DMSB-Clubsport-Trophy Wilkommen im Club

Beschränkte Budgets, exotische Maschinen, olympischer Gedanke oder von allem etwas – viele Wege führen in die DMSB-Clubsport-Trophy.

Mitte der 90er-Jahre kehrte Michael Geiger trotz guter Resultate der Pro Superbike-DM mangels ausreichender Finanzkraft den Rücken. In der Clubsport-Szene ist der Unterfranke aber weiterhin präsent, sehr erfolgreich und gilt als einer ihrer buntesten Hunde. Das liegt wesentlich an seinem Rennmotorrad, einer im Kern 23 Jahre alten Kawasaki Z 1000.
1999 noch Gesamtsieger der Thunderbike-Trophy, fährt der vom Kawasaki Z-Spezialisten Roland Lenden aus dem hessischen Oberursel radikal überarbeitete Oldtimer jetzt in der Klasse Open Xtreme der vom Deutschen Motorsportverband DMSB völlig neuformierten Clubsport-Trophy. Im Zuge der Umstrukturierung der Rennsportkategorien ab der Saison 2000 wurde auch der Amateur- und Breitensport völlig neu geordnet. Die Clubsport-Trophy fasst Klassen aus dem bisherigen DM-Programm, dem Rundstrecken-Cup sowie völlig neue zusammen. Zwei Rennen pro Veranstaltung sowie die doppelte Trainingszeit als zuvor bieten den Fahrern mehr Action und sollen die massiven Abwanderungen in die freie Renntrainingsszene wieder eindämmen.
Die Xtreme-Bikes stellen die schärfste Clubsport-Kategorie. Dort fahren etwa 500-cm³-Rennmaschinen aus der bisherigen DM sowie im Hubraum unbeschränkte Drei- und Vierzylinder-Viertakt-Maschinen mit Supersport-ähnlicher Technik. Und sogenannte »klassische Maschinen« wie die Z 1000, die allerdings sehr weitgehend überarbeitet werden dürfen.
So verfügt das rennende Schaufenster des Kawasaki Z-Restaurierers abweichend vom Original über ein TechnoFlex-Zentralfederbein, einen verstellbaren Schwingendrehpunkt sowie eine WP-Upside-down-Gabel. Der 180-Kilogramm-Renner kann sich dank hochaktueller 145 PS bestens in Szene setzen, obwohl der Motorblock des 1100ers schon 16 Jahre auf dem Buckel hat.
Ebenfalls nicht von gestern ist die finanzielle Seite: Der Materialwert beträgt 37750 Mark, dazu kommen rund 500 Arbeitsstunden. Seinen Stundensatz verrät Meister Lenden lieber nicht.
Am anderen Ende der Kostenspirale in der Clubsport-Szene steht auch ein sehr erfolgreiches Konzept: die Kawasaki ZX-R 400 von Frank Borkovsky, 1998 und 1999 Gesamtsieger in der Viertakt-Challenge. »Das rennfertige Motorrad repräsentiert einen Wert von nicht mehr als 7000 Mark«, erstaunt der Mann vom Niederrhein. Die kleine Renn-ZX-R basiert auf einer 1993er-Unfallmaschine und leistet gut 80 PS bei rund 145 Kilogramm. Den Gebrauchtrenner steckt die neue Clubsport-Trophy in die Klasse Open Challenge für Vierzylinder-Viertakter bis 400 cm³, Zweizylinder-Viertakter bis 600 cm³ sowie Zweizylinder-Zweitakter bis 250 cm³ mit Supersport-ähnlichem Regelwerk.
Dazu starten als Challenger Einzylinder-Viertakter bis 800 cm³. Die SoS-Racer haben aber alle konstruktiven Freiheiten echter Rennmaschinen. Beispiel dafür ist die Pami-BMW von Konstrukteur Gottfried Michels aus Trier, durch dessen Hände auch die siegreichen BMW-Triebwerke der Dakar – Kairo-Rallye gingen. Seine heißen Single-Aggregate vereinigt er für die Asphaltpisten mit britischen Tigcraft-Rahmen zu pfeilschnellen Renntieren unter den Fahrern Manfred Kehrmann, Zweiter der 1999er-Viertakt-Challenge hinter Borkovsky, und Thomas Schmitz, dem Gesamt-Vierten.
Mit einem Preis von rund 25000 Mark sind die ebenfalls rund 80 PS starken und 130 Kilogramm schweren Eintöpfe zwar um einiges teurer als die Low-Budget-Kawa. Aber Fans von extremer Renntechnik kommen in der Clubsport-Welt an den Single-Racern nicht vorbei.
Den Jüngern der reinen Lehre der Twins hat die Clubsport-Trophy gleich zwei Klassen reserviert. In der ersten Liga treten Maschinen mit Vierventil-Motoren an. Um aber hyperteure, verkappte Superbikes wie Ducati 996, Honda VTR 1000-SP 1 oder Aprilia RSV mille SP einzubremsen, gilt ein ausgeklügeltes Handikap-System.
Aufgrund dieser Regeln dominieren bislang auf der alten, zivileren Version aufgebaute Honda VTR 1000, wie das mit Moriwaki-Teilen veredelte Motorrad von Honda-Händler Wellbrock aus Lillienthal bei Bremen - ebenfalls ein rasender Markt der Möglichkeiten. In der Maximalversion stehen gut 145 PS bei 165 Kilogramm zum Preis von mehr als 45000 Mark zu Buche.
In der BoT-Formel 2 fahren Viertakt-Twins mit Zwei-, Drei- oder Fünfventil-Motoren. Und vervollständigt wird die DMSB Clubsport-Trophy von den Open Street Bikes, straßenzulassungsfähigen Drei- und Vierzylinder-Viertaktern ohne Hubraumlimit, aber mit limitierter Höchstleistung.
Der neue Sport-Club bietet bunte Vielfalt im Startfeld und sicherlich jede Menge Zündstoff im Streit der verschiedensten Maschinenkonzepte.

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