Kawa setzt dem Trend, der eindeutig weg von den 600er-Supersportlern weist, ihr spürbares Hubraum- und Drehmomentplus entgegen. Ganz besonders punktet Suzukis GSX-R 1000 auf Rang fünf: die erfolgreichste Maschine und einzige 2005er-Neuheit ihrer Klasse. Noch dazu als einziger Sportler unter den zehn bestplatzierten Maschinen in der 1000-Punkte-Wertung von MOTORRAD.
Prima behauptete sich die Fireblade auf Platz sechs der Neuzulassungen.
Normalerweise gleicht die zickzackförmige Verkaufsbilanz der Supersportler einer
Fieberkurve am Krankenbett: Sie verkaufen sich prima nach dem alle zwei Jahre erfolgenden Modellwechsel, fallen jedoch im zweiten Jahr stark ab, gelten als nicht mehr up to date. Anders die Blade des Jahres 2005. Sie liegt mit 2862 Neuverkäufen bis Oktober 2005 nur unwesentlich unter den 3215 Exemplaren 2004. Eine Folge der schicken Repsol-Lackierung? Wo könnte dann eine R1 im Rossi-Look landen? Womit letztlich nur gesagt wäre, dass der Geschmack entscheidet. Gut so! Beim Kauf einer CD lassen wir uns schließlich auch nicht vorschreiben, was wir zu hören haben.

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